Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte des mobilen Arbeitens unter Linux. Die verschiedenen Einsatzfelder werden kurz vorgestellt und die jeweils benötigten Hardwareeigenschaften beschrieben. Es wird außerdem auf Softwarelösungen für spezielle Anforderungen und Optionen für maximale Leistungsfähigkeit sowie Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu minimieren, eingegangen. Den Abschluss bildet ein Überblick über die wichtigsten Informationsquellen zum Thema.
Mobiles Arbeiten assoziieren die meisten mit Laptops, PDAs und Handys und deren Datenaustausch untereinander. Dieses Kapitel erweitert den Themenbereich noch um mobile Hardwarekomponenten wie externe Festplatten, Flash-Drives oder Digitalkameras, die an Laptops oder Desktopsysteme angeschlossen werden können.
Die Hardwareausstattung von Laptops unterscheidet sich von der eines normalen Desktopsystems, insofern als für den mobilen Einsatz Kriterien wie Austauschbarkeit, Platz- und Energiebedarf den Ausschlag geben. Die Hersteller mobiler Hardware haben den PCMCIA-Standard entwickelt (Personal Computer Memory Card International Association). Unter diesen Standard fallen Speicherkarten, Netzwerkkarten, ISDN-, Modemkarten und externe Festplatten. Wie die Unterstützung solcher Hardware im Einzelnen unter Linux realisiert ist, und was Sie bei der Konfiguration beachten müssen, welche Programme Ihnen zur Steuerung von PCMCIA bereitstehen und wie Sie im Fall von Fehlermeldungen den möglichen Problemen auf den Grund gehen, erfahren Sie in Kapitel 14, PCMCIA.
Die Wahl von weniger energieoptimierten Systemkomponenten beim Laptopbau ist ein Faktor, der dazu beiträgt, dass Laptops auch getrennt vom Stromnetz einsetzbar sind. Mindestens ebenso wichtig ist der Beitrag Ihres Betriebssystems zum Stromsparen. SUSE LINUX unterstützt verschiedene Methoden, die den Stromverbrauch Ihres Laptops beeinflussen und so verschieden große Auswirkungen auf die Batterielaufzeit haben (absteigend nach Beitrag zur Energieersparnis sortiert):
Herunterregeln der CPU-Frequenz
Abschalten der Displaybeleuchtung in Ruhephasen
Manuelles Herunterregeln der Displaybeleuchtung
Entfernen von nicht genutztem hotplugfähigen Zubehör (USB-CDROM, externe Maus, unbenutzte PCMCIA-Karten, etc.)
Abschalten der Festplatte bei Nichtbenutzung
Detaillierte Hintergrundinformationen zum Power-Management unter SUSE LINUX und zur Bedienung des YaST Power-Management Moduls entnehmen Sie Kapitel 16, Power-Management.
Im mobilen Einsatz muss sich Ihr System an immer wechselnde Betriebsumgebungen integrieren. Viele Funktionalitäten sind umgebungsabhängig, und die zugrundeliegenden Dienste müssen umkonfiguriert werden. SUSE LINUX übernimmt diese Aufgabe für Sie.
Die betroffenen Dienste und Funktionalitäten sind im Falle eines Laptops, das zwischen einem kleinen Heimnetzwerk und einem Firmennetzwerk hin- und herwandert:
Hierunter fallen IP-Adressvergabe, Namensauflösung und Anbindung an das Internet oder andere Netze.
Eine aktuelle Datenbank der verfügbaren Drucker und je nach Netz auch ein verfügbarer Printserver müssen vorhanden sein.
Wie beim Drucken auch muss die Liste der betreffenden Server aktuell sein.
Setzen Sie Ihren Laptop zeitweise in Verbindung mit einem Beamer oder einem externen Monitor ein, muss die veränderte Displaykonfiguration ebenfalls vorgehalten werden.
Sie haben mit SUSE LINUX zwei kombinierbare Möglichkeiten, Ihren Laptop in bestehende Betriebsumgebungen zu integrieren:
SCPM (System Configuration Profile Management) erlaubt Ihnen, beliebige Konfigurationszustände Ihres Systems in einer Art „Schnappschuss“ (genannt Profil) einzufrieren. Profile lassen sich für die unterschiedlichsten Situationen erstellen. Sie bieten sich an, wenn das System in wechselnden Umgebungen (Heimnetzwerk/Firmennetz) betrieben wird. Zwischen den verschiedenen Profilen kann jederzeit umgeschaltet werden. Informationen zu SCPM finden Sie in Kapitel 15, System Configuration Profile Management. Unter KDE können Sie über das Kicker-Applet Profile Chooser zwischen Profilen wechseln. Allerdings benötigen fragt Sie das Programm vor dem Wechsel nach dem Root-Passwort.
