Kapitel 3. Die GNOME-Arbeitsumgebung

Inhaltsverzeichnis

3.1. Die Arbeitsfläche
3.2. Individuelle Einstellungen
3.3. Dateimanagement mit Nautilus
3.4. Nützliche Dienstprogramme
3.5. Unterstützung für behindertengerechten Zugang

Zusammenfassung

Dieses Kapitel bietet eine Einführung zur Arbeitsumgebung GNOME (GNU Network Object Model Environment). Es zeigt Ihnen einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Bestandteilen und Diensten Ihrer Arbeitsumgebung, einschliesslich einer ausführlichen Beschreibung des Dateimanagers Nautilus. Ebenfalls werden mehrere pfiffige und nützliche Anwendungen vorgestellt, die Ihnen helfen können, sich in Ihrer neuen Arbeitsumgebung wohl zu fühlen.

GNOME hat ein sehr intuitives Erscheinungsbild und Nutzungsverhalten. Anwender, die von einer Microsoft Windows Arbeitsumgebung zu Linux wechseln, müssen sich möglicherweise an einige neue Dinge gewöhnen. Macintosh-Benutzer könnten wiederum möglicherweise feststellen, dass sie sich bei GNOME ganz heimisch fühlen. GNOME strebt an, eine Linux-Arbeitsoberfläche mit dem Erscheinungsbild und Nutzungsverhalten eines Macs.

Zwei Punkte sind sehr wichtig:

Doppelklick

GNOME verwendet genauso wie eine Macintosh Arbeitsumgebung durchgängig den Doppelklick. Um ein Ereignis durch Auswählen eines Symbols auf der Arbeitsfläche aufzurufen, zum Beispiel zum Öffnen Ihres Home-Ordners, müssen Sie es doppelt anklicken. Um Unterverzeichnisse im Dateimanager zu öffnen, klicken Sie doppelt auf das übergeordnete Verzeichnis.

Sofortige Auswirkung

Jeder Einstellungsdialog einer GNOME-Anwendung oder der GNOME-Arbeitsumgebung selbst, wirken sich sofort aus. Wenn Sie Ihre Einstellungen vorgenommen haben, klicken Sie einfach auf Schließen, um sie abzuspeichern und das Dialogfenster zu verlassen. Sie werden keine Schalftflächen, wie Übernehmen, OK oder Abbrechen in dieser Art der Dialogfenster vorfinden.

3.1. Die Arbeitsfläche

Die wichtigsten Elemente des GNOME-Desktops sind die Symbole auf der Arbeitsoberfläche, die Leisten (Panels) am oberen und am unteren Rand des Bildschirms und das Arbeitsflächenmenü. Die Maus ist dabei Ihr wichtigstes Werkzeug, wobei GNOME über eingebaute Unterstützung für zugangserleichternde Technologien verfügt, wie Braille-Terminals, Sprach-Synthesizer, und Bildschirmtastaturen, um Anwender mit Behinderungen zu unterstützen. Mehr Informationen über diese Technologien stehen in Abschnitt 3.5, „Unterstützung für behindertengerechten Zugang“.

3.1.1. Die Symbole

Auf der Arbeitsfläche finden Sie standardmäßig mindestens die folgenden Symbole, welche grundlegende Navigation und Funktionen Ihres Systems ermöglichen:

Mülleimer

Alles, was Sie löschen wollen, verschieben Sie auf das Mülleimer-Symbol. Solange Sie den Mülleimer nicht leeren, sind diese Dateien nicht wirklich gelöscht, sondern können wieder restauriert werden.

Home

Das Symbol Home auf der Arbeitsfläche bietet Ihnen bequemen Zugriff auf Ihre privaten Daten.

Computer

Mit diesem Symbol können Sie auf sämtliche Geräte zugreifen, einschließlich Festplatten, Partitionen, Digitalkameras und USB Flash-Speichermedien.

