17.2. Bluetooth

Bei Bluetooth handelt es sich um eine Funktechnologie, die verschiedene Geräte, Handys, PDAs, Peripheriegeräte oder Systemkomponenten wie Tastatur oder Maus und Laptops miteinander verbindet. Der Name leitet sich ab vom dänischen König Harold Blatand („Harold Bluetooth“ im Englischen), der im zehnten Jahrhundert verschiedene sich bekriegende Fraktionen im skandinavischen Raum vereinte. Das Bluetooth-Logo fußt auf den Runen für „H“ (ähnelt einem Stern) und „B“ ab.

Bluetooth unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von IrDA: Zum einen müssen die einzelnen Geräte sich nicht direkt „sehen“, zum anderen können mehrere Geräte zusammen ganze Netzwerke aufbauen. Allerdings sind nur Datenraten bis maximal 720 Kbps erreichbar (in der aktuellen Version 1.2). Theoretisch kann mittels Bluetooth auch durch Wände hindurch „gefunkt“ werden. In der Praxis hängt dies aber stark von den Wänden und der Geräteklasse ab. Letztere bestimmt die maximale Sendereichweite, die in drei Klassen von 10 bis 100 Metern reicht.

17.2.1. Grundlagen

Die folgenden Abschnitte beschreiben die grundlegende Arbeitsweise von Bluetooth. Sie erfahren, welche Softwareanforderungen erfüllt werden müssen, wie Bluetooth mit Ihrem System arbeitet und wie Bluetooth-Profile funktionieren.

17.2.1.1. Software

Um Bluetooth verwenden zu können, brauchen Sie einen Bluetooth-Adapter (entweder eingebaut im Gerät oder als externes Dongle), Treiber und den so genannten Bluetooth Protocol Stack. Im Linux-Kernel befindet sich bereits die Grundausstattung an Treibern für den Gebrauch von Bluetooth. Als Protocol Stack kommt das Bluez-System zur Anwendung. Damit die verschiedenen Anwendungen mit Bluetooth laufen, müssen noch die Basispakete bluez-libs und bluez-utils installiert sein, die einige benötigte Dienste und Dienstprogramme bereitstellen. Für einige Adapter (Broadcom, AVM BlueFritz!) ist zusätzlich die Installation von bluez-firmware nötig. Das Paket bluez-cups ermöglicht das Drucken über Bluetooth-Verbindungen.

17.2.1.2. Generelles Zusammenspiel

Ein Bluetooth-System besteht aus vier Schichten, die miteinander verzahnt sind, um letztendlich die gewünschte Funktion bereitzustellen:

Hardware

Der Adapter und ein passender Treiber, der die Unterstützung durch den Linux-Kernel sicherstellt

Konfigurationsdateien

Die Steuerung des Bluetooth-Systems

Daemonen

Dienste, die, durch die Konfigurationsdateien gesteuert, die Funktionalität bereitstellen

Anwendungen

Programme, die die von den Daemonen bereitgestellte Funktionalität für den Benutzer zugänglich und kontrollierbar machen

Beim Einstecken eines Bluetooth-Adapters wird der entsprechende Treiber über das Hotplug-System geladen. Nachdem der Treiber geladen wurde, wird anhand Konfigurationsdateien überprüft, ob Bluetooth gestartet werden soll. Ist dies der Fall, wird ermittelt, welche Dienste gestartet werden sollen. Abhängig davon werden dann die entsprechenden Daemonen gestartet. Bei der Installation wird nach Bluetooth-Adaptern gesucht. Wird einer oder mehrere gefunden, so wird Bluetooth aktiviert. Ansonsten wird das Bluetooth-System deaktiviert. Später hinzugefügte Bluetooth-Geräte müssen manuell aktiviert werden.

17.2.1.3. Profile

Dienste werden bei Bluetooth über Profile definiert. Im Bluetooth-Standard sind z.B. Profile für den Dateitransfer („File Transfer“-Profile), Drucken („Basic Printing“-Profil) und Netzwerkverbindungen („Personal Area Network“-Profil) festgelegt. Damit ein Gerät den Dienst eines anderen benutzen kann, müssen beide das gleiche Profil verstehen — eine Information, die manchmal leider weder der Verpackung noch dem Handbuch des Gerätes entnehmbar ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich nicht alle Hersteller streng an die Definitionen der einzelnen Profile halten. In der Regel klappt die Verständigung zwischen den Geräten aber.

