SUSE® Linux Enterprise (SLE) ermöglicht die Aktualisierung eines vorhandenen Systems auf die neue Version, zum Beispiel von SLE 11 SP4 zu SLE 12. Es ist keine neue Installation erforderlich. Bestehende Daten wie Home- und Datenverzeichnisse sowie Systemkonfigurationen bleiben erhalten. Sie können die Aktualisierung von einem lokalen CD- oder DVD-Laufwerk oder von einer zentralen Netzwerkinstallationsquelle durchführen.
In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Sie das SUSE Linux Enterprise-System manuell per DVD, über das Netzwerk, mit einem automatisierten Prozess oder mit SUSE Manager aufrüsten.
Vor Beginn der Aktualisierung muss das System ordnungsgemäß vorbereitet werden. Zur Vorbereitung gehören unter anderem das Sichern der Daten und das Lesen der Versionshinweise.
SUSE Linux Enterprise Desktop ermöglicht die Installation mehrerer Kernel-Versionen. Hierfür müssen die entsprechenden Einstellungen in /etc/zypp/zypp.conf aktiviert werden. Für die Aktualisierung auf einen Service Pack muss diese Funktion vorübergehend deaktiviert werden. Sobald die Aktualisierung erfolgreich abgeschlossen wurde, kann die Unterstützung mehrerer Versionen wieder aktiviert werden. Zur Deaktivierung der Unterstützung mehrerer Versionen müssen die entsprechenden Zeilen in der Datei /etc/zypp/zypp.conf auf Kommentar gesetzt werden. Das Ergebnis sollte folgendermaßen aussehen:
#multiversion = provides:multiversion(kernel) #multiversion.kernels = latest,running
Wenn Sie diese Funktion nach einer erfolgreichen Aktualisierung wieder aktivieren möchten, entfernen Sie die Kommentarzeichen. Weitere Informationen zur Unterstützung mehrerer Versionen finden Sie in Abschnitt 10.1, „Aktivieren und Konfigurieren der Multiversions-Unterstützung“.
In den Versionshinweisen finden Sie zusätzliche Informationen zu den Änderungen, die seit der vorigen Version von SUSE Linux Enterprise vorgenommen wurden. Ermitteln Sie anhand dieser Hinweise, ob Ihre Hardware oder Einrichtung überarbeitet werden muss, welche Ihrer bevorzugten Softwarepakete maßgeblich geändert wurden und welche Vorkehrungen Sie zusätzlich zu den allgemeinen Empfehlungen in diesem Abschnitt treffen sollten. In den Versionshinweisen finden Sie auch Informationen und Probleme, die erst nach der Fertigstellung des Handbuchs bekannt wurden.
Die aktuelle Fassung der Versionshinweise mit den neuesten Informationen zu SUSE Linux Enterprise Desktop finden Sie online unter http://www.suse.com/documentation/.
Kopieren Sie die bestehenden Konfigurationsdateien vor der Aktualisierung auf ein separates Medium (wie ein Bandlaufwerk oder eine externe Festplatte), um die Daten zu sichern. Dies gilt hauptsächlich für die in /etc gespeicherten Dateien sowie für bestimmte Verzeichnisse und Dateien in /var und /opt. Zudem empfiehlt es sich, die Benutzerdaten in /home (den HOME-Verzeichnissen) auf ein Sicherungsmedium zu schreiben. Melden Sie sich zur Sicherung dieser Daten als root an. Nur der Benutzer root verfügt über die Leseberechtigung für alle lokalen Dateien.
Wenn Sie in YaST den Installationsmodus ausgewählt haben, können Sie später wahlweise eine (System-)Sicherung ausführen. Sie können alle geänderten Dateien und die Dateien aus dem Verzeichnis /etc/sysconfig einschließen. Dies ist allerdings keine vollständige Sicherung, da alle anderen wichtigen, oben genannten Verzeichnisse außer Acht gelassen werden. Die Sicherungskopie befindet sich im Verzeichnis/var/adm/backup.
Ab SUSE Linux Enterprise 12 hat SUSE von MySQL auf MariaDB umgestellt. Bevor Sie die Aufrüstung starten, wird dringend empfohlen, die Datenbank zu sichern.
So führen Sie die Datenbankmigration aus:
Melden Sie sich auf dem SUSE Linux Enterprise 11-Computer an.
Erstellen Sie eine Dump-Datei:
root #mysqldump-u root -p --all-databases > mysql_backup.sql
Standardmäßig wird die Datenbank INFORMATION_SCHEMA oder performance_schema nicht im Speicherauszug mit mysqldump berücksichtigt. Weitere Einzelheiten finden Sie unter https://dev.mysql.com/doc/refman/5.5/en/mysqldump.html.
