8.3. Booten mit GRUB

GRUB (engl. Grand Unified Bootloader) besteht aus zwei Stufen. Die erste Stufe (stage1) besteht aus 512 Byte und wird in den MBR oder den Bootsektor einer Plattenpartition oder Diskette geschrieben. Die zweite, größere Stufe (stage2) wird im Anschluss daran geladen und enthält den eigentlichen Programmcode. Einzige Aufgabe der ersten Stufe ist bei GRUB, die zweite Stufe des Bootloaders zu laden.

stage2 kann auf Dateisysteme zugreifen. Derzeit werden Ext2, Ext3, ReiserFS, Minix und das von Windows verwendete DOS FAT unterstützt. Mit Einschränkungen werden JFS, XFS und auch das von BSD-Systemen verwendete UFS/FFS unterstützt. Ab der Version 0.95 ist GRUB auch in der Lage, gemäß der „El Torito“-Spezifikation von einer CD oder DVD mit einem Standarddateisystem nach ISO 9660 zu booten. GRUB kann noch vor dem Booten auf Dateisysteme unterstützter BIOS-Disk-Devices (Diskette, Festplatten, CD- oder DVD-Laufwerke) zugreifen, weshalb Änderungen an der GRUB-Konfigurationsdatei (menu.lst) keine Neuinstallation des Bootmanagers erfordern. Beim Booten liest GRUB die Menüdatei samt der aktuellen Pfade und Partitionsangaben zum Kernel oder zur initialen Ramdisk (initrd) neu ein und findet diese Dateien selbständig.

Zur eigentlichen Konfiguration von GRUB werden drei Dateien benötigt, auf die in den folgenden Abschnitten näher eingegangen wird:

/boot/grub/menu.lst

Diese Datei enthält alle Angaben zu Partitionen oder Betriebssystemen, die mit Hilfe von GRUB gebootet werden können. Ohne diese Angaben ist die Übergabe der Systemkontrolle an das Betriebssystem nicht möglich.

/boot/grub/device.map

Diese Datei „übersetzt“ die Gerätenamen von der GRUB/BIOS-Notation in die Linux-Gerätenamen.

/etc/grub.conf

In dieser Datei werden die Parameter und Optionen aufgeführt, die die GRUB-Shell benötigt, um den Bootloader korrekt zu installieren.

GRUB lässt sich auf verschiedene Art steuern. Booteinträge aus einer bereits existierenden Konfiguration werden über das grafische Menü (Splash-Screen) ausgewählt. Die Konfiguration wird aus der Datei menu.lst ausgelesen.

Alle Bootparameter können bei GRUB noch vor dem Booten geändert werden. Wurde zum Beispiel beim Bearbeiten der Menüdatei ein Fehler gemacht, kann er auf diese Weise umgangen werden. Darüber hinaus können Boot-Kommandos interaktiv über eine Art von Eingabeaufforderung eingegeben werden (siehe Abschnitt 8.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“). GRUB bietet die Möglichkeit, noch vor dem Booten die Lage von Kernel und initrd zu ermitteln. So booten Sie gegebenenfalls ein zusätzlich installiertes Betriebssystem, für das Sie noch keinen Eintrag in die Bootloaderkonfiguration eingefügt haben.

Schließlich existiert mit der GRUB-Shell eine Emulation von GRUB im installierten System selbst. Die GRUB-Shell kann dazu verwendet werden, um GRUB zu installieren oder um neue Einstellungen zu testen, bevor man sich darauf festlegt (siehe Abschnitt 8.3.4, „Die GRUB-Shell“).

8.3.1. Das GRUB-Bootmenü

Hinter dem grafischen Splash-Screen mit dem Bootmenü steht die GRUB-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst, die alle Informationen zu allen Partitionen oder Betriebssystemen enthält, die mit Hilfe des Menüs gebootet werden können.

GRUB liest bei jedem Systemstart die Menüdatei vom Dateisystem neu ein. Es besteht also keine Notwendigkeit, GRUB nach jeder erfolgten Änderung an der Datei neu zu installieren. Für Änderungen der GRUB-Konfiguration können Sie das Bootloader-Modul von YaST verwenden (siehe Abschnitt 8.4, „Bootloader-Konfiguration mit YaST“).