Das Service Location Protocol (kurz: SLP) vereinfacht den Anschluss eines Laptops an ein bestehendes Netzwerk. Ohne SLP bräuchten Sie als Administrator Detailwissen über die im Netz verfügbaren Dienste. SLP gibt die Verfügbarkeit eines bestimmten Diensttyps allen Clients im lokalen Netz bekannt. Anwendungen, die SLP unterstützen, können die per SLP verteilte Information nutzen und sind damit automatisch konfigurierbar. SLP kann sogar zur Installation eines Systems eingesetzt werden, ohne dass Sie mühsam nach einer geeigneten Installationsquelle suchen müssten. Detailinformationen zu SLP lesen Sie unter Kapitel 23, SLP—Dienste im Netz vermitteln.
Der Schwerpunkt von SCPM liegt darauf, reproduzierbare Systembedingungen zu ermöglichen und zu erhalten. SLP erleichtert die Konfiguration eines vernetzten Rechners sehr, indem viele Vorgänge automatisiert werden.
Es gibt mehrere Problembereiche, die im mobilen Einsatz durch spezielle Software abgedeckt werden: Überwachung des Systems (insbesondere Ladezustand des Akkus), Datensynchronisation und drahtlose Kommunikation mit Peripheriegeräten und Internet. Die folgenden Abschnitte stellen für jeden Punkt jeweils die wichtigsten in SUSE LINUX enthaltenen Anwendungen vor.
SUSE LINUX enthält zwei KDE-Werkzeuge zur Systemüberwachung. Die reine Zustandsanzeige des Laptopakkus wird vom KPowersave-Applet im Kicker übernommen; komplexe Systemüberwachung betreiben Sie mit KSysguard. Unter GNOME bieten Ihnen die beschriebenen Funktionen GNOME ACPI (als Panel-Applet) und System Monitor.
KPowersave ist ein Applet, das Ihnen über ein kleines Icon in der Kontrollleiste Auskunft über den Ladezustand des Akkus gibt. Das Icon passt sich je nach Art der Stromversorgung an. Im Netzbetrieb sehen Sie ein kleines Steckericon; im Batteriebetrieb wechselt es auf ein Batterieicon. Über das zugehörige Menü starten Sie nach Eingabe des Rootpassworts das YaST Modul zum Power-Management, in dem Sie Einstellungen für den Betrieb des Rechners bei unterschiedlicher Stromversorgung machen können. Informationen zu Power-Management und zum entsprechenden YaST Modul finden Sie in Kapitel 16, Power-Management.
KSysguard ist eine eigenständige Anwendung, die alle überwachbaren Parameter des Systems in einer Monitoringumgebung bündelt. KSysguard besitzt Monitore für ACPI (Batteriestand), die Auslastung der CPU, Netzwerk, Partitionsbelegung, Prozessorlast und Speichernutzung. Zusätzlich kann es die gesamten Systemprozesse erfassen und darstellen. Die Art der Darstellung oder Filterung der ermittelten Daten legen Sie selbst fest. Sie können in mehreren Datenblättern unterschiedliche Systemparameter überwachen oder aber auch parallel die Daten mehrerer Rechner über Netzwerk erfassen. Als Daemon kann KSysguard auch auf Rechnern laufen, die keine KDE-Umgebung besitzen. Mehr Informationen zu diesem Programm erhalten Sie über die integrierte Hilfefunktion des Programms oder über die SUSE-Hilfe.
Wechseln Sie beim Arbeiten zwischen mobilem Arbeiten am vom Netz getrennten Laptop und der vernetzten Workstation in der Firma hin und her, stehen Sie vor dem Problem, alle bearbeiteten Daten zwischen beiden Instanzen synchron zu halten. Die Rede ist hier von E-Mail-Ordnern, Verzeichnissen oder Dateien, deren Inhalt Sie sowohl in der Firma als auch unterwegs bearbeiten müssen. Die Lösungen für beide Fälle sehen folgendermaßen aus:
Verwenden Sie im Firmennetz einen IMAP-Account zum
Speichern Ihrer E-Mails. Auf der Workstation lesen Sie Ihre Mails mit
einem beliebigen disconnected IMAP-fähigen Mailer (Mozilla
Thunderbird Mail, Evolution
oder KMail, siehe Benutzerhandbuch).
Konfigurieren Sie auf allen Systemen, von denen aus Sie Mail lesen, den
Mailer so, dass immer derselbe Ordner für Gesendete
Nachrichten verwendet wird. So sind alle Nachrichten samt
Statusanzeigen nach dem Synchronsisationsvorgang verfügbar. Verwenden
Sie zum Versenden der Mail den im Mailer enthaltenen
SMTP-Dienst anstelle des systemweiten MTA
(postfix oder
sendmail), um eine zuverlässige Rückmeldung
über noch nicht versandte Mail zu erhalten.