Im folgenden Text bedeutet lokal, dass das Gerät physikalisch mit dem Rechner verbunden ist. Alle anderen Geräte, die nur drahtlos erreichbar sind, werden als entfernte Geräte bezeichnet.

17.2.2. Konfiguration

Dieser Abschnitt stellt die Konfiguration von Bluetooth vor. Sie erfahren, welche Konfigurationsdateien beteiligt sind, welche Werkzeuge benötigt werden und wie Bluetooth mit YaST oder manuell konfiguriert wird.

17.2.2.1. Bluetooth-Konfiguration mit YaST

Mit dem in Abbildung 17.2, „YaST: Bluetooth-Konfiguration“ gezeigten YaST Bluetooth-Modul konfigurieren Sie die Bluetooth-Unterstützung auf Ihrem System. Sobald Hotplug einen Bluetooth-Adapter an Ihrem System erkennt (beispielsweise beim Booten oder wenn Sie einen Adapter einstecken), wird Bluetooth automatisch mit den hier vorgenommenen Einstellungen gestartet.

Abbildung 17.2. YaST: Bluetooth-Konfiguration

YaST: Bluetooth-Konfiguration

Im ersten Schritt der Konfiguration legen Sie fest, ob Bluetooth-Dienste auf Ihrem System gestartet werden sollen. Wenn Sie die Bluetooth-Dienste aktiviert haben, können zwei Dinge konfiguriert werden: Erstens der Device Name – der Name, den andere Geräte anzeigen, wenn Ihr Rechner erkannt wird. Es sind zwei Platzhalter möglich, %h für den Rechnernamen des Systems (nützlich wenn der Rechnername über DHCP dynamisch zugewiesen wird) und %d, welches die Schnittstellennummer einfügt (nur sinnvoll, wenn Sie mehr als einen Bluetooth-Adapter in Ihrem Rechner haben). Wenn Sie zum Beispiel Laptop %h in dem Feld eingeben, und DHCP Ihrem Rechner den Namen unit123 zuweist, erkennen entfernte Geräte Ihren Rechner als Laptop unit123.

Der zweite Parameter Sicherheits-Manager bezieht sich auf das Verhalten des lokalen Systems, wenn ein entferntes Gerät versucht, eine Verbindung herzustellen. Der Unterschied besteht im Umgang mit der PIN. Sie können allen Geräten erlauben, sich ohne PIN zu verbinden, oder bestimmen, wie bei Bedarf die richtige PIN ausgewählt wird. Dazu können Sie eine PIN (in einer Konfigurationsdatei gespeichert) im entsprechenden Eingabefeld eingeben. Wenn ein Gerät versucht, sich zu verbinden, benutzt es zunächst diese PIN. Falls dies fehlschlägt, benutzt es keine PIN. Zur größtmöglichen Sicherheit wählen Sie die dritte Option „Always ask user for PIN“. Diese Option ermöglicht die Verwendung von verschiedenen PINs für verschiedene (entfernte) Geräte.

Über Erweiterte Daemon-Konfiguration gelangen Sie in den Dialog zur Auswahl und Detailkonfiguration der angebotenen Dienste (in Bluetooth auch Profile genannt). Alle verfügbaren Dienste werden in einer Liste angezeigt und lassen sich über Aktivieren bzw. Deaktivieren an- oder ausschalten. Mit Bearbeiten öffnen Sie ein Popup-Fenster, über das Sie dem selektierten Dienst (Daemon) zusätzliche Argumente mitgeben können. Nehmen Sie hier nur Änderungen vor, wenn Sie sich mit dem betreffenden Dienst genau auskennen. Ist die Daemon-Konfiguration abgeschlossen, verlassen Sie diesen Dialog mit OK.