Die Menüdatei enthält Befehle. Die Syntax ist sehr einfach. Jede Zeile enthält einen Befehl, gefolgt von optionalen Parametern, die wie bei der Shell durch Leerzeichen getrennt werden. Einige Befehle erlauben aus historischen Gründen ein Gleichheitszeichen vor dem ersten Parameter. Kommentare werden durch ein Rautenzeichen (#) eingeleitet.

Zur Kennzeichnung der Menüeinträge in der Menü-Übersicht müssen Sie für jeden Eintrag einen Namen oder einen title vergeben. Der nach dem Schlüsselwort title stehende Text wird inklusive Leerzeichen im Menü als selektierbare Option angezeigt. Alle Befehle bis zum nächsten title werden nach Auswahl dieses Menüeintrages ausgeführt.

Einfachster Fall ist das Verzweigen zu Bootloadern anderer Betriebssysteme. Der Befehl lautet chainloader und das Argument ist normalerweise der Boot-Block einer anderen Partition in GRUBs Block-Notation, zum Beispiel:

chainloader (hd0,3)+1

Die Gerätenamen unter GRUB werden in Abschnitt 8.3.1.1, „Namenskonventionen für Festplatten und Partitionen“ erklärt. Obiges Beispiel spezifiziert den ersten Block der vierten Partition auf der ersten Festplatte.

Mit dem Befehl kernel wird ein Kernel-Image spezifiziert. Das erste Argument ist der Pfad zum Kernel-Image auf einer Partition. Die restlichen Argumente werden dem Kernel auf der Kommandozeile übergeben.

Wenn der Kernel nicht die erforderlichen Treiber für den Zugriff auf die root-Partition einkompiliert hat, dann muss initrd angegeben werden. Hierbei handelt es sich um einen separaten GRUB-Befehl, der den Pfad zur initrd-Datei als einziges Argument hat. Da die Ladeadresse der initrd in das bereits geladene Kernel-Image geschrieben wird, muss der Befehl initrd auf den kernel-Befehl folgen.

Der Befehl root vereinfacht die Spezifikation der Kernel- und initrd-Dateien. root hat als einziges Argument entweder eine GRUB-Gerät oder eine Partition auf einem solchen. Allen Kernel-, initrd- oder anderen Dateipfaden, bei denen nicht explizit ein Gerät angegeben ist, wird bis zum nächsten root-Befehl dieses Gerät vorangestellt. In einer menu.lst-Datei, die während der Installation generiert wurde, kommt dieser Befehl nicht vor. Er dient der Vereinfachung beim manuellen Bearbeiten.

Am Ende jedes Menü-Eintrags steht implizit das boot-Kommando, so dass dieses nicht unbedingt in die Menüdatei geschrieben werden muss. Sollten Sie jedoch in die Situation kommen, GRUB interaktiv zum Booten zu benutzen, müssen Sie am Ende das boot-Kommando eingeben. boot hat keine Argumente, es führt lediglich das geladene Kernel-Image oder den angegebenen Chainloader aus.

Wenn Sie alle Menü-Einträge geschrieben haben, müssen Sie einen Eintrag als default festlegen. Andernfalls wird der erste (Eintrag 0) verwendet. Sie haben auch die Möglichkeit, mittels timeout eine Zeitspanne in Sekunden anzugeben, nach dem der default-Eintrag gebootet werden soll. timeout und default werden üblicherweise vor die Menüeinträge geschrieben. Eine Beispieldatei samt Erläuterung finden Sie in Abschnitt 8.3.1.2, „Beispiel einer Menü-Datei“.

8.3.1.1. Namenskonventionen für Festplatten und Partitionen

GRUB verwendet für die Bezeichnung von Festplatten und Partitionen andere Konventionen, als sie für Linux-Gerätebezeichnungen üblich sind. Bei GRUB beginnt die Zählung der Partitionen bei Null. Demzufolge bezeichnet (hd0,0) die erste Partition auf der ersten Festplatte. Bei einem gewöhnlichen Desktop-Rechner mit einer Platte, die als Primary Master angeschlossen ist, lautet der entsprechende Linux-Gerätename dagegen /dev/hda1.