Ein Klick mit der rechten Maustaste auf ein Symbol öffnet ein Menü, über das Sie einige Dateioperationen ausführen können wie Kopieren, Ausschneiden oder Umbenennen. Wird aus dem Menü Eigenschaften aufgerufen, gelangen Sie zu einem Konfigurationsdialog. Ändern Sie hier den Namen eines Symbols oder das Symbol selbst über Eigenes Symbol verwenden. In Berechtigungen erteilen oder verweigern Sie dem Besitzer, der Gruppe oder allen Lese-, Schreib- und Ausführrechte. Über den Reiter Notizen können Sie Kommentare anlegen. Im Menü des Mülleimer-Symbols finden Sie zusätzlich die Funktion Mülleimer leeren. Der Inhalt des Mülleimers wird damit gelöscht.

Möchten Sie ein Symbol von der Arbeitsfläche löschen, werfen Sie es einfach in den Mülleimer. Seien Sie jedoch vorsichtig, wenn Sie Ordner- oder Daten-Symbole in den Mülleimer werfen! Die tatsächlichen Daten werden beim Leeren des Mülleimers gelöscht. Falls es sich um einen Verweis auf ein Verzeichnis oder eine Datei handelt, wird nur der Verweis gelöscht.

Um einen Verweis eines Ordners oder einer Datei auf dem Desktop anzulegen, öffnen Sie das gewünschte Objekt in Nautilus. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das zu verlinkende Objekt und wählen Sie Verknüpfung anlegen. Ziehen Sie den Verweis aus dem Nautilus-Fenster und lassen Sie ihn auf dem Dektop fallen.

3.1.2. Das Kontextmenü der Arbeitsfläche

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Desktop-Platz, öffnet sich ein Menü mit mehreren Optionen. Zum Anlegen eines neuen Ordners auf der Arbeitsfläche wählen Sie Ordner anlegen. Ein Starter-Symbol für ein Programm erhalten Sie unter Starter erstellen. Geben Sie den Namen und Befehlsaufruf für das Programm ein und wählen Sie ein Symbol zu seiner Darstellung. Die Reihenfolge und Anordnung von Symbolen auf der Arbeitsfläche wird über Nach Name aufräumen und Automatisch anordnen bewirkt. Zusätzlich lässt sich der Hintergrund Ihrer Arbeitsfläche ändern und auf die Voreinstellung zurücksetzen. Wenn Sie eine Umgebung mit einer Eingabezeile benötigen, klicken Sie auf Terminal öffnen.

3.1.3. Die Panels

Die GNOME-Arbeitsumgebung startet beim ihrem ersten Aufruf mit zwei Panels, von denen sich einer am oberen Rand und einer am unteren Rand der Arbeitsfläche befinden. Das obere Panel beinhaltet die drei Panel-Menüs (Anwendungen, Orte und Arbeitsfläche), ein Schnellstartbereich mit Schaltflächen für die wichtigsten Programme, ein Systemfach für Applet-Symbole und ein Info-Bereich mit der Systemuhr und der Lautstärkeregelung.

Im unteren Panel liegen die Fenstersymbole aller gestarteten Anwendungen. Klicken Sie in der Fensterleiste auf den Namen des Fensters, wird das Programm in den Vordergrund geholt, falls es von anderen Fenstern verdeckt ist. Wenn sich das Programm schon im Vordergrund befindet, wird es durch Mausklick minimiert. Klicken Sie ein zweites Mal darauf, öffnet sich das entsprechende Fenster wieder.

Daran schließen sich die Schalter für die verschiedenen virtuellen Arbeitsflächen an. Diese verschiedenen Arbeitsflächen erlauben Ihnen strukturiertes Arbeiten, wenn Sie sehr viele Programme gleichzeitig benutzen, ganz so als hätten Sie verschiedene Schreibtische für verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel können Sie einen Editor auf einer Arbeitsfläche betreiben, ein paar Kommandozeilenfenster auf einer anderen, und Ihre E-Mail Anwendung und Web-Browser auf einer dritten. Ein Fenster wird zu einer anderen Arbeitsfläche bewegt, indem Sie sein Symbol in der Arbeitsflächenübersicht von einer Arbeitsfläche zu einer anderen verschieben.

Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf eine leere Stelle im Panel klicken, erhalten Sie ein Menü, das Ihnen die übliche Hilfe, Infos und Befehle zu Panels und GNOME anbietet. Rufen Sie über das Menü des Panels Eigenschaften auf, erscheint ein Konfigurationsdialog. Ändern Sie hier die Position und den Hintergrund des Panels. In die Panels können Sie Starter für Programme, Werkzeuge und allerlei kleine Programme legen. Die Elemente des Panels können Sie entfernen, indem Sie mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Symbol klicken und dann Entfernen auswählen. Ein neues Panel wird mit Neues Panel erstellt.

3.1.3.1. Das Menü für Anwendungen

Das Menü Anwendungen stellt eine leicht zugängliche Hierarchie der in Ihrem System installierten Anwendungen zur Verfügung. Die meisten sind in kleinere Untermenüs zusammengefasst, die jeweils ein bestimmtes Thema betreffen; beispielsweise System, Office, und Internet. Um eine Anwendung aufzurufen, klicken Sie einfach auf Anwendungen, um das ganze Menü aufzuklappen. Wählen Sie dann eine bestimmte Gruppe an, was ihr Untermenü aufklappt, und klicken Sie auf den Namen der Anwendung.

Anwendungen, die nicht im Menü vorhanden sind, können Sie immer noch über die Eingabezeile bei Anwendung ausführen aufrufen (Alt-F2), wenn Sie ihren Befehl kennen. Zum Beispiel, wenn Sie Ihre Digitalfotografien durchsuchen wollen, jedoch gThumb nicht im Menü finden können, dann geben Sie gthumb in der Eingabezeile von Anwendung ausführen ein.

3.1.3.2. Das Menü für Orte

Das Menü Orte bietet einen einfachen Zugriff auf übliche Ordner, wie zum Beispiel das Home-Verzeichnis des Benutzers, Laufwerke und Ordner Ihres Systems oder im Netz. Eine Suchfunktion für aktuelle Dokumente und eine Suche nach Dateien können ebenfalls aus diesem Menü heraus aufgerufen werden. Mehr Informationen über Dateienverwaltung von lokalen Ordnern und Netzordnern befinden sich im Abschnitt 3.3.2, „Dateiverwaltung“.

3.1.3.3. Das Menü für die Arbeitsfläche

Das Menü Arbeitsfläche enthält die Grundfunktionen zur Verwaltung Ihrer Arbeitsumgebung. Hier befinden sich Bildschirm sperren und Abmelden, sowie eine einfach zu bedienende Funktion um Bildschirmfotos zu erstellen. Diese kann ebenfalls durch einfaches Betätigen der Taste Druck aufgerufen werden (auf manchen Tastaturen PrtSc für engl. „Print Screen“).

3.1.3.4. Applets

Applets sind kleine Anwendungen, die im Panel über ein kleines Symbol eingebunden sind. Im Gegensatz zu „wirklichen“ Anwendungen, haben diese kein eigenes Fenster auf der Arbeitsfläche. Manche Applets sind schon voreingestellt, um beim Aufruf der Arbeitsfläche zu erscheinen. Es gibt jedoch viele andere, die man entdecken kann und einem selbst eingerichteten Panel hinzugefügt werden können.

Ein Panel-Applet hinzuzufügen ist sehr einfach. Klicken Sie mit der rechten Maustaste in das Panel, um den Dialog Dem Panel hinzufügen aufzurufen, wie er in Abbildung 3.1, „Dem Panel ein neues Symbol hinzufügen“ abgebildet ist. Durchsuchen Sie die Liste, bis Sie den gesuchten Eintrag gefunden haben und klicken Sie auf hinzufügen; das Applet erscheint auf dem Panel.

Abbildung 3.1. Dem Panel ein neues Symbol hinzufügen

Dem Panel ein neues Symbol hinzufügen

SUSE LINUX Benutzerhandbuch 9.3