3.5. Tipps und Tricks

Manche Computern haben kein bootfähiges CD-ROM-Laufwerk, aber stattdessen ein Diskettenlaufwerk, das zum Booten verwendet werden kann. Zur Installation auf einem solchen Rechner müssen Sie eine Boot-Diskette erstellen und dann von dieser Diskette booten.

Um mit den bereitgestellten Images vom Diskettenlaufwerk zu booten, benötigen Sie mehrere formatierte 3,5 Zoll-HD-Disketten. Auf der CD 1 im Verzeichnis boot sind einige Disketten-Abbilder (Images) enthalten. Solch ein Image kann mit geeigneten Hilfsprogrammen auf eine Diskette kopiert werden; die Diskette ist dann eine Bootdiskette.

Die Disketten-Images beinhalten außerdem noch den Loader SYSLINUX und das Programm linuxrc. SYSLINUX erlaubt es, während des Bootvorganges den gewünschten Kernel auszuwählen und bei Bedarf Parameter über die verwendete Hardware zu übergeben. Das Programm linuxrc unterstützt Sie beim Laden der Kernelmodule für Ihre spezielle Hardware und startet schließlich die Installation.

3.5.1. Bootdiskette mit rawwritewin erzeugen

Unter Windows steht Ihnen hierfür das grafische Programm rawwritewin zur Verfügung. Sie finden dieses Programm auf CD 1 im Verzeichnis dosutils/rawwritewin.

Nach dem Start müssen Sie die Image-Datei angeben. Die Image-Dateien liegen ebenfalls auf der CD 1 im Verzeichnis boot. Als Minimum benötigen Sie die Images bootdisk und modules1. Um diese im Dateibrowser anzuzeigen, ändern Sie den Dateityp auf all files. Legen Sie danach eine Diskette in Ihr Diskettenlaufwerk ein und klicken Sie auf Write.

Weitere Disketten (mit den Images modules1, modules2, modules3 und modules4) können Sie auf dieselbe Art und Weise erzeugen. Sie werden benötigt, wenn Ihr Rechner über USB- oder SCSI-Geräte bzw. Netzwerk- oder PCMCIA-Karten verfügt, die während der Installation verwendet werden sollen. Eine Modul-Diskette kann auch erforderlich sein, wenn Sie zur Installation auf ein spezielles Dateisystem zugreifen wollen.

3.5.2. Bootdiskette mit rawrite erzeugen

Das DOS-Programm rawrite.exe (CD 1, Verzeichnis dosutils/rawrite kann ebenfalls zum Erstellen der Boot- und Moduldisketten für SUSE verwendet werden. Sie benötigen dazu einen Rechner mit einem DOS (zum Beispiel FreeDOS) oder Windows.

Unter Windows XP gehen Sie dazu wie folgt vor:

  1. Legen Sie die CD 1 von SUSE LINUX ein.

  2. Öffnen Sie ein DOS-Fenster (im Startmenü unter Zubehör+MS-DOS-Eingabeaufforderung).

  3. Starten Sie das Programm rawrite.exe mit der richtigen Pfadangabe für das CD-Laufwerk. Im Beispiel befinden Sie sich auf der Festplatte C: im Verzeichnis Windows und Ihr CD-Laufwerk hat den Buchstaben D:.

    d:\dosutils\rawrite\rawrite
  4. Nach dem Start fragt das Programm nach Quelle (engl. source) und Ziel (engl. destination) der zu kopierenden Datei. Das ist hier die Bootdiskette, deren Image sich auf CD 1 unter boot befindet. Der Dateiname heißt einfach bootdisk. Vergessen Sie auch hier nicht die Pfadangabe für Ihr CD-Laufwerk.

    d:\dosutils\rawrite\rawrite
    RaWrite 1.2 - Write disk file to raw floppy diskette
    
    Enter source filename: d:\boot\bootdisk
    Enter destination drive: a:

Sobald Sie das Ziellaufwerk a: eingegeben haben, fordert Sie rawrite auf, eine formatierte Diskette einzulegen und auf Enter zu drücken. Im weiteren Verlauf wird dann der Fortschritt der Kopieraktion angezeigt. Abbruch ist mit der Tastenkombination Strg-c möglich. Zum Erstellen weiterer solcher Disketten wiederholen Sie die obigen Schritte sinngemäß.

3.5.3. Bootdiskette mit einem UNIX-System erstellen

Auf einem UNIX- oder ein Linux-System benötigen Sie ein CD-ROM-Laufwerk und mehrere formatierte Disketten. Zum Erstellen von Bootdisketten gehen Sie wie folgt vor:

  1. Falls Sie die Disketten noch formatieren müssen:

    fdformat /dev/fd0u1440

    Mit diesem Befehl wird die Diskette auch auf Fehler untersucht. Falls solche Fehler gefunden werden, sollten Sie die Diskette nicht weiter verwenden.

  2. Legen Sie CD 1 ein und wechseln Sie ins Verzeichnis boot auf der CD. Auf einem aktuellen SUSE-System ist dabei kein gesonderter Befehl zum Mounten mehr erforderlich.

    cd /media/cdrom/boot
  3. Erstellen Sie die Bootdiskette mit

    dd if=bootdsk1 of=/dev/fd0 bs=8k
  4. Wiederholen Sie die obigen Schritte sinngemäß für die Images bootdsk2 und bootdsk3.