Die vier möglichen primären Partitionen belegen die Partitionsnummern 0 bis 3. Ab 4 werden die logischen Partitionen hochgezählt:

(hd0,0)   erste primäre Partition auf der ersten Festplatte
(hd0,1)   zweite primäre Partition 
(hd0,2)   dritte primäre Partition
(hd0,3)   vierte primäre (und meist die erweiterte) Partition
(hd0,4)   erste logische Partition 
(hd0,5)   zweite logische Partition

GRUB unterscheidet nicht zwischen IDE-, SCSI- oder RAID-Geräten. Alle Festplatten, die vom BIOS oder weiteren Controllern erkannt werden, werden der im BIOS voreingestellten Bootreihenfolge entsprechend durchgezählt.

GRUB kann leider die BIOS-Gerätenamen nicht eindeutig den Linux-Gerätenamen zuordnen. Stattdessen wird die Zuordnung mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus erzeugt und in der Datei device.map abgespeichert, die man bearbeiten kann. Mehr Informationen zur Datei device.map finden Sie in Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“.

Ein kompletter GRUB-Pfad besteht aus einem Gerätenamen, der in Klammern geschrieben wird, sowie dem Pfad der Datei in dem Dateisystem auf der angegebenen Partition. Der Pfad wird durch einen Schrägstrich eingeleitet. Zum Beispiel könnte auf einem System mit einer einzelnen IDE-Festplatte und Linux auf der ersten Partition der Eintrag für den zu bootenden Kernel wie folgt aussehen:

(hd0,0)/boot/vmlinuz

8.3.1.2. Beispiel einer Menü-Datei

Im Folgenden soll der Aufbau der GRUB-Menüdatei durch ein Beispiel illustriert werden. Das dabei angenommene System umfasst eine Linux-Bootpartition unter /dev/hda5, eine Root-Partition unter /dev/hda7 und eine Windows-Installation unter /dev/hda1.

gfxmenu (hd0,4)/message 
color white/blue black/light-gray 
default 0
timeout 8 

title linux
  kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 
  initrd (hd0,4)/initrd 

title windows 
  chainloader(hd0,0)+1 

title floppy
  chainloader(fd0)+1 

title failsafe 
  kernel (hd0,4)/vmlinuz.shipped root=/dev/hda7 ide=nodma \ 
  apm=off acpi=off vga=normal nosmp maxcpus=0 3 
  initrd (hd0,4)/initrd.shipped

Der erste Teil definiert die Konfiguration des Splash-Screens:

gfxmenu (hd0,4)/message

Das Hintergrundbild liegt auf /dev/hda5 und trägt den Namen message.

color white/blue black/light-gray

Das Farbschema: weiß (Vordergrund), blau (Hintergrund), schwarz (Auswahl) und hellgrau (Hintergrund der Auswahl). Dieses Farbschema wirkt sich nicht auf den Splash-Screen aus, sondern nur auf das änderbare GRUB-Menü, in das Sie gelangen, wenn Sie den Splash-Screen mit Esc verlassen.

default 0

Der erste Menüeintrag, also title linux, soll standardmäßig gebootet werden.

timeout 8

Nach acht Sekunden ohne Benutzerfeedback bootet GRUB automatisch den oben genannten Standard-Eintrag.

Der zweite und größere Teil listet die verschiedenen Betriebssysteme auf, die gebootet werden können. Die Abschnitte für die einzelnen Betriebssysteme werden jeweils mit title eingeleitet.

  • Der erste Eintrag (title linux) ist für das Booten von SUSE LINUX zuständig. Der Kernel (vmlinuz) liegt auf der ersten Festplatte in der ersten logischen Partition (hier der Bootpartition). Kernelparameter wie zum Beispiel die Angabe der Root-Partition, des VGA-Modus etc. werden hier angehängt. Die Angabe der Root-Partition erfolgt nach dem Linux-Schema (/dev/hda7/) da diese Information für den Kernel bestimmt ist und nichts mit GRUB zu tun hat. Die initrd liegt ebenfalls in der ersten logischen Partition der ersten Festplatte.

  • Der zweite Eintrag ist für das Laden von Windows zuständig. Windows wird von der ersten Partition der ersten Festplatte aus gestartet (hd0,0). Mittels chainloader +1 wird das Auslesen und Ausführen des ersten Sektors der angegebenen Partition veranlasst.

  • Der nächste Abschnitt dient dazu, das Booten von Diskette zu ermöglichen, ohne dass dazu das BIOS umgestellt werden müsste.