Legen Sie die Dump-Datei, die Konfigurationsdatei /etc/my.cnf und das Verzeichnis /etc/mysql/ zur späteren Untersuchung (NICHT Installation!) an einem sicheren Speicherort ab.
Führen Sie die Aufrüstung aus. Nach der Aufrüstung ist die bisherige Konfigurationsdatei /etc/my.cnf unverändert. Die neue Konfiguration finden Sie in der Datei /etc/my.cnf.rpmnew.
Konfigurieren Sie die MariaDB-Datenbank je nach Bedarf. Bearbeiten Sie dabei NICHT die bisherige Konfigurationsdatei und das frühere Verzeichnis, sondern nutzen Sie diese nur als Vorlage, und passen Sie die Einstellungen entsprechend an.
Starten Sie den MariaDB-Server:
root #systemctlstart mysql
Soll der MariaDB-Server bei jedem Booten gestartet werden, aktivieren Sie den Dienst:
root #systemctlenable mysql
Prüfen Sie, ob MariaDB ordnungsgemäß ausgeführt wird. Stellen Sie hierzu eine Verbindung zur Datenbank her:
root #mysql-u root -p
SLE11 SP3 und SLE12 GA erhalten eine neuere Version der PostgreSQL-Datenbank als Wartungsaktualisierung. Aufgrund der erforderlichen Migrationsschritte für die Datenbank ist kein automatischer Upgradevorgang verfügbar. Die Umstellung auf die neue Version muss daher manuell erfolgen.
Der Migrationsvorgang wird mit dem Befehl pg_upgrade ausgeführt. Dieser Befehl ist eine alternative Methode zur bewährten Methode mit Erstellen eines Speicherauszugs und Neuladen. Im Vergleich zu „Speicherauszug und Neuladen“ ist die Migration mit pg_upgrade weniger zeitaufwändig.
Die Dateien der verschiedenen PostgreSQL-Versionen sind jeweils in verschiedenen versionsabhängigen Verzeichnissen gespeichert. Nach der Aktualisierung gelten die folgenden neuen Verzeichnisse:
/usr/lib/postgresql91/ to /usr/lib/postgresql94/
/usr/lib/postgresql93/ to /usr/lib/postgresql94/
So führen Sie die Datenbankmigration aus:
Prüfen Sie, ob die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:
Rüsten Sie alle Pakete der alten PostgreSQL-Version per Wartungsaktualisierung auf die aktuelle Version auf, sofern Sie dies noch nicht erledigt haben.
Erstellen Sie eine Sicherung der vorhandenen Datenbank.
Installieren Sie die Pakete der neuen PostgreSQL-Hauptversion. Bei SLE 12 installieren Sie postgresql94-server und alle Pakete, von denen dieses Paket abhängig ist.
Installieren Sie das Paket
postgresql94-contrib
(enthält den Befehl pg_upgrade).
Prüfen Sie, ob ausreichend freier Speicherplatz im PostgreSQL-Datenbereich verfügbar ist (standardmäßig /var/lib/pgsql/data). Falls der Speicherplatz nicht ausreicht, versuchen Sie, die einzelnen Datenbanken mit dem folgenden SQL-Befehl zu verkleinern (kann sehr lange dauern!):
VACUUM FULL
Halten Sie den PostgreSQL-Server an:
root #/usr/sbin/rcpostgresqlstop
Benennen Sie das alte Datenverzeichnis um:
root #mv/var/lib/pgsql/data /var/lib/pgsql/data.old
Erstellen Sie ein neues Datenverzeichnis:
root #mkdir-p /var/lib/pgsql/data
Wenn Sie die Konfigurationsdateien in der alten Version geändert hatten, kopieren Sie die Dateien postgresql.conf und pg_hba.conf in das neue Verzeichnis data:
root #cp/var/lib/pgsql/data.old/*.conf \ /var/lib/pgsql/data
Initialisieren Sie die neue Datenbankinstanz manuell mit initdb oder starten und stoppen Sie PostgreSQL, wodurch die Instanz automatisch initialisiert wird:
root #/usr/sbin/rcpostgresqlstartroot #/usr/sbin/rcpostgresqlstop
Starten Sie den Migrationsvorgang und ersetzen Sie den Platzhalter OLD durch die ältere Version:
root #pg_upgrade\ --old-datadir "/var/lib/pgsql/data.old" \ --new-datadir "/var/lib/pgsql/data" \ --old-bindir "/usr/lib/postgresqlOLD/bin/" \ --new-bindir "/usr/lib/postgresql94/bin/"
Starten Sie die neue Datenbankinstanz:
root #/usr/sbin/rcpostgresqlstart
Überprüfen Sie, ob die Migration erfolgreich war. Für diesen Schritt gibt es kein automatisiertes Tool. Der Umfang und die Elemente für den Test sind abhängig von Ihrem jeweiligen Anwendungsfall.
