9.3. Konfiguration des Kernels

Die Konfiguration des aktuell laufenden Kernel ist in der Datei /proc/config.gz gespeichert. Um diese Konfiguration nach Ihren Wünschen anzupassen, wechseln Sie als Benutzer root in das Verzeichnis /usr/src/linux und führen folgende Befehle aus:

zcat /proc/config.gz > .config
make oldconfig

Der Befehl make oldconfig verwendet die Datei /usr/src/linux/.config als Vorlage zur aktuellen Kernel-Konfiguration. Wenn bei Ihren aktuellen Kernel-Quellen neue Optionen hinzugekommen sind, so werden diese jetzt abgefragt. Wenn die Datei .config fehlt, dann wird die „default“-Konfiguration verwendet, die in den Kernel-Quellen enthalten ist.

Die konfigurierbaren Optionen des Kernels können hier nicht im Einzelnen beschrieben werden. Jedoch können Sie von der umfangreichen Hilfe Gebrauch machen, die zur Konfiguration des Kernels verfügbar ist. Die Dokumentation für den aktuellen Kernel befindet sich im Verzeichnis /usr/src/linux/Documentation.

9.3.1. Kommandozeilenkonfiguration

Um den Kernel zu konfigurieren, wechseln Sie nach /usr/src/linux und geben den Befehl make config ein. Sie werden nach einer Reihe von Systemfähigkeiten gefragt, die der Kernel unterstützen soll. Bei der Beantwortung der Fragen gibt es zwei oder drei verschiedene Möglichkeiten: y (yes), n (no) und gegebenenfalls m (module). m bedeutet hierbei, dass der entsprechende Treiber nicht fest in den Kernel eingebunden sondern vielmehr als Modul kompiliert wird, das zur Laufzeit zum Kernel hinzugeladen werden kann. Sämtliche Treiber, die zum Booten des Systems unbedingt benötigt werden, müssen fest zum Kernel hinzugebunden werden; in diesen Fällen also y wählen. Mit Enter bestätigen Sie die Vorauswahl, die aus der Datei .config eingelesen wird. Wenn Sie bei einer Frage eine andere Taste drücken, erhalten Sie einen kurzen Hilfetext zu der jeweiligen Option angezeigt.

9.3.2. Konfiguration im Textmodus

Bequemer lässt sich die Konfiguration des Kernels mit menuconfig durchführen; gegebenenfalls müssen Sie dazu das Paket ncurses-devel mit YaST nachinstallieren. Starten Sie die Kernel-Konfiguration mit dem Befehl make menuconfig.

Bei einer geringfügigen Änderung der Konfiguration müssen Sie sich hier nicht durch alle Fragen „durchtasten“, sondern können über das Menü direkt bestimmte Bereiche wählen. Die Voreinstellungen werden der Datei .config entnommen. Um eine andere Konfiguration zu laden, wählen Sie den Menüpunkt Load an Alternate Configuration File und geben den Dateinamen an.

9.3.3. Konfiguration unter dem X Window System

Haben Sie das X Window System (Paket xorg-x11) sowie das Paket zur Entwicklung von QT-Programmen (qt3-devel) installiert, dann können Sie mit dem Befehl make xconfig die Konfiguration über eine grafische Benutzeroberfläche vornehmen. Wenn Sie das X Window System nicht als root gestartet haben, geben Sie den Befehl su ein, um eine root-Shell mit Zugriff auf das Display zu erhalten. Die Voreinstellungen werden aus der Datei .config ausgelesen. Beachten Sie, dass die Konfiguration über make xconfig nicht so gut gepflegt ist wie die anderen Konfigurationsmöglichkeiten. Sie sollten daher nach Verwendung dieser Konfigurationsmethode immer noch ein make oldconfig ausführen.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3