In der LIESMICH- bzw. der README-Datei im boot-Verzeichnis erfahren Sie Details zu den Diskettenimages; diese Dateien können Sie mit more oder less lesen.

Auf diese Art und Weise können Sie auch die anderen Diskettenimages modules1, modules2, modules3 und modules4 erstellen. Diese werden benötigt, wenn Sie USB- oder SCSI-Geräte bzw. eine Netzwerk- oder PCMCIA-Karte haben und diese während der Installation bereits ansprechen wollen. Eine Moduldiskette wird auch benötigt, wenn Sie ein spezielles Dateisystem bereits während der Installation verwenden wollen.

Die Erzeugung eines eigenen Images für eine Modul-Diskette ist keine einfache Aufgabe. Eine genaue Anleitung dazu finden Sie in der Datei /usr/share/doc/packages/yast2-installation/vendor.html.

3.5.4. Booten von Diskette (SYSLINUX)

Die Bootdiskette kommt immer dann zum Einsatz, wenn besondere Anforderungen zum Zeitpunkt der Installation vorliegen (zum Beispiel wenn kein CD-ROM-Laufwerk verfügbar ist). Der Bootvorgang wird dann vom Bootloader SYSLINUX (Paket syslinux) eingeleitet. SYSLINUX übernimmt dabei die Hardwareerkennung, jedoch in einem sehr begrenzten Umfang. Im Wesentlichen handelt es sich um die folgenden Schritte:

  1. Prüfen, ob das BIOS einen Framebuffer gemäß VESA 2.0 unterstützt und den Kernel entsprechend booten.

  2. Monitordaten (DDC-Info) auslesen.

  3. Den 1. Block von der 1. Festplatte (MBR) lesen, um später bei der Bootloader-Konfiguration die Zuordnung von BIOS-IDs zu Linux-Gerätenamen (engl. Devices) festzulegen. Dabei wird versucht, den Block über die lba32-Funktionen des BIOS zu lesen, um festzustellen, ob das BIOS diese Funktionen unterstützt.

[Tip]Tipp

Wenn Sie beim Start von SYSLINUX Shift gedrückt halten, werden alle diese Schritte übersprungen. Zur Fehlersuche können Sie in die Datei syslinux.cfg die Zeile verbose 1 einfügen; dann teilt der Bootloader mit, welche Aktion jeweils an der Reihe ist.

Falls der Rechner nicht von Diskette bootet, müssen Sie zuvor möglicherweise die Bootreihenfolge im BIOS des Rechners auf A,C,CDROM umstellen.

▪ x86
Auf x86-Systemen ist zusätzlich zur CD 1 auch die zweite CD bootfähig. Während CD 1 über ein bootfähiges ISO-Image arbeitet, wird CD 2 über ein 2.88 MB großes Diskimage gebootet. Verwenden Sie die CD 2 zum Booten jedoch immer nur als Ausweichmöglichkeit, das heißt wenn Sie genau wissen, dass Sie von CD booten können, es jedoch mit CD 1 nicht funktioniert. ▪

3.5.5. Nicht unterstützte CD-ROM-Laufwerke

Generell kann man sagen, dass die meisten CD-ROM-Laufwerke unterstützt werden. Wenn Sie es beim Booten vom CD-ROM-Laufwerk Probleme gibt, dann versuchen Sie, ob die mitgelieferte CD 2 zum Erfolg führt.

Wenn das System weder ein CD-ROM- noch ein Diskettenlaufwerk besitzt, kann es unter Umständen dennoch mittels eines externen CD-ROM-Laufwerks gebootet werden, das über USB, FireWire oder SCSI angeschlossen ist. Allerdings hängt dabei viel davon ab, wie das BIOS mit der Hardware zusammenarbeitet. Eventuell können entsprechende Probleme beseitigt werden, indem man zunächst das BIOS aktualisiert.

3.5.6. Installation von einer Netzwerkquelle

Was tun, wenn eine Standard-Installation via CD-ROM-Laufwerk nicht möglich ist? Ihr CD-ROM-Laufwerk könnte zum Beispiel nicht unterstützt werden, weil es sich um ein älteres proprietäres Laufwerk handelt. Oder Sie haben bei Ihrem Zweitrechner (zum Beispiel ein Laptop) eventuell gar kein CD-ROM-Laufwerk, dafür aber einen Ethernet-Adapter. SUSE LINUX bietet die Möglichkeit, auf einem solchen Rechner ohne CD-ROM-Unterstützung über eine Netzwerkverbindung zu installieren. Zumeist kommen in solchen Fällen NFS oder FTP via Ethernet zum Einsatz.

Für diesen Weg kann kein Installationssupport in Anspruch genommen werden. Nur erfahrene Benutzer sollten ihn beschreiten.

Um SUSE LINUX über eine Quelle im Netzwerk zu installieren, sind zwei Schritte notwendig:

  1. Die zur Installation notwendigen Daten (CDs, DVD) müssen auf einem Rechner verfügbar gemacht werden, der später als Installationsquelle agiert.

  2. Das zu installierende System muss über Diskette, CD oder Netzwerk gebootet werden und das Netzwerk muss konfiguriert werden.

Die Installationsquelle kann über verschiedene Protokolle wie NFS und FTP bereitgestellt werden. Zur eigentlichen Information siehe Abschnitt 3.2.1, „Parameter an linuxrc übergeben“.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3