Nachdem Sie wieder im Hauptdialog sind, gelangen Sie über Sicherheitsoptionen in den Sicherheitsdialog, in dem Sie Einstellungen zu Verschlüsselung, Authentifizierungs- und Scanverfahren machen können. Schließen Sie die Sicherheitseinstellungen ab, gelangen Sie zurück in den Hauptdialog. Verlassen Sie diesen mit Beenden, ist Ihr Bluetooth-System einsatzbereit.

Aus dem Hauptdialog gelangen Sie auch in den Dialog Geräte- und Dienstklassen. Bluetooth-Geräte sind in verschiedene „Device Classes“ organisiert. In diesem Dialog wählen Sie die richtige Klasse für Ihren Rechner, beispielsweise „Desktop“ oder „Laptop“. Die Geräteklasse ist nicht sehr wichtig, wohl aber die „Service class“, die auch hier eingestellt wird. Einige entfernte Bluetooth-Geräte wie Handys erlauben gewisse Funktionen nur, wenn sie erkennen, dass auf Ihrem System die richtige Dienstklasse eingestellt ist. Die ist oft bei Handys der Fall, die eine Klasse namens „Object Transfer“ erwarten, bevor Sie die Übertragung vom oder zum Rechner erlauben. Sie können gleichzeitig mehrere Klassen auswählen. Es ist jedoch nicht sinnvoll, „sicherheitshalber“ alle Klassen auszuwählen. Die Standardauswahl sollte in den meisten Fällen ausreichend sein.

Möchten Sie Bluetooth zum Aufbau eines Netzwerks verwenden, aktivieren Sie im Dialog Erweiterte Daemon-Konfigurationden PAND und passen über Bearbeiten den Modus des Daemons an. Für eine funktionierende Bluetooth-Netzwerkverbindung muss ein pand im Listen-Modus arbeiten und die Gegenstelle im Search-Modus. Standardmäßig ist der Listen-Modus voreingestellt. Passen Sie das Verhalten Ihres lokalen pand an. Zusätzlich konfigurieren Sie über das YaST Modul Netzwerkkarte die Schnittstelle bnepX (X steht für die Gerätenummer im System).

17.2.2.2. Manuelle Konfiguration von Bluetooth

Die Konfigurationsdateien für die einzelnen Komponenten des Bluez-Systems befinden sich im Verzeichnis /etc/bluetooth. Die einzige Ausnahme ist die für das Starten der Komponenten verwendete Datei /etc/sysconfig/bluetooth, die vom YaST-Modul bearbeitet wird.

Die nachstehend beschriebenen Konfigurationsdateien können nur als Benutzer root verändert werden. Eine grafische Benutzeroberfläche, um sämtliche Parameter einzustellen, gibt es im Moment leider nicht. Die wichtigsten können mit dem YaST-Bluetooth-Modul eingestellt werden, das in Abschnitt 17.2.2.1, „Bluetooth-Konfiguration mit YaST“ beschrieben wird. Alle anderen Einstellungen betreffen nur erfahrene Benutzer mit Sonderfällen. Im Regelfall sollten die Voreinstellungen ausreichend sein.

Einen ersten Schutz vor ungewollten Verbindungen bietet die Absicherung durch eine PIN-Nummer. Mobiltelefone fragen den PIN normalerweise beim ersten Kontakt (bzw. dem Einrichten eines Gerätekontaktes auf dem Telefon) ab. Damit sich zwei Geräte miteinander unterhalten können, müssen beide sich mit demselben PIN identifizieren. Dieser befindet sich auf dem Rechner in der Datei /etc/bluetooth/pin.

[Important]Sicherheit von Bluetooth-Verbindungen

Trotz des PINs sollte davon ausgegangen werden, dass eine Übertragung zwischen zwei Geräten nicht abhörsicher ist. Im Auslieferungszustand ist die Authentifizierung und Verschlüsselung von Bluetooth-Verbindungen deaktiviert. Die Aktivierung von Authentifizierung und Verschlüsselung kann bei manchen Bluetooth-Geräten zu Verbindungsproblemen führen.

In der Konfigurationsdatei /etc/bluetooth/hcid.conf können verschiedene Einstellungen wie Gerätenamen und Sicherheitsmodus geändert werden. Im Wesentlichen sollten die Standardeinstellungen ausreichend sein. Die Datei enthält Kommentare, die die Optionen bei den verschiedenen Einstellungen beschreiben. Auf zwei davon wird noch kurz eingegangen.

