GRUB (Grand Unified Bootloader) besteht aus zwei Stufen. Stufe 1 (stage1) besteht aus 512 Byte und wird in den MBR oder den Bootsektor einer Festplattenpartition oder Diskette geschrieben. Anschließend wird Stufe 2 (stage2) geladen. Diese Stufe enthält den eigentlichen Programmcode. Einzige Aufgabe der ersten Stufe ist es, die zweite Stufe des Bootloaders zu laden.
stage2 kann auf Dateisysteme zugreifen. Derzeit werden Ext2, Ext3, ReiserFS,
Minix und das von Windows verwendete DOS FAT-Dateisystem unterstützt. Bis zu
einem gewissen Grad werden auch die von BSD-Systemen verwendeten JFS, XFS, UFS
und FFS unterstützt. Seit Version 0.95 kann GRUB auch von einer CD oder DVD
booten, die das ISO 9660-Standarddateisystem nach der „El
Torito“-Spezifikation enthält. GRUB kann noch vor dem Booten auf
Dateisysteme unterstützter BIOS-Disk-Devices (vom BIOS erkannte Disketten,
Festplatten, CD- oder DVD-Laufwerke) zugreifen. Daher erfordern Änderungen an
der GRUB-Konfigurationsdatei (menu.lst) keine
Neuinstallation des Bootmanagers mehr. Beim Booten des Systems liest GRUB die
Menüdatei samt der aktuellen Pfade und Partitionsdaten zur Kernel oder zur
Initial RAM-Disk (initrd) neu ein und findet diese Dateien
selbständig.
Die eigentliche Konfiguration von GRUB basiert auf den im Folgenden beschriebenen drei Dateien:
/boot/grub/menu.lstDiese Datei enthält sämtliche Informationen zu Partitionen oder Betriebssystemen, die mit GRUB gebootet werden können. Ohne diese Informationen kann die Systemsteuerung nicht an das Betriebssystem übergeben werden.
/boot/grub/device.mapDiese Datei übersetzt Gerätenamen aus der GRUB- und BIOS-Notation in Linux-Gerätenamen.
/etc/grub.confDiese Datei enthält die Parameter und Optionen, die die GRUB-Shell für das ordnungsgemäße Installieren des Bootloaders benötigt.
GRUB kann auf mehrere Weisen gesteuert werden. Booteinträge aus einer
vorhandenen Konfiguration können im grafischen Menü (Eröffnungsbildschirm)
ausgewählt werden. Die Konfiguration wird aus der Datei
menu.lst geladen.
In GRUB können alle Bootparameter vor dem Booten geändert werden. Auf diese
Weise können beispielsweise Fehler behoben werden, die beim Bearbeiten der
Menüdatei aufgetreten sind. Außerdem können über eine Art Eingabeaufforderung
(siehe Abschnitt 29.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“) Bootbefehle interaktiv eingegeben
werden. GRUB bietet die Möglichkeit, noch vor dem Booten die Position des
Kernels und von initrd festzustellen. Auf diese Weise
können Sie auch ein installiertes Betriebssystem booten, für das in der
Konfiguration des Bootloaders noch kein Eintrag vorhanden ist.
Die GRUB-Shell bietet eine Emulation von GRUB im installierten System. Sie kann zum Installieren von GRUB oder zum Testen neuer Einstellungen verwendet werden, bevor diese aktiviert werden. Siehe Abschnitt 29.3.4, „Die GRUB-Shell“.
Hinter dem grafischen Eröffnungsbildschirm mit dem Bootmenü steht die
GRUB-Konfigurationsdatei /boot/grub/menu.lst, die alle
Informationen zu allen Partitionen oder Betriebssystemen enthält, die über das
Menü gebootet werden können.
GRUB liest bei jedem Systemstart die Menüdatei vom Dateisystem neu ein. Es besteht also kein Bedarf, GRUB nach jeder Änderung an der Datei neu zu installieren. Mit dem YaST-Bootloader können Sie die GRUB-Konfiguration wie in Abschnitt 29.4, „Konfigurieren des Bootloaders mit YaST“ beschrieben ändern.