Es gibt verschiedene Utilities, die benutzt werden können, um Daten zwischen einem Laptop und einem Desktopsystem zu synchronisieren. Einzelheiten sind unter Kapitel 31, Datei-Synchronisation beschrieben.
Abgesehen von der fest verdrahteten Kommunikation per Kabel im heimischen Netz oder der Firma, kann Ihr Laptop auch ohne festen Draht mit anderen Rechnern, Peripheriegeräten, Handys oder PDAs kommunizieren. Linux unterstützt drei Arten drahtloser Kommunikation:
WLAN ist mit der größten Reichweite dieser Drahtlostechnologien als einzige für den Aufbau großer, auch räumlich getrennter Netzwerke verwendbar. Einzelne Rechner lassen sich über WLAN zu einem eigenständigen, drahtlosen Netzwerk verbinden oder ans Internet anbinden. So genannte Access Points bilden für WLAN-fähige Rechner eine Art Basistation, die den Zugang zum Internet vermittelt. Der mobile Benutzer kann mit seinem WLAN-fähigen Rechner zwischen mehreren Access Points hin- und herwechseln, je nachdem, wo er sich gerade befindet und welcher Access Point die beste Verbindung erlaubt. Ähnlich dem mobilen Telefonieren steht einem WLAN-Benutzer ein großes Netzwerk zur Verfügung, ohne dass er für den Zugang dazu in irgendeiner Form räumlich gebunden wäre. Details zu WLAN lesen Sie in Abschnitt 17.1, „Wireless LAN“ nach.
Bluetooth hat das breiteste Einsatzspektrum aller Drahtlostechnologien. Wie IrDA kann es zur Kommunikation zwischen Rechner (Laptop) und PDA oder Handy eingesetzt werden; es kann genauso gut genutzt werden, um mehrere Rechner miteinander zu vernetzen, die sich in Sichtweite voneinander befinden. Außerdem wird Bluetooth eingesetzt, um drahtlose Systemkomponenten wie Tastaturen oder Mäuse einzubinden. Allerdings ist die Reichweite dieser Technologie nicht ausreichend, um räumlich getrennte Systeme miteinander zu vernetzen. Zum drahtlosen Kommunizieren über räumliche Hindernisse wie Hauswände hinweg ist WLAN das Mittel der Wahl. Mehr Informationen zu Bluetooth, seinen Einsatzmöglichkeiten und seiner Konfiguration finden Sie in Abschnitt 17.2, „Bluetooth“.
IrDA ist die Drahtlostechnologie mit der geringsten Reichweite. Die beiden Kommunikationspartner müssen sich in Sichtweite voneinander befinden. Hindernisse wie Zimmerwände können nicht überwunden werden. Ein denkbares Einsatzszenario für IrDA ist das Versenden einer Datei vom Laptop über ein Handy. Dabei wird die Kurzstrecke vom Laptop zum Handy per IrDA zurückgelegt; der Langstreckentransport zum Empfänger der Datei wird über das Mobilfunknetz abgewickelt. Eine andere Einsatzmöglichkeit für IrDA ist die drahtlose Versendung von Druckaufträgen im Büro. Mehr Informationen zu IrDA finden Sie in Abschnitt 17.3, „Infrared Data Association“.
Optimalerweise sichern Sie Ihre Daten auf dem Laptop in mehrerlei Hinsicht gegen unbefugten Zugriff ab. Die Sicherheitsmaßnahmen lassen sich nach den folgenden Aspekten gliedern:
Sichern Sie Ihr System, wenn möglich, immer physikalisch gegen Diebstahl. Im Handel sind verschiedene Sicherungssysteme (wie z.B. Kettenschlösser) erhältlich.
Verschlüsseln Sie wichtige Daten nicht nur bei der Übertragung über ein Netzwerk, sondern auch auf der Festplatte Ihres Systems. So sind Ihre Daten im Falle eines Diebstahls nicht kompromittiert. Wie Sie unter SUSE LINUX eine Kryptopartition anlegen, erfahren Sie unter Abschnitt 34.3, „Partitionen und Dateien verschlüsseln“.
Egal, wie Sie mit der Umwelt kommunizieren, der Datentransfer zu und von Ihren Partnern sollte immer abgesichert sein. Allgemeine Sicherheitsaspekte unter Linux und im Netzwerk werden in Abschnitt 34.4, „Sicherheit ist Vertrauenssache“ besprochen. Zu Sicherheitsaspekten im drahtlosen Netzbetrieb finden Sie mehr in Kapitel 17, Drahtlose Kommunikation.