In der ausgelieferten Datei finden sich zwei Abschnitte, die mit options bzw. device gekennzeichnet sind. Ersterer enthält allgemeine Informationen, die der hcid beim Starten verwendet, letzterer enthält Einstellungen für die einzelnen lokalen Bluetooth-Geräte. Lokal bedeutet hier, dass das Gerät physikalisch mit dem Rechner verbunden ist. Alle anderen Geräte, die nur drahtlos erreichbar sind, werden als entfernte Geräte bezeichnet.

Eine der wichtigsten Einstellungen des options-Abschnittes ist security auto;. Wird dieser auf auto gesetzt, versucht der hcid für eingehende Verbindungen die lokale PIN zu benutzen. Falls dies fehlschlägt, schaltet er auf none um und stellt die Verbindung trotzdem her. Für erhöhte Sicherheit empfiehlt es sich, diese Voreinstellung aud user zu setzen, damit der Benutzer bei jeder Verbindung nach einer PIN gefragt wird.

Interessant im device-Abschnitt ist die Angabe, unter welchem Namen der Rechner bei den Gegenstellen angezeigt wird. Die Geräteklasse wie Desktop, Laptop oder Server wird hier definiert. Außerdem wird hier die Authentifizierung und Verschlüsselung an- oder ausgeschaltet.

17.2.3. Systemkomponenten und nützliche Hilfsmittel

Erst durch das Zusammenspiel verschiedener Dienste wird Bluetooth überhaupt benutzbar. Zwei im Hintergrund laufende Daemonen werden mindestens benötigt: Zum einen der hcid (Host Controller Interface). Dieser dient als Schnittstelle zum Bluetooth-Gerät und steuert dieses. Zum anderen braucht man den sdpd (Service Discovery Protocol). Über den sdpd erfährt ein entferntes Gerät, welche Dienste der Rechner zur Verfügung stellt. Sowohl hcid als auch sdpd können — falls nicht bereits automatisch beim Systemstart geschehen — mit dem Befehl rcbluetooth start in Betrieb genommen werden. Dazu sind jedoch root-Rechte erforderlich.

Im Folgenden wird kurz auf die wichtigsten Shell-Werkzeuge eingegangen, die für das Arbeiten mit Bluetooth eingesetzt werden können. Auch wenn Bluetooth inzwischen mittels verschiedener grafischer Komponenten bedient werden kann, empfiehlt es sich, einen Blick auf diese Programme zu werfen.

Einige Befehle lassen sich nur als root ausführen. Hierzu gehört z.B. l2ping Geräteadresse, mit dem die Verbindung zu einem entfernten Gerät getestet werden kann.

17.2.3.1. hcitool

Mittels hcitool kann festgestellt werden, ob lokale und/oder entfernte Geräte gefunden wurden. Der Befehl hcitool dev sollte das eigene Gerät anzeigen. Die Ausgabe erzeugt für jedes gefundene lokale Gerät eine Zeile in der Form <interfacename> <Geräteadresse>.

Entfernte Geräte werden mit hcitool inq gesucht. Hier werden drei Werte pro gefundenem Gerät ausgegeben: Die Geräteadresse, eine Uhrendifferenz und die Geräteklasse. Wichtig ist die Geräteadresse. Diese wird bei anderen Befehlen benutzt, um das Zielgerät zu identifizieren. Die Uhrendifferenz ist im Prinzip nur aus technischer Sicht interessant. In der Klasse werden sowohl Gerätetyp als auch Servicetyp als Hexadezimalwert kodiert.

Mit hcitool name Geräteadresse kann der Gerätename eines entfernten Gerätes ermittelt werden. Handelt es sich dabei z.B. um einen weiteren Rechner, so würde die ausgegebene Klasse und der Gerätename der Information aus dessen /etc/bluetooth/hcid.conf Datei entsprechen. Lokale Geräteadressen erzeugen eine Fehlerausgabe.