Die Menüdatei enthält Befehle. Die Syntax ist sehr einfach. Jede Zeile
enthält einen Befehl, gefolgt von optionalen Parametern, die wie bei der Shell
durch Leerzeichen getrennt werden. Einige Befehle erlauben aus historischen
Gründen ein Gleichheitszeichen (=) vor dem ersten Parameter.
Kommentare werden durch ein Rautezeichen (#) eingeleitet.
Zur Erkennung der Menüeinträge in der Menü-Übersicht, müssen Sie für jeden
Eintrag einen Namen oder einen title vergeben. Der nach dem
Schlüsselwort title stehende Text wird inklusive Leerzeichen
im Menü als auswählbare Option angezeigt. Alle Befehle bis zum nächsten
title werden nach Auswahl dieses Menüeintrags ausgeführt.
Der einfachste Fall ist die Umleitung zu Bootloadern anderer
Betriebssysteme. Der Befehl lautet chainloader und das
Argument ist normalerweise der Bootblock einer anderen Partition in der
Blocknotation von GRUB. Beispiel:
chainloader (hd0,3)+1
Die Gerätenamen in GRUB werden in Abschnitt 29.3.1.1, „Namenskonventionen für Festplatten und Partitionen“ beschrieben. Obiges Beispiel spezifiziert den ersten Block der vierten Partition auf der ersten Festplatte.
Mit dem Befehl kernel wird ein Kernel-Image angegeben.
Das erste Argument ist der Pfad zum Kernel-Image auf einer Partition. Die
restlichen Argumente werden dem Kernel auf der Befehlszeile übergeben.
Wenn der Kernel nicht über die erforderlichen Treiber für den Zugriff auf
die Rootpartition verfügt, muss initrd mit einem separaten
GRUB-Befehl angegeben werden, dessen einziges Argument der Pfad zu der Datei
initrd ist. Da die Ladeadresse von
initrd in das geladene Kernel-Image geschrieben wird, muss
der Befehl initrd direkt auf den Befehl
kernel folgen.
Der Befehl root vereinfacht die Angabe der Kernel- und
initrd-Dateien. Das einzige Argument von root ist ein
GRUB-Gerät oder eine Partition auf einem GRUB-Gerät. Allen Kernel-,
initrd- oder anderen Dateipfaden, für die nicht explizit
ein Gerät angegeben ist, wird bis zum nächsten root-Befehl
das Gerät vorangestellt. Dieser Befehl wird in der während der Installation
generierten Datei menu.lst nicht verwendet. Er dient
lediglich der Vereinfachung der manuellen Bearbeitung.
Am Ende jeden Menü-Eintrags steht implizit der
boot-Befehl, sodass dieser nicht in die Menüdatei geschrieben
werden muss. Wenn Sie GRUB jedoch interaktiv zum Booten verwenden, müssen Sie
den boot-Befehl am Ende eingeben. Der Befehl selbst hat keine
Argumente. Er führt lediglich das geladene Kernel-Image oder den angegebenen
Chainloader aus.
Wenn Sie alle Menüeinträge geschrieben haben, müssen Sie einen Eintrag als
default festlegen. Anderenfalls wird der erste Eintrag
(Eintrag 0) verwendet. Sie haben auch die Möglichkeit, ein
Zeitlimit in Sekunden anzugeben, nach dem der default-Eintrag gebootet wird.
timeout und default werden den
Menüeinträgen in der Regel vorangestellt. Eine Beispieldatei finden Sie in Abschnitt 29.3.1.2, „Beispiel einer Menüdatei“.
