Bash-Shell und Bash-Skripte

Inhaltsverzeichnis

6.1. Was ist "die Shell"?
6.2. Schreiben von Shell-Skripten
6.3. Umlenken von Kommandoereignissen
6.4. Verwenden von Aliasen
6.5. Verwenden von Variablen in der Bash-Shell
6.6. Gruppieren und Kombinieren von Kommandos
6.7. Arbeiten mit häufigen Ablaufkonstrukten
6.8. Weiterführende Informationen

Zusammenfassung

Heutzutage werden zunehmend Computer mit einer grafischen Bedienoberfläche (GUI) wie KDE oder GNOME verwendet. Diese bieten zwar viele Funktionen, jedoch ist ihre Verwendung beschränkt, was automatische Aufgaben angeht. Shells sind eine gute Ergänzung für GUIs, und dieses Kapitel gibt Ihnen einen Überblick über einige Aspekte von Shells, in diesem Fall die Bash-Shell.

Was ist "die Shell"?

Traditionell handelt es sich bei der Shell um Bash (Bourne again Shell). Wenn in diesem Kapitel die Rede von "der Shell" ist, ist die Bash-Shell gemeint. Neben der Bash-Shell gibt es noch weitere Shells mit anderen Funktionen und Merkmalen. Wenn Sie weitere Informationen über andere Shells wünschen, suchen Sie in YaST nach shell.

Die Bash-Konfigurationsdateien

Eine Shell lässt sich als Folgendes aufrufen:

  1. Als interative Login-Shell Diese wird zum Anmelden bei einem Computer durch den Aufruf von Bash mit der Option --login verwendet oder beim Anmelden an einem entfernten Computer mit SSH.

  2. Als "gewöhnliche", interaktive Shell. Dies ist normalerweise beim Starten von xterm, konsole oder ähnlichen Tools der Fall.

  3. Als nicht-interaktive Shell. Dies wird beim Aufrufen eines Shell-Skripts in der Kommandozeile verwendet.

Abhängig vom verwendeten Shell-Typ werden unterschiedliche Konfigurationsdateien gelesen. Die folgenden Tabellen zeigen die Login- und Nicht-Login-Shell-Konfigurationsdateien.

Tabelle 6.1. Bash-Konfigurationsdateien für Login-Shells

Datei

Beschreibung

/etc/profile

Bearbeiten Sie diese Datei nicht, andernfalls können Ihre Änderungen bei Ihrem nächsten Update zerstört werden.

/etc/profile.local

Verwenden Sie diese Datei, wenn Sie /etc/profile erweitern

/etc/profile.d/

Enthält systemweite Konfigurationsdateien für bestimmte Programme

~/.profile

Fügen Sie hier benutzerspezifische Konfigurationsdaten für Login-Shells ein.


Tabelle 6.2. Bash-Konfigurationsdateien für Nicht-Login-Shells

/etc/bash.bashrc

Bearbeiten Sie diese Datei nicht, andernfalls können Ihre Änderungen bei Ihrem nächsten Update zerstört werden.

/etc/bash.bashrc.local

Verwenden Sie diese Datei, um Ihre systemweiten Änderungen nur für die Bash-Shell einzufügen.

~/bashrc

Fügen Sie hier benutzerspezifische Konfigurationsdaten ein.


Daneben verwendet die Bash-Shell einige weitere Dateien:

Tabelle 6.3. Besondere Dateien für die Bash-Shell

Datei

Beschreibung

~/.bash_history

Enthält eine Liste aller Kommandos, die Sie eingegeben haben.

~/.bash_logout

Wird beim Abmelden verwendet.


Die Verzeichnisstruktur

Die folgende Tabelle bietet eine kurze Übersicht über die wichtigsten Verzeichnisse der höheren Ebene auf einem Linux-System. Ausführlichere Informationen über die Verzeichnisse und wichtige Unterverzeichnisse erhalten Sie in der folgenden Liste.