17.2.3.2. hciconfig

Weitere Informationen über das lokale Gerät liefert /usr/sbin/hciconfig. Beim Aufruf von hciconfig ohne weitere Argumente werden Informationen über das Gerät wie Gerätename (hciX), physikalische Geräteadresse (12 stellige Nummer in der Form 00:12:34:56:78) sowie Informationen über die Menge der übertragenen Daten angezeigt.

hciconfig hci0 name liefert den Namen, der bei Anfragen von entfernten Geräten von Ihrem Rechner zurückgegeben wird. hciconfig dient aber nicht nur zum Abfragen von Einstellungen des lokalen Gerätes, sondern erlaubt auch die Modifikation derselben. Mit hciconfig hci0 name TEST könnten Sie z.B. den Namen auf TEST setzen.

17.2.3.3. sdptool

Die Information, welcher Dienst von einem bestimmten Gerät zur Verfügung gestellt wird, erhält man durch das Programm sdptool. sdptool browse Geräteadresse liefert alle Dienste eines Gerätes, während mit sdptool search Dienstkürzel nach einem bestimmten Dienst gesucht werden kann. Dieser Aufruf befragt alle erreichbaren Geräte nach dem gewünschten Dienst. Wird er von einem der Geräte angeboten, gibt das Programm den vom Gerät gelieferten vollen Dienstnamen und eine kurze Beschreibung dazu aus. Eine Liste aller möglichen Dienstkürzel erhält man durch Aufruf von sdptool ohne irgendwelche Parameter.

17.2.4. Grafische Anwendungen

Konqueror listet Ihnen mit dem URL bluetooth:/ lokale und entfernte Bluetooth-Geräte auf. Mit einem Doppelklick auf ein Gerät erhalten Sie eine Übersicht über die von diesem Gerät zur Verfügung gestellten Dienste. Fahren Sie mit der Maus über einen der angegebenen Dienste, sehen Sie unten im Statusfenster des Browsers, welches Profil für den Dienst verwendet wird. Klicken Sie einen Dienst an, so erscheint ein Fenster, in dem gefragt wird, was Sie machen möchten: Speichern, den Dienst benutzen (dafür muss ein Anwendungsprogramm gestartet werden), oder die Aktion abbrechen. Sie können hier auch ankreuzen, dass dieses Fenster nicht mehr erscheinen soll, sondern immer die von Ihnen ausgewählte Aktion durchgeführt werden soll. Bitte beachten Sie: Für einige Dienste gibt es noch keine Unterstützung, für einige andere müssen evtl. Pakete hinzugefügt werden.

17.2.5. Beispiele

Dieser Abschnitt beschreibt zwei typische Beispiele für mögliche Bluetooth-Szenarien. Das erste Beispiel zeigt, wie eine Netzwerkverbindung zwischen zwei Rechnern über Bluetooth aufgebaut werden kann. Das zweite Beispiel zeigt, eine Verbindung zwischen einem Rechner und einem Handy.

17.2.5.1. Netzwerkverbindung zwischen zwei Rechnern

Im ersten Beispiel soll eine Netzwerkverbindung zwischen zwei Rechnern R1 und R2 aufgebaut werden. Die beiden Rechner besitzen die Bluetooth-Geräteadressen baddr1 bzw. baddr2, die wie oben beschrieben mit Hilfe von hcitool dev auf beiden Rechnern ermittelt werden konnten. Die Rechner sollen sich am Ende mit der IP 192.168.1.3 (R1) und 192.168.1.4 (R2) sehen.

Die Verbindung über Bluetooth geschieht mit Hilfe des pand (Personal Area Networking). Die nachstehenden Befehle müssen vom Benutzer root durchgeführt werden. Auf eine genauere Erläuterung der Netzwerkbefehle (ip) wird verzichtet und nur auf die Bluetooth bedingten Aktionen eingegangen:

Auf dem Rechner R1 wird der pand mit dem Befehl pand -s gestartet. Auf dem Rechner R2 kann dann mit pand -c baddr1 eine Verbindung aufgebaut werden. Wenn Sie jetzt auf einem oder beiden Rechnern eine Liste der zur Verfügung stehenden Netzwerkschnittstellen mit ip link show aufrufen, so sollte ein Eintrag in der Form

 bnep0: <BROADCAST,MULTICAST> mtu 1500 qdisc noop qlen 1000 
 link/ether 00:12:34:56:89:90 brd ff:ff:ff:ff:ff:ff

zu finden sein (an Stelle von 00:12:34:56:89:90 sollte die lokale Geräteadresse baddr1 bzw. baddr2 stehen). Diese Schnittstelle muss jetzt mit einer IP-Adresse versehen und in den aktiven Zustand gebracht werden.