Entfernen Sie alle alten PostgreSQL-Pakete und das alte Datenverzeichnis:
root #zyppersearch -s postgresqlOLD | xargs zypper rm -uroot #rm-rf /var/lib/pgsql/data.old
Wenn Ihr Rechner als VM-Hostserver für KVM oder Xen fungiert, müssen Sie vor der Aktualisierung alle aktiven VM-Gäste ordnungsgemäß herunterfahren. Andernfalls können Sie nach der Aktualisierung wahrscheinlich nicht mehr auf die Gäste zugreifen.
Software weist normalerweise von Version zu Version mehr „Umfang“ auf. Folglich sollten Sie vor dem Aktualisieren den verfügbaren Partitionsspeicher überprüfen. Wenn Sie befürchten, dass der Speicherplatz nicht ausreicht, sichern Sie Ihre Daten und erhöhen Sie dann den verfügbaren Speicherplatz, indem Sie beispielsweise die Größe von Partitionen ändern. Es gibt keine Faustregel hinsichtlich des Speicherplatzes einzelner Partitionen. Die Platzanforderungen hängen von Ihrem bestimmten Partitionsprofil und von der ausgewählten Software ab.
YaST prüft während des Aktualisierungsvorgangs den freien Speicherplatz und zeigt dem Benutzer eine Warnmeldung an, wenn die verfügbare Menge möglicherweise nicht für die Installation ausreicht. Wenn Sie die Aktualisierung in diesem Fall dennoch durchführen, kann das System unbrauchbar werden! Sie sollten die Warnmeldung nur dann ignorieren und mit der Aktualisierung fortfahren, wenn Sie genau wissen, was Sie tun (da Sie dies in einem Vorabtest abgeklärt haben).
Listen Sie mit dem Kommando df den verfügbaren Speicherplatz auf. In Beispiel 14.1, „Über df -h angezeigte Liste“ ist beispielsweise /dev/sda3 die Root-Partition (eingehängt als /).
df -h angezeigte Liste #Filesystem Size Used Avail Use% Mounted on /dev/sda3 74G 22G 53G 29% / tmpfs 506M 0 506M 0% /dev/shm /dev/sda5 116G 5.8G 111G 5% /home /dev/sda1 39G 1.6G 37G 4% /windows/C /dev/sda2 4.6G 2.6G 2.1G 57% /windows/D
Wenn Sie Btrfs als Root-Dateisysteme auf dem Computer nutzen, muss ausreichend freier Speicherplatz zur Verfügung stehen. Mit den folgenden beiden Befehlen ermitteln Sie den Speicherplatz:
root #btrfsfilesystem df /root #df/
Die beiden Befehle liefern ähnliche Angaben über den belegten Speicherplatz. Allerdings besteht bei Btrfs das Problem, dass nicht bekannt ist, welche Elemente in einem Snapshot referenziert werden und welche nicht. Es ist also nicht möglich, den Speicherplatz zu berechnen, der für eine Änderung erforderlich ist.
Im schlimmsten Fall belegt eine Aufrüstung ebenso viel Speicherplatz wie das aktuelle Root-Dateisystem (ohne /.snapshot). Ermitteln Sie den freien Speicherplatz nicht nur für die Btrfs-Dateisysteme, sondern auch für andere Dateisysteme. Die folgende Empfehlung hat sich bewährt:
Bei allen Dateisystemen (auch Btrfs) benötigen Sie ausreichend freien Speicherplatz, damit Sie große RPMs herunterladen und installieren können. Der Speicherplatz der alten RPMs wird erst dann freigegeben, wenn die neuen RPMs installiert sind.
Bei Btrfs mit Snapshots benötigen Sie mindestens so viel freien Speicherplatz, wie von der aktuellen Installation belegt wird. Es wird mindestens die doppelte Menge an freiem Speicherplatz empfohlen, wie von der aktuellen Installation belegt wird.
Falls nicht ausreichend freier Speicherplatz verfügbar ist, können Sie ältere Snapshots wie folgt mit snapper löschen:
root #snapperlistroot #snapperdelete NUMBER
Dies reicht jedoch nicht in allen Fällen aus. Vor der Migration belegen die meisten Snapshots nur wenig Platz.
