2.6. Sicherheit und Benutzer

Eine grundlegende Eigenschaft von Linux ist seine Multi-User-Fähigkeit. Mehrere Benutzer können gleichzeitig und unabhängig voneinander an einem einzigen Linux-System arbeiten. Jeder hat seinen eigenen Benutzer-Account, bestehend aus einem Benutzer- bzw. Login-Namen und einem persönlichen Passwort, mit dem er sich am System anmeldet. Dazu kommt außerdem ein persönliches Home-Verzeichnis, in dem die privaten Dateien und Konfigurationen gespeichert werden.

2.6.1. Benutzerverwaltung

Nach dem Aufruf dieses Konfigurationsmoduls zeigt Ihnen YaST eine Übersicht über alle lokalen Benutzer auf dem System. Befinden Sie sich in einem größeren Netzwerk, können Sie über Filter festlegen alle Systembenutzer (z.B. root) oder NIS-Benutzer auflisten lassen. Sie können auch benutzerdefinierte Filtereinstellungen erzeugen. Sie schalten dann nicht mehr zwischen den einzelnen Benutzergruppen um, sondern können diese beliebig kombinieren. Um neue Benutzer anzulegen, klicken Sie auf Hinzufügen und füllen in der Maske die entsprechenden Felder aus. Danach darf sich der neue Benutzer mit seinem Login-Namen und Passwort auf dem Rechner anmelden. Über die Schaltfläche Details nehmen Sie weitere Feineinstellungen für das Benutzerprofil vor. Sie können die Benutzerkennung, das Heimatverzeichnis und die Standard-Login-Shell manuell setzen. Darüber hinaus kann der neue Benutzer hier auch bestimmten Gruppen zugeordnet werden. Die Gültigkeitsdauer des Passworts konfigurieren Sie über Passwort-Einstellungen. Alle Einstellungen lassen sich über die Schaltfläche Bearbeiten nachträglich ändern. Soll ein Benutzer gelöscht werden, selektieren Sie ihn in der Liste und drücken den Button Löschen.

Für die fortgeschrittene Netzwerkadministration haben Sie die Möglichkeit, über Optionen für Experten die Standardeinstellungen für das Anlegen neuer Benutzer zu definieren. Sie legen die Art der Authentifizierung (NIS, LDAP, Kerberos oder Samba) sowie den Algorithmus für die Passwortverschlüsselung fest. Diese Einstellungen sind vor allem für größere Netzwerke interessant.

Abbildung 2.7. Benutzerverwaltung

Benutzerverwaltung

2.6.2. Gruppenverwaltung

Starten Sie das Modul zur Gruppenverwaltung aus dem YaST-Kontrollzentrum oder klicken Sie in der Benutzerverwaltung auf die Checkbox Gruppen. Beide Masken verfügen über identische Funktionen, allerdings geht es hier um das Anlegen, die Bearbeitung oder das Löschen von Gruppen.

YaST zeigt Ihnen eine Liste aller Gruppen an. Soll eine Gruppe gelöscht werden, klicken Sie diese einfach in der Liste an und wählen Sie dann Löschen. Beim Hinzufügen und Bearbeiten geben Sie in der zugehörigen YaST-Maske den Namen, die Gruppen-ID (gid) und die Mitglieder dieser Gruppe an. Optional könnnen Sie für den Wechsel in diese Gruppe ein Passwort vergeben. Die Filtereinstellungen sind identisch zum Dialog Benutzerverwaltung.

Abbildung 2.8. Gruppenverwaltung

Gruppenverwaltung

2.6.3. Einstellungen zur Sicherheit

Im Modul Lokale Sicherheitskonfiguration, das sich in der Kategorie Sicherheit und Benutzer befindet, haben Sie die Wahl zwischen vier Einstellungen: Level 1 ist für Einzelplatzrechner, Level 2 ist für Arbeitsplatzrechner mit Netzwerk, und Level 3 ist für Server mit Netzwerk. Benutzerdefiniert kann für eine selbst definierte Konfiguration verwendet werden.

Wenn Sie einen der ersten drei Punkte anwählen, können Sie eine je nach Bedarf vorkonfigurierte Einstellungen für die Systemsicherheit auszwählen. Durch einen Klick auf Beenden wird die gewählte Einstellung dann aktiviert. Unter Details haben Sie auch Zugang zu den einzelnen Optionen, die Sie auf Wunsch verändern können. Wenn Sie Benutzerdefiniert wählen, gelangen Sie mit Weiter automatisch zu den einzelnen Dialogen, in denen zunächst die bei der Installation voreingestellten Werte eingetragen sind.

Passworteinstellungen

Wünschen Sie, dass neue Passwörter vom System geprüft werden, bevor sie übernommen werden, selektieren Sie die beiden Checkboxen Überprüfung neuer Passwörter und Plausibilitätstest für Passwörter. Legen Sie die Mindest- und Maximallänge des Passworts für neu anzulegende Benutzer fest. Ferner legen Sie die Gültigkeitsdauer des Passworts fest und bestimmen, wie viele Tage vor dessen Ablauf der Benutzer beim Login auf der Textkonsole gewarnt werden soll.