Tabelle 6.4. Überblick über eine Standardverzeichnisstruktur

Verzeichnis

Inhalt

/

Root-Verzeichnis - Startpunkt der Verzeichnisstruktur.

/bin

Grundlegende binäre Dateien, z. B. Befehle, die der Systemadministrator und normale Benutzer brauchen. Enthält gewöhnlich auch die Shells, z. B. Bash.

/boot

Statische Dateien des Bootloaders.

/dev

Erforderliche Dateien für den Zugriff auf Host-spezifische Geräte.

/etc

Host-spezifische Systemkonfigurationsdateien.

/home

Enthält die Home-Verzeichnisse aller Benutzer, die ein Konto auf dem System haben. Nur das Home-Verzeichnis von root befindet sich nicht unter /home, sondern unter /root.

/lib

Grundlegende freigegebene Bibliotheken und Kernel-Module.

/media

Einhängepunkte für Wechselmedien.

/mnt

Einhängepunkt für das temporäre Einhängen eines Dateisystems.

/opt

Add-On-Anwendungssoftwarepakete.

/root

Home-Verzeichnis für den Superuser root.

/sbin

Grundlegende Systembinärdateien.

/srv

Daten für Dienste, die das System bereitstellt.

/tmp

Temporäre Dateien.

/usr

Sekundäre Hierarchie mit Nur-Lese-Daten.

/var

Variable Daten wie Protokolldateien.

/windows

Nur verfügbar, wenn sowohl Microsoft Windows* als auch Linux auf Ihrem System installiert ist. Enthält die Windows-Daten.


Die folgende Liste bietet detailliertere Informationen und bietet einige Beispiele für die Dateien und Unterverzeichnisse, die in den Verzeichnissen gefunden werden können:

/bin

Enthält die grundlegenden Shell-Befehle, die root und andere Benutzer verwenden können. Zu diesen Kommandos gehören ls, mkdir, cp, mv, rm und rmdir. /bin enthält auch Bash, die Standard-Shell in SUSE Linux Enterprise Desktop.

/boot

Enthält Daten, die zum Booten erforderlich sind, z. B. den Bootloader, den Kernel und andre Daten, die verwendet werden, bevor der Kernel mit der Ausführung von Programmen im Benutzermodus beginnt.

/dev

Enthält Gerätedateien, die Hardware-Komponenten darstellen.

/etc

Enthält lokale Konfigurationsdateien, die den Betrieb von Programmen wie das X Window System steuern können. Das Unterverzeichnis /etc/init.d enthält Skripten, die während des Bootvorgangs ausgeführt werden.

/home/Benutzername

Enthält die privaten Daten aller Benutzer, die ein Konto auf dem System haben. Die Dateien, die hier gespeichert sind, können nur durch den Besitzer oder den Systemadministrator geändert werden. Standardmäßig befinden sich hier Ihr E-Mail-Verzeichnis und Ihre persönliche Desktopkonfiguration in Form von verborgenen Dateien und Verzeichnissen. KDE-Benutzer finden die persönlichen Konfigurationsdaten für den Desktop unter .kde bzw. .kde4, GNOME-Benutzer unter .gconf.

[Note]Home-Verzeichnis in einer Netzwerkumgebung

Wenn Sie in einer Netzwerkumgebung arbeiten, kann Ihr Home-Verzeichnis einem von /home abweichenden Verzeichnis zugeordnet sein.

/lib

Enthält grundlegende freigegebene Bibliotheken, die zum Booten des Systems und zur Ausführung der Befehle im Root-Dateisystem erforderlich sind. Freigegebene Bibliotheken entsprechen in Windows DLL-Dateien.

/media

Enthält Einhängepunkte für Wechselmedien, z. B. CD-ROMs, USB-Sticks und Digitalkameras (sofern sie USB verwenden). Unter /media sind beliebige Laufwerktypen gespeichert, mit Ausnahme der Festplatte Ihres Systems. Sobald Ihr Wechselmedium eingelegt bzw. mit dem System verbunden und eingehängt wurde, können Sie von hier darauf zugreifen.