Architekturübergreifende Aufrüstungen wie von einer 32-Bit-Version von SUSE Linux Enterprise Desktop auf die 64-Bit-Version oder die Aufrüstung von Big Endian auf Little Endian werden nicht unterstützt.
Insbesondere SLE 11 unter POWER (Big Endian) auf SLE 12 SP1 unter POWER (neu: Little Endian) wird nicht unterstützt.
Da SUSE Linux Enterprise 12 nur in der 64-Bit-Version verfügbar ist, werden Aufrüstungen von 32-Bit-Systemen von SUSE Linux Enterprise 11 auf SUSE Linux Enterprise 12 und höher nicht unterstützt.
Vor der Migration beachten Sie Abschnitt 14.1, „Allgemeine Vorbereitungen“.
Es gibt keinen unterstützten direkten Migrationspfad zu SUSE Linux Enterprise 12. Stattdessen wird eine Neuinstallation empfohlen.
Es gibt keinen unterstützten direkten Migrationspfad zu SUSE Linux Enterprise 12. Zum Aufrüsten auf SLE 12 muss mindestens SLE 11 SP3 vorliegen.
Falls Sie keine Neuinstallation ausführen können, müssen Sie zunächst von SLE 11 GA auf SP1 aufrüsten, dann von SLE 11 SP1 auf SP2 und schließlich von SLE 11 SP2 auf SP3. Diese Schritte werden im SUSE Linux Enterprise 11-Bereitstellungshandbuch beschrieben.
Fahren Sie anschließend mit Abschnitt 14.4, „Unterstützte Methoden zum Aufrüsten von SUSE Linux Enterprise“ fort.
Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 14.4, „Unterstützte Methoden zum Aufrüsten von SUSE Linux Enterprise“.
Weitere Informationen finden Sie unter Kapitel 15, Service Pack-Migration.
Das Aufrüsten von SUSE Linux Enterprise 11 SP3 auf SUSE Linux Enterprise 12, SUSE Linux Enterprise 11 SP3 auf SUSE Linux Enterprise 12 SP1 sowie SUSE Linux Enterprise 11 SP4 auf SUSE Linux Enterprise 12 SP1 wird mit einer der folgenden Methoden unterstützt:
Vor dem Aufrüsten des Systems beachten Sie Abschnitt 14.1, „Allgemeine Vorbereitungen“.
Zur Aufrüstung des Systems mit dieser Methode müssen Sie den Computer von einer Installationsquelle starten (wie bei einer Neuinstallation). Im Bootbildschirm wählen Sie dabei jedoch (statt ). Sie können von den folgenden Installationsquellen booten:
Ein lokales Installationsmedium (z. B. eine DVD oder ein ISO-Image auf einem USB-Massenspeichergerät). Weitere Anweisungen finden Sie unter Abschnitt 14.5.1, „Aufrüsten von einem Installationsmedium“.
Eine Netzwerkinstallationsquelle. Sie können wahlweise vom lokalen Medium booten und dann den entsprechenden Netzwerkinstallationstyp auswählen oder über PXE booten. Weitere Anweisungen finden Sie unter Abschnitt 14.5.2, „Aufrüsten von einer Netzwerkinstallationsquelle“.
Im nachfolgenden Verfahren wird das Booten von DVD als Beispiel beschrieben. Sie können jedoch auch ein anderes lokales Installationsmedium verwenden, z. B. ein ISO-Image auf einem USB-Massenspeichergerät. Das Verfahren zum Auswählen der Bootmethode und zum Starten des Systems vom Medium hängt von der Systemarchitektur und davon ab, ob der Computer mit einem herkömmlichen BIOS oder mit UEFI ausgestattet ist. Weitere Informationen finden Sie unter den nachfolgenden Links.
Legen Sie DVD 1 des SUSE Linux Enterprise 12-SP1-Installationsmediums ein und booten Sie den Computer. Ein wird geöffnet, gefolgt vom Bootbildschirm.
Wählen Sie die Bootmethode zum Starten des Systems vom Medium aus (weitere Informationen unter Abschnitt 2.1, „Wahl der Installationsmethode“).
Starten Sie das System vom Medium (weitere Informationen unter Abschnitt 2.2, „Systemstart für die Installation“).
Fahren Sie gemäß Abschnitt 14.7, „Starten des Aufrüstungsvorgangs nach dem Booten“ mit der Installation fort.