Die von GRUB für Festplatten und Partitionen verwendeten Namenskonventionen
unterscheiden sich von denen, die für normale Linux-Geräte verwendet werden. In
GRUB beginnt die Nummerierung der Partitionen mit Null. Daher ist
(hd0,0) die erste Partition auf der ersten Festplatte. Auf
einem gewöhnlichen Desktop-Computer, bei dem eine Festplatte als Primary Master
angeschlossen ist, lautet der entsprechende Linux-Gerätename
/dev/hda1.
Die vier möglichen primären Partitionen haben die Partitionsnummern
0 bis 3. Ab 4 werden
die logischen Partitionen hochgezählt:
(hd0,0) erste primäre Partition auf der ersten Festplatte (hd0,1) zweite primäre Partition (hd0,2) dritte primäre Partition (hd0,3) vierte primäre (und meist eine erweiterte) Partition (hd0,4) erste logische Partition (hd0,5) zweite logische Partition
GRUB unterscheidet nicht zwischen IDE-, SCSI- oder RAID-Geräten. Alle Festplatten, die vom BIOS oder anderen Controllern erkannt werden, werden der im BIOS voreingestellten Bootreihenfolge entsprechend nummeriert.
Leider kann GRUB die Linux-Gerätenamen den BIOS-Gerätenamen nicht eindeutig
zuordnen. Es generiert die Zuordnung mithilfe eines Algorithmus und speichert
sie in der Datei device.map, in der sie bei Bedarf
bearbeitet werden kann. Informationen zur Datei device.map
finden Sie in Abschnitt 29.3.2, „Die Datei device.map“.
Ein vollständiger GRUB-Pfad besteht aus einem Gerätenamen, der in Klammern geschrieben wird, und dem Pfad der Datei im Dateisystem auf der angegebenen Partition. Der Pfad beginnt mit einem Schrägstrich. Auf einem System mit einer einzelnen IDE-Festplatte und Linux auf der ersten Partition könnte der bootbare Kernel beispielsweise wie folgt spezifiziert werden:
(hd0,0)/boot/vmlinuz
Das folgende Beispiel zeigt die Struktur einer GRUB-Menüdatei. Diese
Beispiel-Installation beinhaltet eine Linux-Bootpartition unter
/dev/hda5, eine Rootpartition unter
/dev/hda7 und eine Windows-Installation unter
/dev/hda1.
gfxmenu (hd0,4)/message color white/blue black/light-gray default 0 timeout 8 title linux kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd title windows chainloader(hd0,0)+1 title floppy chainloader(fd0)+1 title failsafe kernel (hd0,4)/vmlinuz.shipped root=/dev/hda7 ide=nodma \ apm=off acpi=off vga=normal nosmp maxcpus=0 3 initrd (hd0,4)/initrd.shipped
Der erste Block definiert die Konfiguration des Eröffnungsbildschirms:
Das Hintergrundbild message befindet sich in
/dev/hda5.
Farbschema: white (Vordergrund), blue (Hintergrund), black (Auswahl) und light gray (Hintergrund der Markierung). Das Farbschema wirkt sich nicht auf den Eröffnungsbildschirm, sondern nur auf das anpassbare GRUB-Menü aus, auf das Sie zugreifen können, wenn Sie den Eröffnungsbildschirm mit Esc beenden.
Der erste Menüeintrag title linux soll standardmäßig
gebootet werden.
Nach acht Sekunden ohne Benutzereingabe bootet GRUB den Standardeintrag
automatisch. Um das automatische Booten zu deaktivieren, löschen Sie die Zeile
timeout. Wenn Sie timeout 0 setzen, bootet
GRUB den Standardeintrag sofort.
Im zweiten und größten Block sind die verschiedenen bootbaren
Betriebssysteme aufgelistet. Die Abschnitte für die einzelnen Betriebssysteme
werden durch title eingeleitet.
Der erste Eintrag (title linux) ist für das Booten von
SUSE Linux zuständig. Der Kernel (vmlinuz) befindet sich in
der ersten logischen Partition (die Bootpartition) der ersten Festplatte. Hier
werden Kernel-Parameter, z. B. die Rootpartition und der VGA-Modus, angehängt.
