GRUB (engl. Grand Unified Bootloader) besteht aus zwei Stufen. Die erste Stufe (stage1) besteht aus 512 Byte und wird in den MBR oder den Bootsektor einer Plattenpartition oder Diskette geschrieben. Die zweite, größere Stufe (stage2) wird im Anschluss daran geladen und enthält den eigentlichen Programmcode. Einzige Aufgabe der ersten Stufe ist bei GRUB, die zweite Stufe des Bootloaders zu laden.
stage2 kann auf Dateisysteme zugreifen. Derzeit werden Ext2, Ext3,
ReiserFS, Minix und das von Windows verwendete DOS FAT unterstützt. Mit
Einschränkungen werden JFS, XFS und auch das von BSD-Systemen verwendete
UFS/FFS unterstützt. Ab der Version 0.95 ist GRUB auch in der Lage,
gemäß der „El Torito“-Spezifikation von einer CD oder DVD
mit einem Standarddateisystem nach ISO 9660 zu booten. GRUB kann noch
vor dem Booten auf Dateisysteme unterstützter BIOS-Disk-Devices
(Diskette, Festplatten, CD- oder DVD-Laufwerke) zugreifen, weshalb
Änderungen an der GRUB-Konfigurationsdatei
(menu.lst) keine Neuinstallation des Bootmanagers
erfordern. Beim Booten liest GRUB die Menüdatei samt der aktuellen
Pfade und Partitionsangaben zum Kernel oder zur initialen Ramdisk
(initrd) neu ein und findet diese Dateien selbständig.
Zur eigentlichen Konfiguration von GRUB werden drei Dateien benötigt, auf die in den folgenden Abschnitten näher eingegangen wird:
/boot/grub/menu.lstDiese Datei enthält alle Angaben zu Partitionen oder Betriebssystemen, die mit Hilfe von GRUB gebootet werden können. Ohne diese Angaben ist die Übergabe der Systemkontrolle an das Betriebssystem nicht möglich.
/boot/grub/device.mapDiese Datei „übersetzt“ die Gerätenamen von der GRUB/BIOS-Notation in die Linux-Gerätenamen.
/etc/grub.confIn dieser Datei werden die Parameter und Optionen aufgeführt, die die GRUB-Shell benötigt, um den Bootloader korrekt zu installieren.
GRUB lässt sich auf verschiedene Art steuern. Booteinträge aus einer
bereits existierenden Konfiguration werden über das grafische Menü
(Splash-Screen) ausgewählt. Die Konfiguration wird aus der
Datei menu.lst ausgelesen.
Alle Bootparameter können bei GRUB noch vor dem Booten
geändert werden. Wurde zum Beispiel beim Bearbeiten der Menüdatei ein
Fehler gemacht, kann er auf diese Weise umgangen werden. Darüber hinaus
können Boot-Kommandos interaktiv über eine Art von Eingabeaufforderung
eingegeben werden (siehe
Abschnitt 8.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“). GRUB bietet die
Möglichkeit, noch vor dem Booten die Lage von Kernel und
initrd zu ermitteln. So booten Sie gegebenenfalls
ein zusätzlich installiertes Betriebssystem, für das Sie noch keinen
Eintrag in die Bootloaderkonfiguration eingefügt haben.
Schließlich existiert mit der GRUB-Shell eine Emulation von GRUB im installierten System selbst. Die GRUB-Shell kann dazu verwendet werden, um GRUB zu installieren oder um neue Einstellungen zu testen, bevor man sich darauf festlegt (siehe Abschnitt 8.3.4, „Die GRUB-Shell“).
Hinter dem grafischen Splash-Screen mit dem Bootmenü steht die
GRUB-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst,
die alle Informationen zu allen Partitionen oder Betriebssystemen
enthält, die mit Hilfe des Menüs gebootet werden können.
GRUB liest bei jedem Systemstart die Menüdatei vom Dateisystem neu ein. Es besteht also keine Notwendigkeit, GRUB nach jeder erfolgten Änderung an der Datei neu zu installieren. Für Änderungen der GRUB-Konfiguration können Sie das Bootloader-Modul von YaST verwenden (siehe Abschnitt 8.4, „Bootloader-Konfiguration mit YaST“).