  • Der Eintrag failsafe dient dazu, Linux mit einer bestimmten Auswahl an Kernelparametern zu starten, die selbst auf problematischen Systemen ein Hochfahren von Linux ermöglichen.

Die Menüdatei kann jederzeit geändert werden und wird von GRUB automatisch beim nächsten Booten übernommen. Sie können diese Datei mit YaST oder einem Editor Ihrer Wahl permanent editieren. Alternativ können Sie temporäre Änderungen interaktiv über die Bearbeitungsfunktion von GRUB vornehmen. Siehe Abschnitt 8.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“.

8.3.1.3. Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs

Aus dem grafischen Bootmenü von GRUB können Sie mittels der Pfeiltasten auswählen, welches der verfügbaren Betriebssysteme gestartet werden soll. Wählen Sie ein Linux-System, können Sie am Bootprompt eigene Bootparameter einfügen. Drücken Sie Esc und verlassen Sie den Splash-Screen, können Sie nach der Eingabe von e (für engl. edit) einzelne Menü-Einträge direkt bearbeiten. Änderungen, die Sie auf diese Weise vornehmen, gelten nur für diesen einen Bootvorgang und werden nicht dauerhaft übernommen.

[Important]Tastaturbelegung während des Bootens

Bitte beachten Sie, dass beim Booten nur die US-amerikanische Tastaturbelegung verfügbar ist. Achten Sie auf die vertauschten Sonderzeichen.

Nach dem Aktivieren des Bearbeitungsmodus wählen Sie mittels der Pfeiltasten den Menü-Eintrag, dessen Konfiguration Sie verändern wollen. Um die Konfiguration editierbar zu machen, geben Sie ein weiteres Mal e ein. Nun können Sie beispielsweise falsche Partitions- oder Pfadangaben korrigieren, bevor diese sich negativ auf den Bootprozess auswirken. Mit Enter verlassen Sie den Bearbeitungsmodus, kehren ins Menü zurück und booten diesen Eintrag mit b. Im Hilfetext am unteren Rand werden weitere Handlungsmöglichkeiten angezeigt.

Möchten Sie geänderte Bootoptionen dauerhaft eintragen und an den Kernel weiterreichen, öffnen Sie als Benutzer root die Datei menu.lst und hängen die zusätzlichen Kernelparameter durch ein Leerzeichen getrennt an die bestehende Zeile an:

title linux 
  kernel (hd0,0)/vmlinuz root=/dev/hda3 zusatz-parameter
  initrd (hd0,0)/initrd

GRUB übernimmt den neuen Parameter beim nächsten Booten automatisch. Alternativ können Sie für diese Änderung auch das YaST-Bootloadermodul aufrufen. Auch hier wird der neue Parameter lediglich durch ein Leerzeichen getrennt an die bestehende Zeile angehängt.

8.3.1.4. Benutzung von Platzhaltern zur Auswahl des Boot-Kernels

Besonders wenn Sie eigene Kernel entwickeln oder benutzen, müssen Sie die Einträge in menu.lst ändern oder die Befehlszeile bearbeiten, um den Namen des aktuellen Kernels und der initrd-Datei anzugeben. Dieser Vorgang kann vereinfacht werden, indem zur dynamischen Aktualisierung von GRUBs Kernel-Liste Platzhalter benutzt werden. Sämtliche Kernel-Images, die einem bestimmten Muster entsprechen, werden dann der Liste bootbarer Images hinzugefügt. Für diese Funktion wird kein Support angeboten.

Aktivieren Sie die Platzhalterfunktion, indem Sie in menu.lst einen zusätzlichen Eintrag hinzufügen. Um brauchbar zu sein, benötigen alle Kernel- und initrd-Images einen gemeinsamen Basisnamen und eine Kennung, die den Kernel der entsprechenden initrd zuordnen. Beispiel:

initrd-default
initrd-test
vmlinuz-default
vmlinuz-test

In diesem Fall können beide Boot-Images einer GRUB-Konfiguration hinzugefügt werden. configuration. Um die Menüeinträge linux-default und linux-test zu erhalten, wäre der folgende Eintrag in menu.lst erforderlich:

title linux-*
  wildcard (hd0,4)/vmlinuz-*
  kernel (hd0,4)/vmlinuz-* root=/dev/hda7 vga=791 
  initrd (hd0,4)/initrd-*