Die Angabe der Rootpartition erfolgt nach der Linux-Namenskonvention
(/dev/hda7/), da diese Information für den Kernel bestimmt
ist und nichts mit GRUB zu tun hat. Die initrd befindet sich
ebenfalls in der ersten logischen Partition der ersten Festplatte.
Der zweite Eintrag ist für das Laden von Windows verantwortlich. Windows
wird von der ersten Partition der ersten Festplatte aus gebootet
(hd0,0). Mittels chainloader +1 wird das
Auslesen und Ausführen des ersten Sektors der angegebenen Partition gesteuert.
Der nächste Eintrag dient dazu, das Booten von Diskette zu ermöglichen, ohne dass dazu die BIOS-Einstellungen geändert werden müssten.
Die Bootoption failsafe dient dazu, Linux mit einer
bestimmten Auswahl an Kernel-Parametern zu starten, die selbst auf
problematischen Systemen ein Hochfahren von Linux ermöglichen.
Die Menüdatei kann jederzeit geändert werden. GRUB verwendet die geänderten Einstellungen anschließend für den nächsten Bootvorgang. Sie können diese Datei mit dem Editor Ihrer Wahl oder mit YaST permanent editieren und dauerhaft speichern. Alternativ können Sie temporäre Änderungen interaktiv über die Bearbeitungsfunktion von GRUB vornehmen. Siehe Abschnitt 29.3.1.3, „Ändern von Menü-Einträgen während des Bootvorgangs“.
Wählen Sie im grafischen GRUB-Bootmenü das zu bootende Betriebssystem mit den Pfeiltasten aus. Wenn Sie eine Linux-System wählen, können Sie an der Boot-Eingabeaufforderung zusätzliche Bootparameter eingeben. Um einzelne Menüeinträge direkt zu bearbeiten, drücken Sie die Esc-Taste, um den Eröffnungsbildschirm zu schließen, und drücken Sie anschließend die Taste E. Auf diese Weise vorgenommene Änderungen gelten nur für den aktuellen Bootvorgang und können nicht dauerhaft übernommen werden.
![]() | Tastaturbelegung während des Bootvorgangs |
|---|---|
Beim Bootvorgang ist nur die amerikanische Tastaturbelegung verfügbar. | |
Aktivieren Sie den Bearbeitungsmodus und wählen Sie mithilfe der Pfeiltasten den Menüeintrag aus, dessen Konfiguration sie ändern möchten. Um die Konfiguration zu bearbeiten, drücken Sie die Taste E erneut. Auf diese Weise korrigieren Sie falsche Partitions- oder Pfadangaben, bevor sich diese negativ auf den Bootvorgang auswirken. Drücken Sie die Eingabetaste, um den Bearbeitungsmodus zu verlassen und zum Menü zurückzukehren. Drücken Sie anschließend die Taste B, um diesen Eintrag zu booten. Im Hilfetext am unteren Rand werden weitere mögliche Aktionen angezeigt.
Um die geänderten Bootoptionen dauerhaft zu übernehmen und an den Kernel zu
übergeben, öffnen Sie die Datei menu.lst als Benutzer
root und hängen Sie die entsprechenden Kernel-Parameter an
folgende vorhandene Zeile getrennt durch Leerzeichen an:
title linux kernel (hd0,0)/vmlinuz root=/dev/hda3 additional parameter initrd (hd0,0)/initrd
GRUB übernimmt den neuen Parameter beim nächsten Booten automatisch. Alternativ können Sie diese Änderung auch mit dem YaST-Bootloader-Modul vornehmen. Hängen Sie die neuen Parameter getrennt durch Leerzeichen an die vorhandene Zeile an.