Die Menüdatei enthält Befehle. Die Syntax ist sehr einfach. Jede Zeile
enthält einen Befehl, gefolgt von optionalen Parametern, die wie bei
der Shell durch Leerzeichen getrennt werden. Einige Befehle erlauben
aus historischen Gründen ein Gleichheitszeichen vor dem ersten
Parameter. Kommentare werden durch ein Rautenzeichen
(#) eingeleitet.
Zur Kennzeichnung der Menüeinträge in der Menü-Übersicht müssen Sie für
jeden Eintrag einen Namen oder einen title vergeben.
Der nach dem Schlüsselwort title stehende Text wird
inklusive Leerzeichen im Menü als selektierbare Option angezeigt. Alle
Befehle bis zum nächsten title werden nach Auswahl
dieses Menüeintrages ausgeführt.
Einfachster Fall ist das Verzweigen zu Bootloadern anderer
Betriebssysteme. Der Befehl lautet chainloader und
das Argument ist normalerweise der Boot-Block einer anderen Partition
in GRUBs Block-Notation, zum Beispiel:
chainloader (hd0,3)+1
Die Gerätenamen unter GRUB werden in Abschnitt 8.3.1.1, „Namenskonventionen für Festplatten und Partitionen“ erklärt. Obiges Beispiel spezifiziert den ersten Block der vierten Partition auf der ersten Festplatte.
Mit dem Befehl kernel wird ein Kernel-Image
spezifiziert. Das erste Argument ist der Pfad zum Kernel-Image auf
einer Partition. Die restlichen Argumente werden dem Kernel auf der
Kommandozeile übergeben.
Wenn der Kernel nicht die erforderlichen Treiber für den Zugriff auf
die root-Partition einkompiliert hat, dann muss
initrd angegeben werden. Hierbei handelt es sich um
einen separaten GRUB-Befehl, der den Pfad zur
initrd-Datei als einziges Argument hat. Da die
Ladeadresse der initrd in das bereits geladene
Kernel-Image geschrieben wird, muss der Befehl
initrd auf den kernel-Befehl
folgen.
Der Befehl root vereinfacht die Spezifikation der
Kernel- und initrd-Dateien.
root hat als einziges Argument entweder eine
GRUB-Gerät oder eine Partition auf einem solchen. Allen Kernel-,
initrd- oder anderen Dateipfaden, bei denen nicht
explizit ein Gerät angegeben ist, wird bis zum nächsten
root-Befehl dieses Gerät vorangestellt. In einer
menu.lst-Datei, die während der Installation
generiert wurde, kommt dieser Befehl nicht vor. Er dient der
Vereinfachung beim manuellen Bearbeiten.
Am Ende jedes Menü-Eintrags steht implizit das
boot-Kommando, so dass dieses nicht unbedingt in die
Menüdatei geschrieben werden muss. Sollten Sie jedoch in die Situation
kommen, GRUB interaktiv zum Booten zu benutzen, müssen Sie am Ende
das boot-Kommando eingeben. boot
hat keine Argumente, es führt lediglich das geladene Kernel-Image oder
den angegebenen Chainloader aus.
Wenn Sie alle Menü-Einträge geschrieben haben, müssen Sie
einen Eintrag als default festlegen. Andernfalls
wird der erste (Eintrag 0) verwendet. Sie haben auch
die Möglichkeit, mittels timeout eine Zeitspanne in
Sekunden anzugeben, nach dem der default-Eintrag
gebootet werden soll. timeout und
default werden üblicherweise vor die Menüeinträge
geschrieben. Eine Beispieldatei samt Erläuterung finden Sie in Abschnitt 8.3.1.2, „Beispiel einer Menü-Datei“.
GRUB verwendet für die Bezeichnung von Festplatten und Partitionen
andere Konventionen, als sie für Linux-Gerätebezeichnungen üblich
sind. Bei GRUB beginnt die Zählung der Partitionen bei Null.
Demzufolge bezeichnet (hd0,0) die erste
Partition auf der ersten Festplatte. Bei einem gewöhnlichen
Desktop-Rechner mit einer Platte, die als Primary Master
angeschlossen ist, lautet der entsprechende Linux-Gerätename dagegen
/dev/hda1.
