1.4. Dateiverwaltung

Ein zentraler Bestandteil Ihrer Arbeitsumgebung ist eine Anwendung zur Verwaltung von Dateien, die Ihnen ermöglicht, auf einfache Weise Dateien auf Ihrem System zu erstellen, auf sie zuzugreifen und sie zu verwalten. Die traditionelle Dateiverwaltung unter Linux müsste sonst über die Kommandozeile erfolgen, was die ausführlichere Kenntnis gleich mehrerer Befehle zur Auflistung, Erzeugung, Löschung oder Bearbeitung von Dateien voraussetzt. Ein Dateimanager bietet einen grafischen und eingängigeren Weg zur Handhabung dieser Aufgaben. Mehr über die Dateimanager von GNOME und KDE erfahren Sie in Abschnitt 3.3, „Dateimanagement mit Nautilus“ und Abschnitt 4.3, „Konqueror als Dateimanager“.

1.4.1. Das Prinzip hinter einem Linux Dateisystem

Linux verwendet keine Laufwerksbuchstaben, wie es bei Windows der Fall ist. Unter Windows würden Sie das Diskettenlaufwerk als A:\ ansprechen, die Systemdaten von Windows befinden sich unter C:\ und so weiter. Bei Linux sind alle Dateien und Verzeichnisse in eine Baumstruktur eingeordnet. Das Ursprungsverzeichnis wird auch als Root (engl. für „Wurzel“ oder einfach nur mit dem vorwärtigen Schrägstrich / bezeichnet. Alle weiteren Verzeichnisse können von dort aus erreicht werden.

Es folgt eine kurze Führung durch den Dateisystembaum von Linux mit einer Erläuterung der wichtigsten Verzeichnisse:

/home/<benutzername>

/home enthält die persönlichen Dateien jedes Benutzers, der auf Ihrem System ein Konto hat. Die hier befindlichen Dateien können nur von ihren Besitzern oder dem Systemverwalter verändert werden. Zum Beispiel befindet sich Ihr E-Mail-Verzeichnis hier.

/media

/media enthält für gewöhnlich jedes Gerät mit Ausnahme der Festplatte Ihres Rechners. Ihr USB-Flash-Speicher erscheint unter /media, nachdem Sie ihn angeschlossen haben. Dasselbe gilt für Ihre Digitalkamera (sofern Sie über USB angeschlossen wird) oder für Ihr DVD oder CD Laufwerk. Sobald die Datenquelle entfernt wird, verschwindet das entsprechende Verzeichnis unter media ebenfalls.

/usr/share/doc

Unter /usr/share/doc befindet sich viel Dokumentation über Ihr Linux-System und die installierten Pakete. Das Unterverzeichnis manual enthält eine digitale Kopie dieses Handbuches, sowie das Administrationshandbuch und die Release-Notes der installierten Version von SUSE LINUX. Das Verzeichnis packages enthält die in den Softwarepaketen enthaltene Dokumentation.

/windows

Wenn Sie sowohl MS Windows als auch Linux auf Ihrem System installiert haben, finden Sie hier Ihre Daten von MS Windows.

Sie erfahren mehr über das Prinzip des Linux-Dateisystems und finden eine umfassendere Verzeichnisliste in Abschnitt 19.2.2, „Dateien und Verzeichnisse“.

1.4.2. Verschiedene Einsatzmöglichkeiten des Dateimanagers

Außer zur Verwaltung Ihrer Daten und zur Vorschau fast jeden Dateityps, kann Ihr Dateimanager als Schnellfinder für Ihre persönlichen Daten, Systeminformationen und Netzwerkdienste eingesetzt werden. Diese Module sind Teil Ihrer Standardarbeitsfläche.

Benutzerverzeichnis (Home-Verzeichnis)

Verwenden Sie das Home Symbol auf der Arbeitsfläche in GNOME oder das Symbol mit dem kleinen Haus in KDE, um Ihren Dateimanager aufzurufen (Nautilus in GNOME, Konqueror in KDE), der den Inhalt Ihres Benutzerverzeichnisses anzeigt. Dieser Weg ermöglicht Ihnen, rasch auf Ihre persönlichen Daten in ihrem Benutzerverzeichnis zuzugreifen.