Einstellungen für den Systemstart

Geben Sie an, wie die Tastenkombination Strg-Alt-Del interpretiert werden soll, indem Sie die entsprechende Aktion angeben. Üblicherweise bewirkt sie auf der Textkonsole einen System-Neustart. Das sollten Sie auch so belassen, es sei denn, Ihr Rechner bzw. Server ist öffentlich zugänglich und Sie befürchten, dass jemand unerlaubt diese Aktion durchführen könnte. Wenn Sie Stopp anwählen, bewirkt diese Tastenkombination ein Herunterfahren des Systems, und bei Ignorieren bleibt diese Tastenkombination ganz ohne Wirkung.

Mit Herunterfahren des Systems vom KDM geben Sie an, wer das System vom KDE-Display-Manager aus (dem grafischen Anmeldebildschirm von KDE) herunterfahren darf. Dieses Recht kann an Nur Root (also an den Systemadministrator), Alle Benutzer, Nobody oder Lokale Benutzer vergeben werden. Wenn Sie Nobody anwählen, dann kann das System nur noch von der Textkonsole aus heruntergefahren werden.

Einstellungen für das Anmelden

Üblicherweise gibt es nach einem fehlgeschlagenen Anmeldeversuch eine Wartezeit von einigen Sekunden, bis eine erneute Anmeldung möglich ist, um ein automatisiertes Knacken von Passwörtern zu erschweren. Zudem haben Sie die Möglichkeit, die Punkte Aufzeichnung fehlgeschlagener Anmeldeversuche und Aufzeichnung erfolgreicher Anmeldeversuche zu aktivieren. Falls Sie also Verdacht schöpfen, dass jemand versucht, Ihr Passwort herauszufinden, können Sie die Einträge in den System-Logdateien unter /var/log kontrollieren. Über die Checkbox Grafische Anmeldung von Remote erlauben erhalten andere Benutzer über das Netzwerk Zugriff auf Ihren grafischen Anmeldebildschirm. Diese Zugriffsmöglichkeit stellt jedoch ein potentielles Sicherheitsrisiko dar und ist deshalb standardmäßig inaktiv.

Einstellungen für das Anlegen neuer Benutzer

Jeder Benutzer hat eine numerische und eine alphanumerische Benutzerkennung. Die Zuordnung zwischen beiden erfolgt durch die Datei /etc/passwd und sollte möglichst eindeutig sein. Anhand der Daten in dieser Maske können Sie festlegen, welche Zahlenbereiche für den numerischen Teil der Benutzerkennung verwendet werden, wenn Sie einen neuen Benutzer anlegen. Das Minimum von 500 für einen regulären Benutzer ist sinnvoll und sollte nicht unterschritten werden. Automatisch erzeugte Nummern beginnen bei 1000. Ebenso verfahren Sie mit den Einstellungen zur Gruppenkennung.

Verschiedene Einstellungen

Bei Einstellung der Dateirechte stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl: Easy (Einfach), Sicher und Paranoid. Den meisten Benutzern dürfte Ersteres ausreichen. Der YaST-Hilfetext gibt Ihnen Auskunft über die drei Sicherheitsstufen. Die Einstellung Paranoid ist extrem restriktiv und kann als Ausgangsbasis für eigene Einstellungen eines Administrators dienen. Wenn Sie Paranoid auswählen, müssen Sie bei der Verwendung von einzelnen Programmen mit Störungen bzw. Fehlfunktionen rechnen, weil Sie nicht mehr die Rechte haben, auf verschiedene Dateien zuzugreifen.

Außerdem können Sie in diesem Dialog den Benutzer festlegen, der das Programm updatedb starten soll. Dieses Programm, das täglich oder nach dem Booten automatisch abläuft, erzeugt eine Datenbank (locatedb), in welcher der Ort jeder Datei auf Ihrem Rechner gespeichert wird. Wenn Sie Nobody wählen, können Benutzer nur Pfade in der Datenbank finden, die auch jeder andere (unprivilegierte) Benutzer sehen würde. Wenn dagegen root gewählt ist, werden alle lokalen Dateien indiziert, da der Benutzer root als Super-User grundsätzlich zu allen Verzeichnissen Zugang hat. Zuletzt sollten Sie noch überprüfen, ob die Option Aktuelles Verzeichnis im Pfad des Benutzers root deaktiviert ist (dies ist die Standard-Einstellung).

Mit Beenden schließen Sie Ihre Sicherheitskonfiguration ab.

Abbildung 2.9. YaST: Sicherheitseinstellungen

YaST: Sicherheitseinstellungen

2.6.4. Firewall

Mit diesem Modul konfigurieren Sie SuSEfirewall2, um Ihren Rechner vor Angriffen aus dem Internet abzuschirmen. Detaillierte Informationen zur Funktionsweise von SuSEfirewall2 finden Sie in Abschnitt 34.1, „Masquerading und Firewall“.

[Tip]Automatischer Start der Firewall

YaST aktiviert die Firewall automatisch für jede konfigurierte Netzwerkschnittstelle mit passenden Einstellungen. Sie brauchen dieses Modul also nur aufzurufen, wenn Sie eigene, über diese Grundkonfiguration hinausgehende Einstellungen vornehmen wollen, oder wenn Sie die Firewall ganz deaktivieren möchten.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3