Zum Aufrüsten über eine Netzwerkinstallationsquelle müssen die folgenden Anforderungen erfüllt sein:
Eine Netzwerkinstallationsquelle ist gemäß Kapitel 3, Einrichten des Servers, auf dem sich die Installationsquellen befinden eingerichtet.
Sowohl der Installationsserver als auch der Zielcomputer besitzen eine funktionsfähige Netzwerkverbindung. Das Netzwerk muss die folgenden Dienste umfassen: Namendienst, DHCP (optional, zum Booten über PXE jedoch erforderlich) und OpenSLP (optional).
Sie haben eine SUSE Linux Enterprise-DVD 1 (oder ein lokales ISO-Image) zur Hand, mit dem Sie das Zielsystem booten können, oder ein Zielsystem, das gemäß Abschnitt 4.5, „Vorbereiten des Zielsystems für PXE-Boot“ für das Booten über PXE eingerichtet ist. Detaillierte Informationen zum Starten der Aufrüstung von einem Remote-Server finden Sie unter Kapitel 5, Installationen auf Remote-Systemen.
Beim Aufrüsten von einer Netzwerkinstallationsquelle können Sie wahlweise vom lokalen Medium booten und dann den entsprechenden Netzwerkinstallationstyp auswählen oder über PXE booten. Entscheiden Sie sich für eine Methode und fahren Sie gemäß Prozedur 14.2 bzw. Prozedur 14.3 fort.
In diesem Verfahren wird das Booten von DVD als Beispiel beschrieben. Sie können jedoch auch ein anderes lokales Installationsmedium verwenden, z. B. ein ISO-Image auf einem USB-Massenspeichergerät. Das Verfahren zum Auswählen der Bootmethode und zum Starten des Systems vom Medium hängt von der Systemarchitektur und davon ab, ob der Computer mit einem herkömmlichen BIOS oder mit UEFI ausgestattet ist. Weitere Informationen finden Sie unter den nachfolgenden Links.
Legen Sie DVD 1 des SUSE Linux Enterprise 12-SP1-Installationsmediums ein und booten Sie den Computer. Ein wird geöffnet, gefolgt vom Bootbildschirm.
Wählen Sie die gewünschte Netzwerkinstallationsquelle aus (FTP, HTTP, NFS, SMB oder SLP). Diese Auswahl erhalten Sie in der Regel mit F4. Falls der Computer mit UEFI statt mit einem herkömmlichen BIOS ausgestattet ist, müssen Sie ggf. die Bootparameter manuell anpassen. Weitere Informationen finden Sie unter Installation von einem Netzwerkserver in Kapitel 2, Installation mit YaST.
Fahren Sie gemäß Abschnitt 14.7, „Starten des Aufrüstungsvorgangs nach dem Booten“ mit der Installation fort.
So führen Sie die Aufrüstung von einer Netzwerkinstallationsquelle mit dem PXE-Boot aus:
Passen Sie das Setup Ihres DHCP-Servers an, damit die für den PXE-Boot erforderlichen Adressinformationen angegeben werden. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 4.5, „Vorbereiten des Zielsystems für PXE-Boot“.
Richten Sie einen TFTP-Server ein, auf dem das Boot-Image für das Booten über PXE abgelegt wird. Nutzen Sie hierfür DVD 1 des SUSE Linux Enterprise-Service Packs oder befolgen Sie die Anweisungen in Abschnitt 4.2, „Einrichten eines TFTP-Servers“.
Bereiten Sie den PXE-Boot und Wake-on-LAN auf dem Zielcomputer vor.
Starten Sie den Boot des Zielsystems und verwenden Sie VNC, um sich entfernt mit der auf diesem Computer ausgeführten Installationsroutine zu verbinden. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 5.3.1, „VNC-Installation“.
Fahren Sie gemäß Abschnitt 14.7, „Starten des Aufrüstungsvorgangs nach dem Booten“ mit der Installation fort.
Vor dem Aufrüsten des Systems beachten Sie Abschnitt 14.1, „Allgemeine Vorbereitungen“ Gehen Sie folgendermaßen vor, um eine automatische Migration auszuführen:
Kopieren Sie den Installations-Kernel linux und die Datei initrd von /boot/x86_64/loader/ auf der ersten Installations-DVD in das /boot-Verzeichnis des Systems:
cp-vi DVDROOT/boot/x86_64/loader/linux /boot/linux.upgradecp-vi DVDROOT/boot/x86_64/loader/initrd /boot/initrd.upgrade
DVDROOT bezeichnet den Pfad, in den das System die DVD einhängt, normalerweise /run/media/$USER/$DVDNAME.