Dies geschieht auf R1 durch die beiden Befehle

ip addr add 192.168.1.3/24 dev bnep0
ip link set bnep0 up

bzw. analog auf R2

ip addr add 192.168.1.4/24 dev bnep0
ip link set bnep0 up

Jetzt ist R1 von R2 unter der IP 192.168.1.3 erreichbar. Mit ssh 192.168.1.4 können Sie sich jetzt von R1 aus einloggen (sofern R2 einen sshd, wie er standardmäßig unter SUSE LINUX läuft, im Betrieb hat). Der Aufruf ssh 192.168.1.4 funktioniert auch als „normaler“ Benutzer.

17.2.5.2. Datentransfer vom Mobiltelefon auf den Rechner

Im zweiten Beispiel soll ein mit einem Fotomobiltelefon erzeugtes Bild (ohne zusätzliche Kosten z.B. durch den Versand einer Multimediamail zu erzeugen) auf einen Rechner transportiert werden. Bitte beachten Sie, dass jedes Mobiltelefon eine andere Menüstruktur besitzt, aber die Vorgehensweise meist ähnlich ist. Konsultieren Sie nötigenfalls die Anleitung für Ihr Telefon. Nachstehend wird der Transfer eines Bildes von einem Sony Ericsson Mobiltelefon auf einen Laptop beschrieben. Dazu muss einerseits auf dem Rechner der Dienst Obex-Push vorhanden sein, andererseits der Rechner auch dem Mobiltelefon den Zugriff erlauben. Im ersten Schritt wird der Dienst auf dem Laptop zur Verfügung gestellt. Dies geschieht mit dem Daemon opd, der aus dem Paket bluez-utils kommt. Starten Sie diesen mit:

opd --mode OBEX --channel 10 --daemonize --path /tmp --sdp 

Wichtig sind dabei zwei Parameter. --sdp meldet den Dienst beim sdpd an. Der Parameter --path /tmp teilt dem Programm mit, wohin es empfangene Daten speichern soll, in diesem Fall nach /tmp. Genauso können Sie auch andere Pfade angegeben. Sie brauchen nur Schreibberechtigung im angegebenen Verzeichnis.

Jetzt muss das Mobiltelefon den Rechner kennenlernen. Suchen Sie dazu das Menü Verbindungen auf dem Telefon auf, und wählen Sie dort Bluetooth an. Gehen Sie gegebenenfalls auf Einschalten, bevor Sie den Punkt Eigene Geräte auswählen. Wählen Sie Neues Gerät aus und lassen Sie Ihr Telefon nach dem Laptop suchen. Wenn ein Gerät gefunden wird, so erscheint es mit seinem Namen im Display. Wählen Sie das zum Laptop gehörende Gerät aus. Jetzt sollte eine PIN-Abfrage kommen, bei der Sie bitte den PIN aus /etc/bluetooth/pin eingeben. Damit erkennt das Telefon jetzt den Laptop, und kann mit diesem auch Daten austauschen. Verlassen Sie dann das Menü und suchen Sie das Bildermenü auf. Wählen Sie ein Bild aus, dass Sie transferieren möchten und drücken Sie den Mehr-Button. Im erscheinenden Menü kommen Sie über Senden zu einer Auswahl wie Sie es verschicken möchten. Wählen Sie Über Bluetooth aus. Jetzt sollte der Laptop als Zielgerät selektierbar sein. Nach der Auswahl des Rechners erfolgt die Übertragung, und das Bild wird in das beim Aufruf des opd angegebene Verzeichnis gelegt. Genauso könnten Sie natürlich ein Musikstück auf den Laptop übertragen.

