15.2. Kommandozeilenkonfiguration von SCPM

Dieser Abschnitt stellt die Kommandozeilenkonfiguration von SCPM vor. Sie erfahren über den Start und die Konfiguration von SCPM sowie den Umgang mit Profilen.

15.2.1. Start des SCPM und Definition von Resource Groups

Bevor mit SCPM gearbeitet werden kann, muss es erst einmal eingeschaltet werden. Mit dem Aufruf von scpm enable wird SCPM eingeschaltet. Beim ersten Einschalten wird SCPM initialisiert, was einige Sekunden in Anspruch nimmt. SCPM kann mit scpm disable jederzeit ausgeschaltet werden, um unbeabsichtigte Profilumschaltungen zu vermeiden. Beim anschließenden Wiedereinschalten wird der Betrieb einfach fortgesetzt.

Standardmäßig behandelt SCPM Netzwerk- und Druckereinstellungen, sowie die X.Org-Konfiguration und einige Netzwerkdienste. Falls Sie darüber hinaus Dienste oder Konfigurationsdateien verwaltet haben möchten, sollten Sie noch die entsprechenden Ressourcengruppen aktivieren. Die bereits definierten Ressourcengruppen können Sie mit dem Befehl scpm list_groups anzeigen lassen, wenn Sie nur die bereits aktiven Gruppen sehen möchten, geben Sie scpm list_groups -a ein. Die Kommandozeilenbefehle müssen als Benutzer root ausgeführt werden.

scpm list_groups -a

nis                 Network Information Service client
mail                Mail subsystem
ntpd                Network Time Protocol daemon
xf86                X Server settings
autofs              Automounter service
network             Basic network settings
printer             Printer settings

Aktivieren und deaktivieren können Sie die Gruppen mit scpm activate_group NAME bzw. scpm deactivate_group NAME, wobei NAME durch den entsprechenden Gruppennamen zu ersetzen ist. Sie können die Ressourcengruppen auch bequem mit Hilfe des YaST Profil-Managers konfigurieren.

15.2.2. Anlegen und Verwalten von Profilen

Nachdem SCPM eingeschaltet wurde, gibt es bereits ein Profil namens default. Eine Liste aller verfügbaren Profile gibt der Befehl scpm list aus. Dieses eine existierende Profil ist zwangsläufig auch das aktive Profil. Das erfährt man mit scpm active. Das Profil default ist als Grundkonfiguration gedacht, von der die anderen Profile abgeleitet werden. Deshalb sollten zuerst alle Einstellungen, die in allen Profilen einheitlich sein sollen, vorgenommen werden. Mit scpm reload werden diese Änderungen dann im aktiven Profil gespeichert. Das Profil default kann als Basis für neue Profile beliebig kopiert und umbenannt werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein neues Profil hinzuzufügen. Wenn das neue Profil (hier mit Namen work) zum Beispiel auf dem Profil default basieren soll, geschieht dies mit scpm copy default work. Danach kann man mit scpm switch work in das neue Profil umschalten und es dann konfigurieren. Manchmal hat man aber auch die Systemkonfiguration schon für bestimmte Zwecke verändert und möchte diese danach in einem neuen Profil festhalten. Das erledigt der Aufruf von scpm add work. Jetzt ist die aktuelle Systemkonfiguration im Profil work gesichert und das neue Profil als aktiv markiert; das heißt ein scpm reload sichert Änderungen jetzt im Profil work.

Selbstverständlich können Profile auch umbenannt oder gelöscht werden. Dafür gibt es die Befehle scpm rename x y und scpm delete z. Um zum Beispiel work nach arbeit umzubenennen, gibt man scpm rename work arbeit ein. Soll arbeit später gelöscht werden, benutzen Sie den Befehl scpm delete arbeit. Das aktive Profil kann nicht gelöscht werden.

15.2.3. Umschalten zwischen Konfigurationsprofilen

Das Umschalten zu einem anderen Profil (hier work) wird mit dem Befehl scpm switch work ausgelöst. Es ist zulässig, zum gerade aktiven Profil umzuschalten um geänderte Einstellungen an der Systemkonfiguration in das Profil aufzunehmen. Dies entspricht dem Befehl scpm reload.