Öffnen Sie die alte GRUB-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst und fügen Sie einen weiteren Abschnitt hinzu. Bearbeiten Sie für andere Bootloader die entsprechenden Konfigurationsdateien. Passen Sie die Gerätenamen und den Parameter Root entsprechend an. Beispiel:
title Linux Upgrade Kernel kernel (hd0,0)/boot/linux.upgrade root=/dev/sda1 upgrade=1 OPTIONAL_PARAMETERS initrd (hd0,0)/boot/initrd.upgrade
OPTIONAL_PARAMETERS bezeichnen zusätzliche Boot-Parameter, die Sie möglicherweise zum Booten Ihres Systems und zum Durchführen der Aufrüstung benötigen. Unter Umständen sind dies Kernel-Parameter, die für das System erforderlich sind. Überprüfen Sie diese Parameter daher und kopieren Sie sie ggf. aus einem vorhandenen GRUB-Eintrag. Alternativ sind hier SUSE linuxrc-Parameter aufgeführt, die online dokumentiert sind.
Wenn die Aufrüstung automatisch durchgeführt werden soll, fügen Sie autoupgrade=1 am Ende der kernel-Zeile in der GRUB-Konfiguration an.
Booten Sie Ihren Rechner neu und wählen Sie den neu hinzugefügten Abschnitt im Boot-Menü aus (hier: Linux-Aufrüstungs-Kernel). Mit grubonce können Sie den neu erstellten GRUB-Eintrag für einen unbeaufsichtigten automatischen Neustart in den neu erstellten Eintrag vorab auswählen. Sie können auch reboot verwenden, um den Reboot von der Kommandozeile aus zu initiieren.
Fahren Sie gemäß Abschnitt 14.7, „Starten des Aufrüstungsvorgangs nach dem Booten“ mit dem gewohnten Aufrüstungsvorgang fort.
Nach Fertigstellung des Aufrüstungsvorgangs entfernen Sie den Installations-Kernel und die initrd-Dateien (/boot/linux.upgrade und /boot/initrd.upgrade). Sie werden nicht mehr benötigt.
Nach dem Booten (von einem Installationsmedium oder über das Netzwerk) wählen Sie im Bootbildschirm die Option .
Wenn Sie statt wählen, können später Daten verlorengehen. Durch eine versehentliche Neuinstallation können die vorhandenen Datenpartitionen unter Umständen zerstört werden, z. B. durch Neupartitionieren der Festplatten (zerstört die vorhandenen Partitionen) oder durch Neuformatieren der Datenpartitionen (löscht alle vorhandenen Daten).
Wählen Sie hier in jedem Fall die Option .
YaST startet das Installationssystem.
Wählen Sie im Bildschirm die und die Belegung der aus und nehmen Sie die Lizenzvereinbarung an. Fahren Sie mit fort.
YaST sucht auf den Partitionen nach bereits installierten SUSE Linux Enterprise-Systemen.
Wählen Sie im Bildschirm die aufzurüstende Partition aus und klicken Sie auf .
YaST hängt die ausgewählte Partition ein und zeigt alle Repositorys an, die sich in der aufzurüstenden Partition befinden.
Passen Sie im Bildschirm den Status der Repositorys an: Aktivieren Sie die Repositorys, die beim Aufrüstungsprozess berücksichtigt werden sollen, und deaktivieren Sie alle nicht mehr benötigten Repositorys. Fahren Sie mit fort.
Geben Sie im Bildschirm an, dass das aufgerüstete System jetzt registriert werden soll (geben Sie hierzu Ihre Registrierungsdaten ein und klicken Sie auf ) oder wählen Sie . Weitere Informationen zum Registrieren des Systems finden Sie in Abschnitt 14.10, „Registrieren des Systems“.
Prüfen Sie die für die Aufrüstung, insbesondere die . Folgende Optionen stehen zur Auswahl:
. Hierbei entgehen Ihnen allerdings ggf. neue Funktionen aus der aktuellen SUSE Linux Enterprise-Version.
. Mit können Sie die Schemata und Pakete je nach Bedarf aktivieren oder deaktivieren.
Wenn Sie vor dem Aufrüsten auf SUSE Linux Enterprise 12 mit KDE gearbeitet haben (DEFAULT_WM in /etc/sysconfig/windowmanager war auf kde* eingestellt), wird die bisherige Desktop-Umgebung nach der Aufrüstung automatisch durch GNOME ersetzt. Standardmäßig wird der KDM-Anzeigemanager durch GDM ersetzt.
Soll eine andere Desktop-Umgebung oder ein anderer Fenstermanager ausgewählt werden, klicken Sie auf und wählen Sie die gewünschte Option.