In diesem Beispiel durchsucht GRUB die Partition (hd0,4) nach Einträgen, die dem Platzhalter entsprechen. Anhand dieser Einträge werden neue GRUB-Menüeinträge generiert. Im obigen Beispiel würde GRUB sich verhalten, als ob die folgenden Einträge in menu.lst existierten:

title linux-default
  wildcard (hd0,4)/vmlinuz-default
  kernel (hd0,4)/vmlinuz-default root=/dev/hda7 vga=791 
  initrd (hd0,4)/initrd-default 

title linux-test
  wildcard (hd0,4)/vmlinuz-test
  kernel (hd0,4)/vmlinuz-test root=/dev/hda7 vga=791 
  initrd (hd0,4)/initrd-test

Probleme können bei dieser Konfiguration auftreten, wenn Dateinamen nicht konsistent vergeben werden oder falls eine der erweiterten Dateien (z.B. ein initrd-Image) fehlt.

8.3.2. Die Datei device.map

Die schon erwähnte Datei device.map enthält die Zuordnungen von GRUB-Gerätenamen zu Linux-Gerätenamen. Sollten Sie ein Mischsystem aus IDE- und SCSI-Festplatten haben, muss GRUB anhand eines bestimmten Verfahrens versuchen, die Bootreihenfolge zu ermitteln. Die BIOS-Informationen zur Bootreihenfolge sind GRUB nicht zugänglich. Das Ergebnis dieser Überprüfung speichert GRUB unter /boot/grub/device.map ab. Wenn die Bootreihenfolge laut BIOS auf IDE vor SCSI eingestellt ist, kann die Datei device.map zum Beispiel so aussehen:

(fd0)  /dev/fd0
(hd0)  /dev/hda
(hd1)  /dev/sda

Da die Reihenfolge von IDE-, SCSI- und anderen Festplatten abhängig von verschiedenen Faktoren ist und Linux die Zuordnung nicht erkennen kann, besteht die Möglichkeit, die Reihenfolge in der device.map manuell festzulegen. Sollten Sie Probleme beim Booten haben, kontrollieren Sie, ob die Reihenfolge in dieser Datei der BIOS-Reihenfolge entspricht. Wenn nötig, ändern Sie die Reihenfolge zunächst mit Hilfe der GRUB-Shell (siehe Abschnitt 8.3.4, „Die GRUB-Shell“). Ist das Linux-System erst gebootet, können Sie die Datei device.map mit Hilfe des YaST-Bootloadermoduls oder eines Editors Ihrer Wahl dauerhaft abändern.

Nach manuellen Änderungen der device.map-Datei rufen Sie den unten stehenden Befehl auf, um GRUB neu zu installieren. Hierbei wird device.map neu eingelesen und die in grub.conf enthaltenen Befehle ausgeführt:

 
grub --batch < /etc/grub.conf

8.3.3. Die Datei /etc/grub.conf

Die dritte wichtige Konfigurationsdatei von GRUB neben menu.lst und device.map ist /etc/grub.conf. Hier werden die Parameter und Optionen aufgeführt, die der Befehl grub benötigt, um den Bootloader korrekt zu installieren:

root (hd0,4) 
install /grub/stage1 d (hd0) /grub/stage2 0x8000 (hd0,4)/grub/menu.lst 
quit

Die Bedeutung der einzelnen Einträge im Detail:

root (hd0,4)

Mit diesem Befehl wird GRUB angewiesen, sich bei den folgenden Befehlen auf die erste logische Partition der ersten Festplatte zu beziehen, wo sich die Bootdateien befinden.

install parameter

Der Befehl grub soll mit dem install-Parameter gestartet werden. stage1 als erste Stufe des Bootloaders soll in den MBR der ersten Festplatte installiert werden (/grub/stage1 d (hd0)). stage2 soll in die Speicheradresse 0x8000 geladen werden (/grub/stage2 0x8000). Der letzte Eintrag (hd0,4)/grub/menu.lst informiert grub darüber, wo die Menüdatei zu finden ist.

8.3.4. Die GRUB-Shell

GRUB existiert in zwei Versionen. Einmal als Bootloader und einmal als normales Linux-Programm unter /usr/sbin/grub. Dieses Programm wird als GRUB-Shell bezeichnet. Die Funktionalität, GRUB als Bootloader auf eine Festplatte oder Diskette zu installieren, ist direkt in GRUB integriert in Form der Kommandos install oder setup. Damit ist sie in der GRUB-Shell verfügbar, wenn Linux geladen ist.