Ihr System

Wenn Sie wissen müssen, welche Festplatten oder Wechselmedien an Ihren Rechner angeschlossen sind, betätigen Sie die Arbeitsflächensymbole Computer (GNOME) oder Mein Computer (KDE). Die Dateimanager bieten einen Überblick über alle an Ihren Rechner angeschlossenen Laufwerke, einschließlich der Festplatten. Wenn Sie eines der dort aufgeführten Laufwerke wählen, zeigt der Dateimanager die sich dort befindlichen Datein und Verzeichnisse an. Diese Funktion ermöglicht es Ihnen, Daten auf beliebigen an den Rechner angeschlossenen Wechselmedien zu suchen. Eine Digitalkamera erscheint in dieser Liste genauso wie ein USB-Flash-Speicher oder eine Festplatte.

Ihr Netzwerk

Verwenden Sie das Menu Orte in der oberen Kontrollleiste von GNOME, um auf Netzwerkordner zuzugreifen. In KDE wählen Sie das Arbeitsflächensymbol Netzwerk-Browser an, um alle in Ihrem Netzwerk bereitgestellten Dienste einzuholen. Verwenden Sie diese Funktion, um auf alle verfügbaren Netzwerkressourcen und Windows Netzwerke, FTP-Server oder beliebige andere Dienste zuzugreifen, die in Ihrem Netzwerk verfügbar gemacht wurden.

1.4.3. Dateien suchen

Wenn Sie eine bestimmte Datei in einem gesamten Dateisystem suchen müssen, verwenden Sie die grafischen Suchanwendungen, die Ihre Arbeitsumgebungen bieten. Wählen Sie in GNOME Orte+Nach Dateien suchen, um das Suchwerkzeug aufzurufen. Das erste Dialogfenster dient der Eingabe des Dateinamens oder wenigstens eines Teils davon. Wenn Sie sich sicher sind, dass sich die Datei in Ihrem Benutzerverzeichnis befindet, nehmen Sie den automatisch vorgegebenen Pfad /home/<username> an. Um die Suche auf das gesamte Dateisystem auszuweiten, wählen Sie den Ursprung des Dateisystems durch Eingabe von /. Verfeinern Sie Ihre Suche durch die Angabe weiterer Suchkriterien. Wählen Sie Mehr Optionen anzeigen und wählen Sie aus den dort angebotenen Kriterien aus. Es ist sogar möglich, Reguläre Ausdrücke oder Jokerzeichen zu verwenden. Wählen Sie Finden, um die Suche zu beginnen und beobachten Sie die Liste der Ergebnisse im unteren Teil des Fensters. Abhängig vom Ausmass Ihrer Suche kann der gesamte Vorgang erheblich viel Zeit in Anspruch nehmen.

KDE enthält die Anwendung KFind, die vom Hauptmenü mit Dateien suchen aufgerufen wird. Das Suchfenster enthält die Reiter Name/Pfad, Inhalt und Eigenschaften. Im Reiter Name/Pfad können Sie den Namen der Datei nach Bedarf mit Jokerzeichen (Sternchen oder Fragezeichen) eingeben. Geben Sie den Suchpfad an und bestimmen sie, ob sich Ihre Suche auf Unterverzeichnisse erstrecken soll, oder die Gross- und Kleinschreibung beachtet werden soll. Der Reiter Inhalt wird genutzt, um den Inhalt von Dateien nach bestimmten Ausdrücken zu durchsuchen. Diese Art der Suche wird nur für eine begrenzte Anzahl von Dateien unterstützt, wie zum Beispiel OpenOffice.org- oder KWord-Formate. Sie können sogar Reguläre Ausdrücke verwenden, wenn KRegExpEditor installiert ist (Paket kdeutils3-extra). Um den Umfang der Suche durch Angabe des Dateibesitzers, Dateigrösse oder Änderungsdatum zu beschränken, nutzen Sie den Reiter Eigenschaften.

[Tip]Mehr Informationen über Suchmuster

Mehr über Suchmuster und die Verwendung von Jokerzeichen oder Regulären Ausdrücken erfahren Sie in Abschnitt 19.2, „Einführung in die Bash“.


SUSE LINUX Benutzerhandbuch 9.3