Die vier möglichen primären Partitionen belegen die Partitionsnummern
0 bis 3. Ab
4 werden die logischen Partitionen hochgezählt:
(hd0,0) erste primäre Partition auf der ersten Festplatte (hd0,1) zweite primäre Partition (hd0,2) dritte primäre Partition (hd0,3) vierte primäre (und meist die erweiterte) Partition (hd0,4) erste logische Partition (hd0,5) zweite logische Partition
GRUB unterscheidet nicht zwischen IDE-, SCSI- oder RAID-Geräten. Alle Festplatten, die vom BIOS oder weiteren Controllern erkannt werden, werden der im BIOS voreingestellten Bootreihenfolge entsprechend durchgezählt.
GRUB kann leider die BIOS-Gerätenamen nicht
eindeutig den Linux-Gerätenamen zuordnen. Stattdessen wird die
Zuordnung mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus erzeugt und in der
Datei device.map abgespeichert, die man
bearbeiten kann. Mehr Informationen zur Datei
device.map finden Sie in
Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“.
Ein kompletter GRUB-Pfad besteht aus einem Gerätenamen, der in Klammern geschrieben wird, sowie dem Pfad der Datei in dem Dateisystem auf der angegebenen Partition. Der Pfad wird durch einen Schrägstrich eingeleitet. Zum Beispiel könnte auf einem System mit einer einzelnen IDE-Festplatte und Linux auf der ersten Partition der Eintrag für den zu bootenden Kernel wie folgt aussehen:
(hd0,0)/boot/vmlinuz
Im Folgenden soll der Aufbau der GRUB-Menüdatei durch ein
Beispiel illustriert werden. Das dabei angenommene System umfasst
eine Linux-Bootpartition unter /dev/hda5, eine
Root-Partition unter /dev/hda7 und eine
Windows-Installation unter /dev/hda1.
gfxmenu (hd0,4)/message color white/blue black/light-gray default 0 timeout 8 title linux kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd title windows chainloader(hd0,0)+1 title floppy chainloader(fd0)+1 title failsafe kernel (hd0,4)/vmlinuz.shipped root=/dev/hda7 ide=nodma \ apm=off acpi=off vga=normal nosmp maxcpus=0 3 initrd (hd0,4)/initrd.shipped
Der erste Teil definiert die Konfiguration des Splash-Screens:
Das Hintergrundbild liegt auf /dev/hda5
und trägt den Namen message.
Das Farbschema: weiß (Vordergrund), blau (Hintergrund), schwarz (Auswahl) und hellgrau (Hintergrund der Auswahl). Dieses Farbschema wirkt sich nicht auf den Splash-Screen aus, sondern nur auf das änderbare GRUB-Menü, in das Sie gelangen, wenn Sie den Splash-Screen mit Esc verlassen.
Der erste Menüeintrag, also title linux,
soll standardmäßig gebootet werden.
Nach acht Sekunden ohne Benutzerfeedback bootet GRUB automatisch den oben genannten Standard-Eintrag.
Der zweite und größere Teil listet die verschiedenen Betriebssysteme
auf, die gebootet werden können. Die Abschnitte für die einzelnen
Betriebssysteme werden jeweils mit title
eingeleitet.
Der erste Eintrag (title linux) ist für das
Booten von SUSE LINUX zuständig. Der Kernel
(vmlinuz) liegt auf der ersten Festplatte in
der ersten logischen Partition (hier der Bootpartition).
Kernelparameter wie zum Beispiel die Angabe der Root-Partition,
des VGA-Modus etc. werden hier angehängt. Die Angabe der
Root-Partition erfolgt nach dem Linux-Schema
(/dev/hda7/) da diese Information für den
Kernel bestimmt ist und nichts mit GRUB zu tun hat. Die
initrd liegt ebenfalls in der ersten logischen
Partition der ersten Festplatte.
Der zweite Eintrag ist für das Laden von Windows zuständig.
Windows wird von der ersten Partition der ersten Festplatte aus
gestartet (hd0,0). Mittels
chainloader +1 wird das Auslesen und Ausführen
des ersten Sektors der angegebenen Partition veranlasst.
Der nächste Abschnitt dient dazu, das Booten von Diskette zu ermöglichen, ohne dass dazu das BIOS umgestellt werden müsste.