Beim Umschalten zwischen Profilen prüft SCPM zunächst, welche Ressourcen des aktiven Profils seit dem letzten Umschalten verändert wurden. Für jede veränderte Ressource wird anschließend nachgefragt, ob die Änderungen in das noch aktive Profil übernommen werden sollen. Falls Sie – wie es bei früheren Versionen von SCPM der Fall war – lieber die einzelnen Ressourcen angezeigt bekommen möchten, dann rufen Sie den Switch-Befehl mit dem Parameter -r auf, etwa so: scpm switch -r work.

scpm switch -r work

Checking for modified resources 
Checking for Resources to be started/shut down 
Checking for dependencies 
Restoring profile default 

Danach vergleicht SCPM die aktuelle Systemkonfiguration mit dem neuen Profil, in das umgeschaltet werden soll. Dabei wird ermittelt, welche Systemdienste aufgrund von Konfigurationsänderungen oder wegen gegenseitiger Abhängigkeiten angehalten bzw. (wieder) gestartet werden müssen. Das kann man sich wie einen teilweisen Systemreboot vorstellen, nur dass eben nur ein kleiner Teil des Systems betroffen ist und der Rest unverändert weiterarbeitet. Erst jetzt werden die Systemdienste angehalten, alle veränderten Ressourcen wie Konfigurationsdateien werden geschrieben und die Systemdienste werden erneut gestartet.

15.2.4. Erweiterte Profileinstellungen

Sie können für jedes Profil eine Beschreibung eingeben, die dann bei scpm list mit ausgegeben wird. Eingeben kann man diese Beschreibung für das gerade aktive Profil mit dem Befehl scpm set description "text". Für nicht aktive Profile muss noch das Profil angegeben werden, also scpm set description "text" work. Manchmal kommt es vor, dass beim Umschalten in ein anderes Profil zusätzliche Aktionen ausgeführt werden sollen, die in SCPM (noch) nicht vorgesehen sind. Dafür können für jedes Profil vier ausführbare Programme oder Skripten eingehängt werden, die zu verschiedenen Zeitpunkten während das Umschaltens ausgeführt werden. Diese Zeitpunkte sind:

prestop

vor dem Anhalten von Diensten beim Verlassen des Profils

poststop

nach dem Anhalten von Diensten beim Verlassen des Profils

prestart

vor dem Starten von Diensten beim Aktivieren des Profils

poststart

nach dem Starten von Diensten beim Aktivieren des Profils

Diese Aktionen werden auch mit dem set Befehl eingehängt, nämlich mit scpm set prestop Dateiname, scpm set poststop Dateiname, scpm set prestart Dateiname oder scpm set poststart Dateiname. Es muss sich dabei um ein ausführbares Programm handeln, das heißt Skripten müssen den richtigen Interpreter beinhalten.

[Warning]Einbindung eigener Skripten

Zusätzliche von SCPM auszuführende Skripten müssen für den Superuser (root) les- und ausführbar gemacht werden. Alle anderen Benutzer sollten vom Zugriff auf diese Dateien ausgeschlossen werden. Mit den Befehlen chmod 700 Dateiname und chown root:root Dateiname geben Sie root die Alleinhoheit über die betreffenden Dateien.

Alle Zusatzeinstellungen, die mit set eingegeben wurden, lassen sich mit get abfragen. Zum Beispiel liefert scpm get poststart den Namen des Poststartprogramms oder einfach keine Information, wenn nichts eingehängt wurde. Gelöscht werden solche Einstellungen durch Überschreiben mit ""; das heißt der Aufruf von scpm set prestop "" hängt das Poststop-Programm wieder aus.

Genau wie beim Anlegen der Beschreibung können alle set und get Befehle für ein beliebiges Profil angewandt werden. Dazu wird zuletzt noch der Name des Profils angegeben. Zum Beispiel scpm get prestop Dateiname work oder scpm get prestop work.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3