Kapitel 25. Benutzung von NIS

Inhaltsverzeichnis

25.1. Konfiguration eines NIS Servers
25.2. Konfiguration eines NIS-Clients

Zusammenfassung

Sobald mehrere Unix-Systeme in einem Netzwerk auf gemeinsame Ressourcen zugreifen wollen, muss sichergestellt sein, dass Benutzer- und Gruppenkennungen auf allen Rechnern miteinander harmonieren. Das Netzwerk soll für den Anwender transparent sein. Egal welcher Rechner, der Anwender findet immer die gleiche Umgebung vor. Möglich wird dies durch die Dienste NIS und NFS. NFS dient der Verteilung von Dateisystemen im Netz und wird in Kapitel 26, Dateisysteme mit NFS verteilen beschrieben.

NIS (engl. Network Information Service) kann als Datenbankdienst verstanden werden, der Zugriff auf Informationen aus den Dateien /etc/passwd, /etc/shadow oder /etc/group netzwerkweit ermöglicht. NIS kann auch für weitergehende Aufgaben eingesetzt werden (zum Beispiel für /etc/hosts oder /etc/services). Darauf soll hier jedoch nicht im Detail eingegangen werden. Für NIS wird vielfach synonym der Begriff YP verwendet. Dieser leitet sich ab von den yellow pages, also den gelben Seiten im Netz.

25.1. Konfiguration eines NIS Servers

Zur Konfiguration wählen Sie in YaST Netzwerkdienste und dort NIS-Server. Wenn in Ihrem Netzwerk bisher noch kein NIS-Server existiert, müssen Sie in der nächsten Maske den Punkt NIS Master Server installieren und einrichten aktivieren. Falls Sie schon einen NIS-Server (also einen „Master“) haben, können Sie (beispielsweise wenn Sie ein neues Subnetz einrichten) einen NIS Slave-Server hinzufügen. Zunächst wird die Konfiguration des Master-Servers erläutert.

Falls nicht alle nötigen Pakete installiert sind, wird YaST Sie auffordern, die entsprechende CD oder DVD einzulegen, damit die Pakete automatisch nachinstalliert werden. In der ersten Konfigurationsmaske (Abbildung 25.1, „NIS-Server: Konfigurationstool“) geben Sie oben den Domainnamen ein. In der Checkbox darunter können Sie festlegen, ob der Rechner auch ein NIS-Client werden soll, also ob sich darauf auch Benutzer einloggen können, die dann ebenfalls die Daten vom NIS-Server erhalten.

Abbildung 25.1. NIS-Server: Konfigurationstool

NIS-Server: Konfigurationstool

Wollen Sie zusätzliche NIS-Server („Slave-Server“) in Ihrem Netzwerk einrichten, müssen Sie die Box Aktiver Slave-Server für NIS vorhanden aktivieren. Zusätzlich sollten Sie dann auch die Schnelle Map-Verteilung aktivieren, die bewirkt, dass die Datenbankeinträge sehr schnell vom Master auf die Slave-Server übertragen werden.

Wollen Sie den Nutzern in Ihrem Netzwerk erlauben, dass sie ihre Passwörter ändern können (mit dem Befehl yppasswd, also nicht nur die lokalen, sondern die, die auf dem NIS-Server abgelegt sind), können Sie das hier ebenfalls aktivieren. Dann werden auch die Checkboxen Ändern des GECOS-Eintrags zulassen und Ändern des SHELL-Eintrags zulassen aktiv. „GECOS“ bedeutet, der User kann auch seine Namens- und Adresseinstellungen ändern (mit dem Befehl ypchfn). „SHELL“ heisst, er darf auch seine standardmäßig eingetragene Shell ändern (mit dem Befehl ypchsh, zum Beispiel von bash zu sh).

Durch Klick auf Andere globale Einstellungen gelangen Sie in einen Dialog (Abbildung 25.2, „NIS-Server: Verzeichnis ändern und Dateien synchronisieren“), in dem man das Quellverzeichnis des NIS-Servers (standardmäßig /etc) ändern kann. Zusätzlich kann man hier noch Passwörter und Gruppen zusammenführen. Die Einstellung sollte man auf Ja belassen, damit die jeweiligen Dateien (/etc/passwd und /etc/shadow bzw. /etc/group) aufeinander abgestimmt werden. Zusätzlich kann noch die jeweils kleinste Benutzer- und Gruppenkennummer festgelegt werden. Mit OK bestätigen Sie Ihre Eingaben und gelangen wieder in die vorige Maske zurück. Klicken Sie hier auf Weiter.

Abbildung 25.2. NIS-Server: Verzeichnis ändern und Dateien synchronisieren

NIS-Server: Verzeichnis ändern und Dateien synchronisieren

Haben Sie vorher Aktiver Slave-Server für NIS vorhanden aktiviert, müssen Sie nun die Namen der Rechner angeben, die als Slaves fungieren sollen. Anschließend klicken Sie auf Weiter. Werden keine Slave-Server benutzt, belangen Sie direkt zum Dialog für die Datenbank-Einstellungen. Hier geben Sie die „Maps“ an, das heißt die Teildatenbanken, die vom NIS-Server auf den jeweiligen Client übertragen werden sollen. Die Voreinstellungen hier sind für die meisten Fälle sehr sinnvoll. Daher sollten Sie im Normalfall nichts ändern.

Mit Weiter gelangen Sie in den letzten Dialog. Legen Sie fest, aus welchen Netzwerken Anfragen an den NIS-Server gestellt werden dürfen (Abbildung 25.3, „NIS-Server: Festlegen der Anfrage-Erlaubnis“). Normalerweise wird das Ihr Firmennetzwerk sein. Dann sollten die folgenden beiden Einträge hier stehen:

255.0.0.0 127.0.0.0
0.0.0.0   0.0.0.0

Der erste erlaubt Verbindungen vom eigenen Rechner, der zweite ermöglicht allen Rechnern, die Zugriff auf das Netzwerk haben, Anfragen an den Server.

Abbildung 25.3. NIS-Server: Festlegen der Anfrage-Erlaubnis

NIS-Server: Festlegen der Anfrage-Erlaubnis
[Important]Automatische Firewallkonfiguration

Läuft auf Ihrem System eine Firewall (SuSEfirewall2), passt YaST deren Konfiguration für den NIS-Server an, sobald Sie Firewall-Port öffnen anwählen. YaST schaltet dann den Dienst portmap frei.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3