Der Eintrag failsafe dient dazu, Linux mit
einer bestimmten Auswahl an Kernelparametern zu starten, die
selbst auf problematischen Systemen ein Hochfahren von Linux
ermöglichen.
Die Menüdatei kann jederzeit geändert werden und wird von GRUB automatisch beim nächsten Booten übernommen. Sie können diese Datei mit YaST oder einem Editor Ihrer Wahl permanent editieren. Alternativ können Sie temporäre Änderungen interaktiv über die Bearbeitungsfunktion von GRUB vornehmen. Siehe Abschnitt 8.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“.
Aus dem grafischen Bootmenü von GRUB können Sie mittels der Pfeiltasten auswählen, welches der verfügbaren Betriebssysteme gestartet werden soll. Wählen Sie ein Linux-System, können Sie am Bootprompt eigene Bootparameter einfügen. Drücken Sie Esc und verlassen Sie den Splash-Screen, können Sie nach der Eingabe von e (für engl. edit) einzelne Menü-Einträge direkt bearbeiten. Änderungen, die Sie auf diese Weise vornehmen, gelten nur für diesen einen Bootvorgang und werden nicht dauerhaft übernommen.
![]() | Tastaturbelegung während des Bootens |
|---|---|
Bitte beachten Sie, dass beim Booten nur die US-amerikanische Tastaturbelegung verfügbar ist. Achten Sie auf die vertauschten Sonderzeichen. | |
Nach dem Aktivieren des Bearbeitungsmodus wählen Sie mittels der Pfeiltasten den Menü-Eintrag, dessen Konfiguration Sie verändern wollen. Um die Konfiguration editierbar zu machen, geben Sie ein weiteres Mal e ein. Nun können Sie beispielsweise falsche Partitions- oder Pfadangaben korrigieren, bevor diese sich negativ auf den Bootprozess auswirken. Mit Enter verlassen Sie den Bearbeitungsmodus, kehren ins Menü zurück und booten diesen Eintrag mit b. Im Hilfetext am unteren Rand werden weitere Handlungsmöglichkeiten angezeigt.
Möchten Sie geänderte Bootoptionen dauerhaft eintragen und an den
Kernel weiterreichen, öffnen Sie als Benutzer root
die Datei menu.lst und hängen die zusätzlichen
Kernelparameter durch ein Leerzeichen getrennt an die bestehende
Zeile an:
title linux kernel (hd0,0)/vmlinuz root=/dev/hda3 zusatz-parameter initrd (hd0,0)/initrd
GRUB übernimmt den neuen Parameter beim nächsten Booten automatisch. Alternativ können Sie für diese Änderung auch das YaST-Bootloadermodul aufrufen. Auch hier wird der neue Parameter lediglich durch ein Leerzeichen getrennt an die bestehende Zeile angehängt.
Besonders wenn Sie eigene Kernel entwickeln oder benutzen,
müssen Sie die Einträge in menu.lst
ändern oder die Befehlszeile bearbeiten, um den Namen
des aktuellen Kernels und der initrd-Datei anzugeben.
Dieser Vorgang kann vereinfacht werden, indem zur
dynamischen Aktualisierung von GRUBs Kernel-Liste
Platzhalter benutzt werden. Sämtliche
Kernel-Images, die einem bestimmten Muster entsprechen,
werden dann der Liste bootbarer Images hinzugefügt.
Für diese Funktion wird kein Support angeboten.
Aktivieren Sie die Platzhalterfunktion, indem
Sie in menu.lst einen zusätzlichen
Eintrag hinzufügen. Um brauchbar zu sein, benötigen
alle Kernel- und initrd-Images einen gemeinsamen
Basisnamen und eine Kennung, die den Kernel der
entsprechenden initrd zuordnen. Beispiel:
initrd-default initrd-test vmlinuz-default vmlinuz-test
In diesem Fall können beide Boot-Images einer
GRUB-Konfiguration hinzugefügt werden.
configuration. Um die Menüeinträge
linux-default und
linux-test zu erhalten, wäre
der folgende Eintrag in
menu.lst erforderlich:
title linux-* wildcard (hd0,4)/vmlinuz-* kernel (hd0,4)/vmlinuz-* root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-*
In diesem Beispiel durchsucht GRUB die
Partition (hd0,4) nach Einträgen, die
dem Platzhalter entsprechen. Anhand dieser
Einträge werden neue GRUB-Menüeinträge generiert.