Die Befehle setup und install sind aber auch schon während des Bootvorgangs verfügbar, ohne dass Linux dazu laufen müsste. Dadurch vereinfacht sich die Rettung eines defekten (nicht mehr bootfähigen) Systems, da eine fehlerhafte Konfigurationsdatei des Bootloaders durch die manuelle Eingabe von Parametern umgangen werden kann. Die manuelle Angabe von Parametern zum Bootzeitpunkt eignet sich außerdem zum Testen neuer Einstellungen, wenn das installierte System nicht beeinträchtigt werden soll. Geben Sie einfach den experimentellen Konfigurationsbefehl mit ähnlicher Syntax wie in menu.lst ein. Damit können Sie die Funktionalität dieses Eintrags testen, ohne die bestehende Konfigurationsdatei zu ändern. Wenn Sie beispielsweise einen neuen Kernel testen wollen, übergeben Sie den kernel-Befehl samt Pfadangabe zum alternativen Kernel. Schlägt der Bootvorgang fehl, greifen Sie beim nächsten Booten einfach auf die weiterhin intakte menu.lst zurück. Die Kommandozeile eignet sich umgekehrt auch zum Booten bei einer fehlerhaften menu.lst, indem man das System durch manuell eingegebene, korrigierte Parameter startet. Im laufenden System tragen Sie diese Parameter nun wieder in Ihre menu.lst ein. Damit ist das System wieder dauerhaft bootfähig.

Nur wenn die GRUB-Shell als Linux-Programm läuft (aufzurufen mit grub wie beispielsweise unter Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“ beschrieben), kommt der Zuordnungsalgorithmus von GRUB- und Linux-Gerätenamen ins Spiel. Das Programm liest hierzu die Datei device.map. Mehr dazu in Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“.

8.3.5. Bootpasswort setzen

GRUB unterstützt schon zum Bootzeitpunkt den Zugriff auf Dateisysteme, das heißt, es können auch solche Dateien Ihres Linux-Systems eingesehen werden, zu denen Benutzer ohne root-Rechte im einmal gestarteten System keinen Zugriff hätten. Durch Vergabe eines Bootpassworts können Sie einen derartigen Dateisystemzugriff zur Bootzeit für Unbefugte sperren oder auch das Booten bestimmter Betriebssysteme für die Benutzer unterbinden.

Zur Vergabe eines Bootpassworts gehen Sie als Benutzer root folgendermaßen vor:

  1. Geben Sie am root-Prompt grub ein.

  2. Verschlüsseln Sie in der GRUB-Shell das Passwort:

    grub> md5crypt 
    Password: **** 
    Encrypted:
    $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/
  3. Fügen Sie die verschlüsselte Zeichenkette in den globalen Abschnitt der Datei menu.lst ein:

    gfxmenu (hd0,4)/message 
    color white/blue black/light-gray 
    default 0
    timeout 8 
    password --md5 $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/

    Von jetzt an können GRUB-Befehle am Bootprompt nur noch eingegeben werden, nachdem man p und danach das Passwort eingegeben hat. Das Starten eines Betriebssystems aus dem Bootmenü heraus ist weiterhin für alle Benutzer möglich.

  4. Um zusätzlich das Starten einer oder mehrerer Betriebssysteme aus dem Bootmenü zu verhindern, fügen Sie in der Datei menu.lst den Eintrag lock für jeden Abschnitt hinzu, der nicht ohne Passworteingabe starten soll. Im Beispiel sähe dies so aus:

    title linux 
      kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 
      initrd (hd0,4)/initrd 
      lock

    Nach einem Reboot des Systems und der Auswahl des Linux-Eintrags im Bootmenü erscheint zunächst folgende Fehlermeldung:

    Error 32: Must be authenticated

    Drücken Sie Enter, um ins Menü zu gelangen und anschließend p, um einen Prompt für das Passwort zu erhalten. Nach Eingabe des Passworts und Enter bootet das gewünschte Betriebssystem (in diesem Fall Linux).

[Important]Bootpasswort und Splash-Screen

Verwenden Sie ein Bootpasswort für GRUB, steht Ihnen der gewohnte Splash-Screen nicht zur Verfügung.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3