17.2.6. Mögliche Probleme und deren Lösung

Bei Verbindungsproblemen empfiehlt es sich, die folgende Liste abzuarbeiten. Denken Sie aber bitte immer daran, dass der Fehler auf beiden Seiten einer Verbindung liegen kann, im schlimmsten Falle sogar auf beiden. Sofern dies möglich ist, sollten Sie versuchen, mit einem weiteren Bluetooth-Gerät das Problem nachzuvollziehen, um Gerätefehler auszuschließen.

Wird das lokale Gerät in der Ausgabe von hcitool dev angezeigt?

Wenn das lokale Gerät nicht in dieser Ausgabe erscheint, ist entweder der hcid nicht gestartet oder das Gerät wird nicht als Bluetooth-Gerät erkannt. Dies kann verschiedene Ursachen haben: Das Gerät kann kaputt sein oder der richtige Treiber kann fehlen. Bei Laptops mit eingebautem Bluetooth gibt es auch oft einen Ein-/Aus-Schalter für funkbetriebene Geräte wie WLAN und Bluetooth. Prüfen Sie anhand des Systemhandbuchs Ihres Laptops, ob Ihr Gerät mit einem derartigen Schalter versehen ist. Starten Sie das Bluetooth-System mit rcbluetooth restart neu und werfen Sie einen Blick in /var/log/messages, ob Fehler aufgetreten sind.

Benötigt Ihr Bluetooth-Adapter eine Firmware-Datei?

In diesem Fall installieren Sie bitte bluez-bluefw und starten das Bluetooth-System mit rcbluetooth restart neu.

Liefert die Ausgabe hcitool inq andere Geräte zurück?

Testen Sie diesen Aufruf mehr als einmal. Es kann vorkommen, dass die Verbindung nicht ganz in Ordnung ist, da das Frequenzband von Bluetooth auch von anderen Geräten benutzt.

Stimmen die PINs überein?

Überprüfen Sie, ob die PIN-Nummer des Rechners (in /etc/bluetooth/pin) und die des verwendeten Ziel-Gerätes übereinstimmen.

Sieht“ das andere Gerät Ihren Rechner?

Versuchen Sie, die Verbindung vom anderen Gerät aus zu initiieren. Überprüfen Sie, ob dieses Gerät den Rechner sieht.

Ist es möglich, eine Netzwerkverbindung aufzubauen (siehe Beispiel 1)?

Wenn das erste Beispiel (Netzwerkverbindung) nicht klappt, so kann dies mehrere Ursachen haben: Zum einen kann es sein, dass einer der beiden Rechner das ssh-Protokoll nicht versteht. Probieren Sie, ob ping 192.168.1.3 bzw. ping 192.168.1.4 klappt. Wenn ja überprüfen Sie, ob der sshd läuft. Ein anderes Problem könnte darin bestehen, dass Sie auf einem oder beiden Geräten bereits Netzwerkeinstellungen haben, die mit den im Beispiel genannten 192.168.1.X Konflikte erzeugen. Versuchen Sie einfach andere Adressen, z.B. 10.123.1.2 und 10.123.1.3.

Erscheint der Laptop als Zielgerät (Beispiel 2)? Erkennt das Mobilgerät den Dienst Obex-Push auf dem Laptop?

Gehen Sie dazu im Eigene Geräte-Menü zum betreffenden Gerät, und lassen Sie sich die Dienstliste anzeigen. Steht hier (auch nach dem Aktualisieren der Liste) kein Obex-Push, so liegt das Problem am opd auf dem Laptop. Ist der opd gestartet? Haben Sie Schreibberechtigung auf das angegebene Verzeichnis?

Geht das zweite Beispiel auch umgekehrt?

Wenn Sie das Paket obexftp installiert haben, geht dies mit obexftp -b Geräteadresse -B 10 -p Bild auch bei einigen Geräte. Verschiedene Modelle der Marken Siemens und Sony Ericsson sind getestet und funktionieren. Werfen Sie dazu bitte einen Blick in die Dokumentation des Paketes unter /usr/share/doc/packages/obexftp.

17.2.7. Weitere Informationen

Eine gute Übersicht über verschiedene Anleitungen zum Umgang und zur Konfiguration von Bluetooth findet sich unter: http://www.holtmann.org/linux/bluetooth/ Weitere gute Informationen und Anleitungen:


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3