Im obigen Beispiel würde GRUB sich verhalten,
als ob die folgenden Einträge in
menu.lst existierten:
title linux-default wildcard (hd0,4)/vmlinuz-default kernel (hd0,4)/vmlinuz-default root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-default title linux-test wildcard (hd0,4)/vmlinuz-test kernel (hd0,4)/vmlinuz-test root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-test
Probleme können bei dieser Konfiguration auftreten, wenn Dateinamen nicht konsistent vergeben werden oder falls eine der erweiterten Dateien (z.B. ein initrd-Image) fehlt.
Die schon erwähnte Datei device.map enthält die
Zuordnungen von GRUB-Gerätenamen zu Linux-Gerätenamen. Sollten Sie
ein Mischsystem aus IDE- und SCSI-Festplatten haben, muss GRUB anhand
eines bestimmten Verfahrens versuchen, die Bootreihenfolge zu
ermitteln. Die BIOS-Informationen zur Bootreihenfolge sind GRUB nicht
zugänglich. Das Ergebnis dieser Überprüfung speichert GRUB unter
/boot/grub/device.map ab. Wenn die Bootreihenfolge
laut BIOS auf IDE vor SCSI eingestellt ist, kann die Datei
device.map zum Beispiel so aussehen:
(fd0) /dev/fd0 (hd0) /dev/hda (hd1) /dev/sda
Da die Reihenfolge von IDE-, SCSI- und anderen Festplatten
abhängig von verschiedenen Faktoren ist und Linux die Zuordnung nicht
erkennen kann, besteht die Möglichkeit, die Reihenfolge in der
device.map manuell festzulegen. Sollten Sie
Probleme beim Booten haben, kontrollieren Sie, ob die Reihenfolge in
dieser Datei der BIOS-Reihenfolge entspricht. Wenn nötig, ändern Sie
die Reihenfolge zunächst mit Hilfe der GRUB-Shell (siehe Abschnitt 8.3.4, „Die GRUB-Shell“). Ist das Linux-System
erst gebootet, können Sie die Datei device.map
mit Hilfe des YaST-Bootloadermoduls oder eines Editors Ihrer Wahl
dauerhaft abändern.
Nach manuellen Änderungen der device.map-Datei
rufen Sie den unten stehenden Befehl auf, um GRUB neu zu
installieren. Hierbei wird device.map neu
eingelesen und die in grub.conf enthaltenen
Befehle ausgeführt:
grub --batch < /etc/grub.conf
Die dritte wichtige Konfigurationsdatei von GRUB neben
menu.lst und device.map ist
/etc/grub.conf. Hier werden die Parameter und
Optionen aufgeführt, die der Befehl grub benötigt,
um den Bootloader korrekt zu installieren:
root (hd0,4) install /grub/stage1 d (hd0) /grub/stage2 0x8000 (hd0,4)/grub/menu.lst quit
Die Bedeutung der einzelnen Einträge im Detail:
Mit diesem Befehl wird GRUB angewiesen, sich bei den folgenden Befehlen auf die erste logische Partition der ersten Festplatte zu beziehen, wo sich die Bootdateien befinden.
parameter Der Befehl grub soll mit dem
install-Parameter gestartet werden.
stage1 als erste Stufe des Bootloaders soll
in den MBR der ersten Festplatte installiert werden
(/grub/stage1 d (hd0)).
stage2 soll in die Speicheradresse 0x8000
geladen werden (/grub/stage2 0x8000). Der
letzte Eintrag (hd0,4)/grub/menu.lst
informiert grub darüber, wo die Menüdatei zu
finden ist.
GRUB existiert in zwei Versionen. Einmal als Bootloader und einmal
als normales Linux-Programm unter /usr/sbin/grub.
Dieses Programm wird als GRUB-Shell bezeichnet.
Die Funktionalität, GRUB als Bootloader auf eine Festplatte oder
Diskette zu installieren, ist direkt in GRUB integriert in Form der
Kommandos install oder setup.