Wenn die Einstellungen Ihren Anforderungen entsprechen, starten Sie den Installations- und Löschvorgang mit .
Prüfen Sie nach dem erfolgreichen Abschluss des Upgradevorgangs, ob „verwaiste Pakete“ vorhanden sind. Bei verwaisten Paketen handelt es sich um Pakete, die keinem aktiven Repository mehr angehören. Mit dem folgenden Kommando erhalten Sie eine entsprechende Liste:
zypper packages --orphaned
Mithilfe dieser Liste können Sie entscheiden, ob ein Paket nach wie vor benötigt wird oder gefahrlos deinstalliert werden kann.
SUSE Manager ist eine Serverlösung für die Bereitstellung von Aktualisierungen, Patches und Sicherheitsreparaturen für SUSE Linux Enterprise-Clients. Hier finden Sie eine Reihe von Werkzeugen und eine webgestützte Bedienoberfläche für Verwaltungsaufgaben. Weitere Informationen finden Sie im https://www.suse.com/products/suse-manager/.
Bei einer Service Pack-Migration muss die Konfiguration auf dem Registrierungsserver geändert werden, um den Zugriff auf die neuen Repositorys zu ermöglichen. Wenn ein Migrationsvorgang unterbrochen oder (durch Wiederherstellung auf Basis einer Sicherung oder eines Snapshots) rückgängig gemacht wird, sind die Informationen auf dem Registrierungsserver nicht mehr mit dem Status des Systems konsistent. Dies kann dazu führen, dass Sie nicht auf die Aktualisierungs-Repositorys zugreifen können oder die falschen Repositorys auf dem Client verwendet werden.
Wenn über Snapper ein Rollback erfolgt, benachrichtigt das System den Registrierungsserver, um sicherzustellen, dass während des Bootvorgangs der Zugriff auf die richtigen Repositorys eingerichtet wird. Wenn das System auf andere Weise wiederhergestellt wurde oder aus irgendeinem Grund ein Fehler bei der Kommunikation mit dem Registrierungsserver auftrat (weil beispielsweise aufgrund von Netzwerkproblemen kein Zugriff auf den Server möglich war), lösen Sie das Rollback auf dem Client manuell aus, indem Sie Folgendes aufrufen:
snapper rollbackEs wird empfohlen, grundsätzlich zu prüfen, ob die richtigen Repositorys auf dem System eingerichtet wurden. Dies gilt insbesondere nach der Aktualisierung des Service mit
zypper ref -sDiese Funktionalität ist im rollback-helper- Paket verfügbar.
Falls Sie die Registrierung während der Installation übersprungen hatten, können Sie das System jederzeit nachträglich mit dem YaST-Modul nachholen.
Die Registrierung der Systeme bietet die folgenden Vorteile:
Zugang zum Support
Zugang zu Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen
Zugang zum SUSE Customer Center
Starten Sie YaST und wählen Sie › . Das Dialogfeld wird geöffnet.
Geben Sie die -Adresse für das SUSE-Konto ein, mit dem Sie oder Ihr Unternehmen die Abonnements verwalten. Falls Sie noch kein SUSE-Konto besitzen, wechseln Sie zur SUSE Customer Center-Startseite (https://scc.suse.com/), und erstellen Sie dort ein Konto.
Geben Sie den ein, den Sie zusammen mit Ihrem Exemplar von SUSE Linux Enterprise Desktop erhalten haben.
Starten Sie die Registrierung mit . Wenn ein oder mehrere lokale Registrierungsserver in Ihrem Netzwerk verfügbar sind, können Sie einen Server aus einer Liste auswählen. Alternativ klicken Sie auf ; damit ignorieren Sie die lokalen Registrierungsserver, und die Registrierung erfolgt beim standardmäßigen SUSE-Registrierungsserver.
Während der Registrierung werden die Online-Aktualisierungs-Repositorys zu Ihrer Upgrade-Einrichtung hinzugefügt. Abschließend können Sie angeben, ob die verfügbaren aktuellen Paketversionen über die Aktualisierungs-Repositorys installiert werden sollen. Damit erhalten Sie einen korrekten Upgradepfad für sämtliche Pakete und es ist sichergestellt, dass SUSE Linux Enterprise Desktop stets mit den neuesten verfügbaren Sicherheitsaktualisierungen aufgerüstet wird. Mit werden alle Pakete von den Installationsmedien installiert. Fahren Sie mit fort.
