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Keine Klassenräume mehr? Die Netz-Schule stellt Unterrichtstoff für Schüler und Lehrer bereit Claudia Wessling Computer und Internetanschlüsse in allen Berliner Schulen - nicht mehr lange soll es dauern. Doch wie die teuren Geräte eingesetzt werden sollen, ist vielen Lehrern noch nicht klar. Das größte Problem: Die Inhalte fehlen. Lernsoftware von Schulbuchverlagen belastet die Etats der Schulen, und das Pauken der Funktionen von Textverarbeitungsprogrammen kann die Anschaffung von Computern nicht rechtfertigen. Zwei Berliner haben eine Lösung entwickelt und im Internet die "OpenWebSchool" eröffnet. "Die Idee einer Internetschule entstand aus meiner täglichen Unterrichtspraxis", sagt Hans-Peter Prenzel, Lehrer für Arbeitslehre an der Grundschule am Rüdesheimer Platz. Er wollte die teilweise vernetzten Rechner der Schule in den Unterricht einbinden. Beim Surfen im Internet entdeckte Prenzel die US-Website "WWW Assign", eine Internet-Plattform mit Übungen für Schulen und Universitäten. Zusammen mit dem Programmierer Wilfried Römer begann der Grundschullehrer mit dem Aufbau der Site. Seit September ist die "OpenWebSchool" im Netz. Bislang gibt es vor allem Übungen für die klassischen Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Man kann einfache Aufgaben rechnen, Lückentexte ausfüllen, Kommaregeln lernen und sogar Währungen umrechnen. "Unser Angebot kann nicht nur von Lehrern im Unterricht genutzt werden, sondern auch von Schülern zu Hause", sagt Hans-Peter Prenzel. Die Netz-Schule ist über jeden Internet-Browser zugänglich und läuft auf allen PCs, auch Macintosh- und Linux-basierten. Wer Telefonkosten sparen will, kann die ganze Site herunterladen und offline arbeiten. In den letzten drei Monaten haben sich die Hits auf den Seiten der Internet-Schule verdreifacht. Mit einem überarbeiteten Design wollen die Entwickler einen größeren Kreis ansprechen: Das textbasierte Angebot soll ausgedehnt, multimediale Elemente besser genutzt werden: "Für den Musikunterricht könnte man Stücke zur Bearbeitung ins Netz stellen", sagt Hans-Peter Prenzel. Außerdem soll ein Zeichenprogramm eingebunden werden, mit dem Schüler Bilder direkt im Netz entwerfen können. Die Erweiterungen können Prenzel und sein Kompagnon nicht alleine bewältigen: "Wir brauchen Lehrerkollegen, die uns Material liefern." Auf dem zur Zeit noch begrenzten Web-Angebot sollen irgendwann für alle Fächer und Jahrgangsstufen Aufgaben vorhanden sein. Lehrer und Schüler können deshalb Vorschläge bei der "OpenWebSchool" einreichen. Aus: Der Tagesspiegel, 26.11.2000 |