Damit ist sie in der GRUB-Shell verfügbar, wenn Linux geladen ist.
Die Befehle setup und install
sind aber auch schon während des Bootvorgangs verfügbar, ohne dass
Linux dazu laufen müsste. Dadurch vereinfacht sich die Rettung eines
defekten (nicht mehr bootfähigen) Systems, da eine fehlerhafte
Konfigurationsdatei des Bootloaders durch die manuelle Eingabe von
Parametern umgangen werden kann. Die manuelle Angabe von Parametern zum
Bootzeitpunkt eignet sich außerdem zum Testen neuer Einstellungen, wenn
das installierte System nicht beeinträchtigt werden soll. Geben Sie
einfach den experimentellen Konfigurationsbefehl mit ähnlicher Syntax
wie in menu.lst ein. Damit können Sie die
Funktionalität dieses Eintrags testen, ohne die bestehende
Konfigurationsdatei zu ändern. Wenn Sie beispielsweise einen neuen
Kernel testen wollen, übergeben Sie den
kernel-Befehl samt Pfadangabe zum alternativen
Kernel. Schlägt der Bootvorgang fehl, greifen Sie beim nächsten Booten
einfach auf die weiterhin intakte menu.lst zurück.
Die Kommandozeile eignet sich umgekehrt auch zum Booten bei einer
fehlerhaften menu.lst, indem man das System durch
manuell eingegebene, korrigierte Parameter startet. Im laufenden System
tragen Sie diese Parameter nun wieder in Ihre
menu.lst ein. Damit ist das System wieder
dauerhaft bootfähig.
Nur wenn die GRUB-Shell als Linux-Programm läuft
(aufzurufen mit grub wie beispielsweise unter Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“ beschrieben), kommt der
Zuordnungsalgorithmus von GRUB- und Linux-Gerätenamen ins Spiel. Das
Programm liest hierzu die Datei device.map. Mehr
dazu in Abschnitt 8.3.2, „Die Datei device.map“.
GRUB unterstützt schon zum Bootzeitpunkt den Zugriff auf
Dateisysteme, das heißt, es können auch solche Dateien Ihres
Linux-Systems eingesehen werden, zu denen Benutzer ohne
root-Rechte im einmal gestarteten System keinen
Zugriff hätten. Durch Vergabe eines Bootpassworts können Sie einen
derartigen Dateisystemzugriff zur Bootzeit für Unbefugte sperren oder
auch das Booten bestimmter Betriebssysteme für die Benutzer
unterbinden.
Zur Vergabe eines Bootpassworts gehen Sie als Benutzer
root folgendermaßen vor:
Geben Sie am root-Prompt grub
ein.
Verschlüsseln Sie in der GRUB-Shell das Passwort:
grub> md5crypt Password: **** Encrypted: $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/
Fügen Sie die verschlüsselte Zeichenkette in den globalen Abschnitt
der Datei menu.lst ein:
gfxmenu (hd0,4)/message color white/blue black/light-gray default 0 timeout 8 password --md5 $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/
Von jetzt an können GRUB-Befehle am Bootprompt nur noch eingegeben werden, nachdem man p und danach das Passwort eingegeben hat. Das Starten eines Betriebssystems aus dem Bootmenü heraus ist weiterhin für alle Benutzer möglich.
Um zusätzlich das Starten einer oder mehrerer Betriebssysteme aus
dem Bootmenü zu verhindern, fügen Sie in der Datei
menu.lst den Eintrag lock
für jeden Abschnitt hinzu, der nicht ohne Passworteingabe starten
soll. Im Beispiel sähe dies so aus:
title linux kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd lock
Nach einem Reboot des Systems und der Auswahl des Linux-Eintrags im Bootmenü erscheint zunächst folgende Fehlermeldung:
Error 32: Must be authenticated
Drücken Sie Enter, um ins Menü zu gelangen und anschließend p, um einen Prompt für das Passwort zu erhalten. Nach Eingabe des Passworts und Enter bootet das gewünschte Betriebssystem (in diesem Fall Linux).
![]() | Bootpasswort und Splash-Screen |
|---|---|
Verwenden Sie ein Bootpasswort für GRUB, steht Ihnen der gewohnte Splash-Screen nicht zur Verfügung. | |