Nach erfolgter Registrierung zeigt YaST eine Liste der verfügbaren Erweiterungen, Add-ons und Module für Ihr System an. Zum Auswählen und Installieren eines Elements fahren Sie mit Abschnitt 9.1, „Installieren von Modulen und Erweiterungen über Online-Kanäle“ fort.
Wenn Sie einen neuen Kernel mit YaST oder Zypper installieren, behält SUSE Linux Enterprise die letzten beiden Kernel zusätzlich zum ausgeführten Kernel bei. Für gewöhnlich reicht dies aus.
In bestimmten Situationen sollen allerdings mehr Kernel-Versionen beibehalten werden, beispielsweise zu Testzwecken. SUSE Linux Enterprise unterstützt hierzu die Funktion für Multiversions-Kernel. Mit dieser Funktion können Sie das Standardverhalten wie folgt ändern und konfigurieren:
Ein alter Kernel wird erst dann gelöscht, wenn das System fehlerfrei mit dem neuen Kernel neu gestartet wurde.
Eine definierte Anzahl an älteren Kernels wird als Fallback beibehalten.
Eine bestimmte Kernel-Version wird beibehalten.
Nach dem erfolgreichen Neustart wird die Liste der installierten Kernel mit den Einstellungen in der Datei /etc/zypp/zypp.conf mithilfe eines Skripts verglichen und die nicht mehr benötigten Kernel werden gelöscht.
Das Standardverhalten ist in der Konfigurationsdatei /etc/zypp/zypp.conf definiert:
root #grep^multiversion /etc/zypp/zypp.conf multiversion = provides:multiversion(kernel) multiversion.kernels = latest,latest-1,running
Zum Aktivieren dieser Funktion entfernen Sie alle Rauten (#) vor der obigen Zeile multiversion (dies sollte bereits der Fall sein). In der zweiten Zeile legen Sie fest, welche Kernel beibehalten werden sollen. Sie müssen beide Zeilen aktivieren; ansonsten behält das System alle Kernel bei, sodass unnötig Speicherplatz auf der Festplatte belegt wird.
Die Zeile multiversion.kernels kann mehrere Schlüsselwörter in verschiedenen Kombinationen und unterschiedlicher Reihenfolge aufnehmen:
latest
Kernel mit höchster Versionsnummer beibehalten
latest-N
Kernel mit n-höchster Versionsnummer beibehalten; n ist eine Zahl größer oder gleich 1
running
Ausgeführten Kernel beibehalten
oldest
Kernel mit der niedrigsten Versionsnummer beibehalten (Kernel im herausgegebenen Produkt)
oldest-N
Kernel mit N-niedrigster Versionsnummer beibehalten
3.12.28-4.6
Genau diese Kernel-Version beibehalten
Ein alter Kernel soll erst dann gelöscht werden, wenn das System fehlerfrei mit dem neuen Kernel gebootet wurde.
Ändern Sie die folgende Zeile in /etc/zypp/zypp.conf:
multiversion.kernels = latest,running
Die Parameter weisen das System an, den aktuellen Kernel und den ausgeführten Kernel nur dann beizubehalten, wenn sie nicht identisch sind.
Mindestens eine Kernel-Version soll als „Ersatz“-Kernel beibehalten werden.
Dieser Anwendungsfall greift, wenn Sie mehrere Kernel zu Testzwecken beibehalten möchten. Sollte ein Problem eintreten, beispielsweise weil der Computer nicht bootet, können Sie dennoch auf mindestens eine bekanntermaßen funktionsfähige Kernel-Version zurückgreifen.
Ändern Sie die folgende Zeile in /etc/zypp/zypp.conf:
multiversion.kernels = latest,latest-1,latest-2,running
Wenn Sie das System nach der Installation eines neuen Kernels neu booten, behält das System drei Kernel bei: den neuen, ausgeführten Kernel (als latest,running konfiguriert), die vorherige Kernel-Version des neuen Kernels (als latest-1 konfiguriert) sowie den Vorgänger der vorherigen Kernel-Version (als latest-2 konfiguriert).
Sie nehmen regelmäßige Systemaktualisierungen vor und installieren neue Kernel-Versionen. Daneben kompilieren Sie eine eigene Kernel-Version zu verschiedenen Zwecken, die im System beibehalten werden soll.
Ändern Sie die folgende Zeile in /etc/zypp/zypp.conf:
multiversion.kernels = latest,3.12.28-4.20,running
Wenn Sie das System nach der Installation eines neuen Kernels neu booten, behält das System zwei Kernel bei: den neuen, ausgeführten Kernel (als latest,running konfiguriert) und den selbst kompilierten Kernel (als latest-3.12.28,4.20 konfiguriert).