Kapitel 28. Zeitsynchronisation mit xntp

Inhaltsverzeichnis

28.1. Konfiguration von xntp im Netzwerk
28.2. Einrichten einer lokalen Zeitnormalen
28.3. Konfiguration eines NTP-Clients mit YaST

Zusammenfassung

Der NTP-Mechanismus (Network Time Protocol) ist ein Protokoll zur Synchronisierung der Systemzeit über das Netzwerk. Zunächst kann ein Rechner die Zeit von einem Server holen, der eine zuverlässige Zeitquelle darstellt. Danach kann der Rechner als Zeitquelle für andere Rechner im Netzwerk dienen. In dieser Weise kann die absolute Zeit eingestellt und die Systemzeit auf allen Rechnern im Netzwerk synchronisiert werden.

Eine genaue Systemzeit ist in vielen Situationen wichtig. Die eingebaute Hardwareuhr (BIOS) genügt oftmals nicht den Anforderungen, die von Anwendungen wie Datenbanken gestellt werden. Die manuelle Korrektur der Systemzeit würde zu schweren Problemen führen, da beispielsweise eine Rückstellung zur einer Fehlfunktion von kritischen Anwendungen führen könnte. In einem Netzwerk muss die Systemzeit normalerweise auf allen Rechnern synchronisiert werden. Die manuelle Einstellung der Systemzeit ist in diesem Zusammenhang ein denkbar schlechter Ansatz. xntp bietet einen Mechanismus, der diese Probleme löst. Zum einen korrigiert xntp die Systemzeit laufend anhand von zuverlässigen Zeitservern im Netzwerk. Außerdem ermöglicht es die Verwaltung von lokalen Zeitnormalen wie Funkuhren.

28.1. Konfiguration von xntp im Netzwerk

xntp ist so voreingestellt, dass nur die lokale Rechneruhr als Zeitreferenz dient. Die Rechneruhr (BIOS) wird jedoch nur als Fallback für den Fall benutzt, dass keine genauere Zeitquelle verfügbar ist. Die einfachste Möglichkeit, einen Zeitserver im Netz zu verwenden, ist die Angabe von „server“-Parametern. Steht im Netzwerk ein Zeitserver zur Verfügung, der zum Beispiel den Namen ntp.example.com hat, so können Sie diesen Servernamen in der Datei /etc/ntp.conf aufnehmen, indem Sie die Zeile server ntp.example.com hinzufügen. Weitere Zeitserver fügt man hinzu, indem man weitere Zeilen mit den Schlüsselwort „server“ einträgt. Nachdem der xntpd mit dem dem Befehl rcxntpd start initialisiert wurde, benötigt er etwa eine Stunde, bis sich die Zeit stabilisiert hat und die „drift“-Datei zur Korrektur der lokalen Rechneruhr angelegt wird. Mit der drift-Datei kann die systematische Abweichung der Hardwareuhr berechnet werden, sobald der Rechner eingeschaltet wird. Die Korrektur wird dann sofort eingesetzt, wodurch eine hohe Stabilität der Systemzeit erreicht wird.

Es gibt zwei Möglichkeiten, den NTP-Mechanismus als Client zu benutzen: Erstens kann der Client die Zeit in regelmäßigen Abständen von einem bekannten Server abfragen. Bei einer großen Anzahl von Clients kann dies zu einer hohen Last auf dem Server führen. Zweitens kann der Client auf NTP-Broadcasts lauschen, die von Broadcast-Zeitservern im Netzwerk versandt werden. Der Nachteil dieser Methode ist, dass die Qualität des Servers unbekannt ist und dass ein Server, der falsche Informationen sendet, zu schwerwiegenden Problemen führen kann.

Falls die Zeit via Broadcast empfangen wird, benötigen Sie den Servernamen nicht. In diesem Fall geben Sie in der Konfigurationsdatei /etc/ntp.conf die Zeile broadcastclient ein. Um ausschließlich einen oder mehrere bekannte Zeitserver zu benutzen, geben Sie die Namen in der Zeile ein, die mit servers beginnt.


SUSE LINUX Administrationshandbuch 9.3