5.4. Das SUSE Rettungssystem

SUSE LINUX enthält ein Rettungssystem, mit dessen Hilfe Sie in Notfällen von außen auf Ihre Linux-Partitionen zugreifen können: Sie können das Rescue–System von CD, Netzwerk oder vom SUSE-FTP-Server laden. Zum Rettungssystem gehören verschiedene Hilfsprogramme, mit denen Sie Probleme mit unzugänglich gewordenen Festplatten, fehlerhaften Konfigurationsdateien usw. beheben können.

Teil des Rettungssystems ist auch Parted (parted) zum Verändern der Partitionsgrößen. Es kann bei Bedarf aus dem Rettungssystem heraus manuell aufgerufen werden, falls Sie nicht auf den in YaST integrierten Resizer zurückgreifen wollen. Informationen zu Parted finden Sie unter http://www.gnu.org/software/parted/

5.4.1. Das Rettungssystem starten

Booten Sie Ihr System, wie Sie es zur Installation tun würden. Wählen Sie aus dem Bootmenü Rescue System. Das Rettungssystem wird dekomprimiert, als neues Root-Dateisystem in eine RAM-Disk geladen, gemountet und gestartet.

5.4.2. Das Rettungssystem benutzen

Das Rettungssystem stellt Ihnen unter Alt + F1 bis Alt + F3 drei virtuelle Konsolen zur Verfügung, an denen Sie sich als Benutzer root ohne Passwort einloggen können. Mit Alt + F10 kommen Sie zur Systemkonsole mit den Meldungen von Kernel und syslog.

In dem Verzeichnis /bin finden Sie die Shell und Utilities (zum Beispiel mount). Wichtige Datei- und Netz-Utilities, zum Beispiel zum Überprüfen und Reparieren von Dateisystemen (reiserfsck, e2fsck etc.), liegen im Verzeichnis /sbin. Des Weiteren finden Sie in diesem Verzeichnis auch die wichtigsten Binaries für die Systemverwaltung wie fdisk, mkfs, mkswap, init, shutdown, sowie für den Netzwerkbetrieb ifconfig, route und netstat. Als Editor ist der vi unter /usr/bin verfügbar; hier sind auch weitere Tools (grep, find, less etc.) wie auch das Programm telnet zu finden.

5.4.2.1. Zugriff auf das normale System

Zum Mounten Ihres SUSE LINUX-Systems auf der Platte ist der Mountpoint /mnt gedacht. Sie können für eigene Zwecke weitere Verzeichnisse erzeugen und als Mount-Punkte verwenden. Nehmen wir als Beispiel einmal an, Ihr normales System setzt sich laut /etc/fstab wie in Beispiel 5.1, „Beispiel /etc/fstab“ beschrieben zusammen.

Beispiel 5.1. Beispiel /etc/fstab

/dev/sdb5       swap        swap        defaults   0   0
/dev/sdb3       /           ext2        defaults   1   1
/dev/sdb6       /usr        ext2        defaults   1   2
[Warning]Warnung

Beachten Sie im folgendem Abschnitt die Reihenfolge, in welcher die einzelnen Geräte zu mounten sind.

Um Zugriff auf Ihr gesamtes System zu haben, mounten Sie es Schritt für Schritt unter /mnt mit den folgenden Befehlen:

mount /dev/sdb3 /mnt
mount /dev/sdb6 /mnt/usr

Nun haben Sie Zugriff auf Ihr ganzes System und können zum Beispiel Fehler in Konfigurationsdateien wie /etc/fstab, /etc/passwd, /etc/inittab beheben. Die Konfigurationsdateien befinden sich statt im Verzeichnis /etc jetzt im Verzeichnis /mnt/etc. Um selbst komplett verloren gegangene Partitionen mit dem Programm fdisk einfach wieder durch Neu-Anlegen zurückzugewinnen, sollten Sie sich vorher einen Ausdruck (Hardcopy) von dem Verzeichnis /etc/fstab und dem Output des Befehls fdisk -l machen.

5.4.2.2. Dateisysteme reparieren

Beschädigte Dateisysteme sind ein besonders ernster Anlass für den Griff zum Rettungssystem. Dateisysteme lassen sich grundsätzlich nicht im laufenden Betrieb reparieren. Bei schwereren Schäden lässt sich unter Umständen nicht einmal mehr das Root-Dateisystem mounten und der Systemstart endet in einer kernel panic. Dann bleibt nur noch der Weg, die Reparatur von außen unter einem Rettungssystem zu versuchen.

Im SUSE LINUX-Rettungssystem sind die Utilities reiserfsck, e2fsck und dumpe2fs (zur Diagnose) enthalten. Damit beheben Sie die meisten Probleme. Und da auch im Notfall oft die Manualpage von reiserfsck oder e2fsck nicht mehr zugänglich ist, sind sie in diesem Handbuch unter Abschnitt B.1, „Manualpage von reiserfsck“ bzw. Abschnitt B.2, „Manualpage von e2fsck“ ausgedruckt.

Wenn sich ein ext2-Dateisystem wegen eines ungültigen Superblocks nicht mehr mounten lässt, wird das Programm e2fsck vermutlich zunächst ebenfalls scheitern. Die Lösung ist, die im Dateisystem alle 8192 Blöcke (8193, 16385…) angelegt und gepflegten Superblock-Backups zu verwenden. Dies leistet zum Beispiel der Befehl e2fsck -f -b 8193 /dev/defekte_Partition. Die Option -f erzwingt den Dateisystem-Check und kommt damit dem möglichen Irrtum von e2fsck zuvor, es sei – angesichts der intakten Superblock-Kopie – alles in Ordnung.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3