/mnt

Dieses Verzeichnis bietet einen Einhängepunkt für ein temporär eingehängtes Dateisystem. root kann hier Dateisysteme einhängen.

/opt

Reserviert für die Installation zusätzlicher Software. Hier finden Sie Software- und größere Addon-Programmpakete. KDE3 befindet sich hier, während KDE4 und GNOME nach /usr verschoben wurden.

/root

Home-Verzeichnis für den Benutzer root. Hier befinden sich persönliche Daten von " root".

/sbin

Wie durch das s angegeben, enthält dieses Verzeichnis Dienstprogramme für den Superuser. /sbin enthält Binärdateien, die zusätzlich zu den Dateien in /bin wesentlich für Booten und Wiederherstellen des Systems erforderlich sind.

/srv

Enhält Daten für Dienste, die das System bereitstellt, z. B. FTP und HTTP.

/tmp

Dieses Verzeichnis wird von Programmen benutzt, die eine temporäre Speicherung von Dateien verlangen.

/usr

/usr hat nichts mit Benutzern ("user") zu tun, sondern ist das Akronym für UNIX-Systemressourcen. Die Daten in /usr sind statische, schreibgeschützte Daten, die auf verschiedenen Hosts freigegeben sein können, die den Filesystem Hierarchy Standard (FHS) einhalten. Dieses Verzeichnis enthält alle Anwendungsprogramme und bildet eine sekundäre Hierarchie im Dateisystem. Dort befinden sich auch KDE4 und GNOME. /usr enthält eine Reihe von Unterverzeichnissen, z. B. /usr/bin, /usr/sbin, /usr/local und /usr/share/doc.

/usr/bin

Enthält Programme, die für den allgemeinen Zugriff verfügbar sind.

/usr/sbin

Enthält Programme, die für den Systemadministrator reserviert sind, z. B. Reparaturfunktionen.

/usr/local

In diesem Verzeichnis kann der Systemadministrator lokale, verteilungsunabhängige Erweiterungen installieren.

/usr/share/doc

Enthält verschiedene Dokumentationsdateien und die Versionshinweise für Ihr System. Im Unterverzeichnis manual befindet sich eine Online-Version dieses Handbuchs. Wenn mehrere Sprachen installiert sind, kann dieses Verzeichnis die Handbücher für verschiedene Sprachen enthalten.

Im Verzeichnis packages befindet sich die Dokumentation zu den auf Ihrem System installierten Software-Paketen. Für jedes Paket wird ein Unterverzeichnis /usr/share/doc/packages/ Paketname angelegt, das häufig README-Dateien für das Paket und manchmal Beispiele, Konfigurationsdateien oder zusätzliche Skripten umfasst.

Wenn HOWTOs (Verfahrensbeschreibungen) auf Ihrem System installiert sind, enhält /usr/share/doc auch das Unterverzeichnis howto mit zusätzlicher Dokumentation zu vielen Aufgaben bei Setup und Betrieb von Linux-Software.

/var

Während /usr statische, schreibgeschützte Daten enthält, ist /var für Daten, die während des Systembetriebs geschrieben werden und daher variabel sind, z. B. Protokolldateien oder Spooling-Daten. Beispielsweise befinden sich die Protokolldateien Ihres Systems in /var/log/messages (nur für "root" zugreifbar).

/windows

Nur verfügbar, wenn sowohl Microsoft Windows als auch Linux auf Ihrem System installiert ist. Enthält die Windows-Daten, die auf der Windows-Partition Ihres Systems verfügbar sind. Ob Sie die Daten in diesem Verzeichnis bearbeiten können, hängt vom Dateisystem ab, das Ihre Windows-Partition verwendet. Falls es sich um FAT32 handelt, können Sie die Dateien in diesem Verzeichnis öffnen und bearbeiten. In einem NTFS-Dateisystem können Sie jedoch Ihre Windows-Dateien nur von Linux aus lesen, aber nicht ändern.