7.3. Die Runlevel

Unter Linux existieren verschiedene Runlevels, die bestimmen, wie das System gestartet wird und welche Dienste im laufenden System verfügbar sind. Der Standard-Runlevel, in dem das System beim Booten hochfährt, ist in der Datei /etc/inittab durch den Eintrag initdefault festgelegt. Für gewöhnlich ist dies 3 oder 5 (siehe Übersicht in Tabelle 7.1, „Verfügbare Runlevel“). Man kann den gewünschten Runlevel jedoch auch beim Booten (zum Beispiel am Boot-Prompt) angegeben; der Kernel reicht die Parameter, die er nicht selbst auswertet, unverändert an den init-Prozess weiter.

Um zu einem späteren Zeitpunkt in einen anderen Runlevel zu wechseln, kann man init mit der Nummer des zugehörigen Runlevels aufrufen; dieser Wechsel kann jedoch nur vom Systemadministrator veranlasst werden. Beispielsweise gelangt man mit dem Kommando init 1 oder shutdown now in den Einzelbenutzerbetrieb (engl. single user mode), welcher der Pflege und Administration des Systems dient. Nachdem der Systemadministrator seine Arbeit beendet hat, kann er das System wieder in einen höheren Runlevel wechseln lassen, indem er init 3 eingibt. In diesem Runlevel laufen alle für den Betrieb erforderlichen Programme, Benutzer können sich anmelden und am System arbeiten, jedoch ohne das X Window System. Um eine graphische Benutzerumgebung wie GNOME, KDE oder einen Fenstermanager zu verwenden, muss man dagegen init 5 eingeben. Mit init 0 oder shutdown -h now kann das System angehalten werden. Mit init 6 oder shutdown -r now kann ein Neustart veranlasst werden.

[Important] Runlevel 2 bei einer mittels NFS gemounteten /usr-Partition

Runlevel 2 sollte auf einem System, dessen /usr-Partition via NFS gemountet ist, nicht verwendet werden. Das /usr/-Verzeichnis enthält wichtige Programme, die zur reibungslosen Funktion des Systems notwendig sind. Da der NFS-Dienst im Runlevel 2 (Lokaler Mehrbenutzerbetrieb ohne entferntes Netzwerk) noch nicht zur Verfügung steht, würde Ihr System nur in einem sehr begrenzten Umfang benutzbar sein.

Tabelle 7.1. Verfügbare Runlevel

Runlevel

Bedeutung

0

Systemhalt (engl. system halt)

S

Einzelbenutzerbetrieb (engl. single user mode); vom Bootprompt aus mit US-Tastaturbelegung

1

Einzelbenutzerbetrieb (engl. single user mode)

2

Lokaler Mehrbenutzerbetrieb ohne entferntes Netzwerk (engl. local multiuser mode without remote network), z.B. NFS

3

Voller Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk (engl. full multiuser mode with network)

4

Nicht belegt (engl. not used)

5

Voller Mehrbenutzerbetrieb mit Netzwerk und X Display Manager (engl. full multiuser mode with network and X display manager) — KDM (Standard), GDM oder XDM

6

Systemneustart (engl. system reboot)

Bei einer Standardinstallation von SUSE LINUX wird normalerweise Runlevel 5 als Standard eingerichtet, so dass sich die Benutzer direkt an der grafischen Oberfläche beim System anmelden können. Wenn bei Ihrem System Runlevel 3 der Standard ist, muss zunächst sichergestellt sein, dass das X Window System korrekt konfiguriert ist (siehe Kapitel 11, Das X Window System), bevor Sie in den Runlevel 5 wechseln können. Ob das System so wie von Ihnen gewünscht funktioniert, testen Sie durch Eingabe von init 5. Ist dies der Fall, können Sie den Standard-Runlevel über YaST auf 5 ändern.

[Warning]Eigene Änderungen an /etc/inittab

Eine fehlerhafte /etc/inittab kann dazu führen, dass das System nicht korrekt hochgefahren wird. Gehen Sie bei Veränderungen in dieser Datei mit äußerster Sorgfalt vor und behalten Sie immer eine Kopie einer intakten Datei. Zur Behebung des Schadens können Sie versuchen, am Bootprompt den Parameter init=/bin/sh zu übergeben, um direkt in eine Shell zu booten und von dort aus die Datei wiederherzustellen. Danach machen Sie Ihr Root-Dateisystem mit dem Befehl mount -o remount,rw / schreibbar und ersetzen mit Hilfe des Befehls cp die Datei /etc/inittab mit Ihrer Sicherungskopie. Um Dateisystemfehler zu vermeiden, ändern Sie Ihr Root-Dateisystem vor dem Neustart auf read only: mount -o remount,ro /.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3