Besonders beim Entwickeln oder Verwenden von benutzerdefinierten Kerneln
müssen Sie entweder die Einträge in der Datei menu.lst
ändern oder auf der Befehlszeile arbeiten, um sicherzustellen, dass die
aktuellen Kernel- und initrd-Dateinamen verwendet werden. Um diese Prozedur zu
vereinfachen, verwenden Sie Platzhalter, um die
Kernel-Liste von GRUB dynamisch zu aktualisieren. Alle Kernel-Images, die einem
bestimmten Muster entsprechen, werden anschließend automatisch zur Liste der
bootbaren Images hinzugefügt. Beachten Sie, dass diese Funktion nicht
unterstützt wird.
Sie aktivieren die Platzhalteroption, indem Sie der Datei
menu.lst einen zusätzlichen Menüeintrag hinzufügen. Es ist
sinnvoll, allen Kernel- und initrd-Images gemeinsame Basisnamen einen Bezeichner
zu vergeben, die dem Kernel und der zugehörigen initrd entsprechen. Angenommen,
es gäbe folgendes Setup:
initrd-default initrd-test vmlinuz-default vmlinuz-test
In diesem Fall können Sie beide Boot-Images in eine GRUB-Konfiguration
einfügen. Um die Menüeinträge linux-default und
linux-test zu erhalten, ist der folgende Eintrag in
menu.lst erforderlich:
title linux-* wildcard (hd0,4)/vmlinuz-* kernel (hd0,4)/vmlinuz-* root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-*
In diesem Beispiel durchsucht GRUB die Partition (hd0,4) nach Einträgen,
die dem Platzhalter entsprechen. Diese Einträge werden zum Generieren der neuen
GRUB-Menüeinträge verwendet. Im vorherigen Beispiel verhält sich GRUB, als
existierten die folgenden Einträge in menu.lst:
title linux-default wildcard (hd0,4)/vmlinuz-default kernel (hd0,4)/vmlinuz-default root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-default title linux-test wildcard (hd0,4)/vmlinuz-test kernel (hd0,4)/vmlinuz-test root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd-test
Wenn in dieser Konfiguration Dateinamen nicht konsistent verwendet werden oder eine der erweiterten Dateien, z. B. ein initrd-Image, fehlt, treten Probleme auf.
Die Datei device.map enthält Zuordnungen von
GRUB-Gerätenamen und Linux-Gerätenamen. In einem Mischsystem aus IDE- und
SCSI-Festplatten muss GRUB anhand eines bestimmten Verfahrens versuchen, die
Bootreihenfolge zu ermitteln, da die BIOS-Informationen zur Bootreihenfolge für
GRUB nicht zugänglich sind. GRUB speichert das Ergebnis dieser Analyse in der
Datei /boot/grub/device.map. Auf einem System, für das IDE
vor SCSI gebootet werden soll, kann die Datei device.map
beispielsweise wie folgt aussehen:
(fd0) /dev/fd0 (hd0) /dev/hda (hd1) /dev/sda
Da die Reihenfolge von IDE, SCSI und anderen Festplatten abhängig von
verschiedenen Faktoren ist und Linux die Zuordnung nicht erkennen kann, besteht
die Möglichkeit, die Reihenfolge in der Datei device.map
manuell festzulegen. Wenn beim Booten Probleme auftreten sollten, prüfen Sie, ob
die Reihenfolge in dieser Datei der BIOS-Reihenfolge entspricht und ändern Sie
sie notfalls temporär mithilfe der GRUB-Shell, wie in Abschnitt 29.3.4, „Die GRUB-Shell“ beschrieben. Ist das Linux-System erst gebootet,
können Sie die Änderungen in der Datei device.map mithilfe
des YaST Bootloader-Moduls oder eines Editors Ihrer Wahl dauerhaft übernehmen.
Installieren Sie nach dem manuellen Bearbeiten von
device.map GRUB mithilfe des folgenden Befehls neu. Dieser
Befehl führt dazu, dass die Datei device.map neu geladen
wird und die in grub.conf aufgelisteten Befehle ausgeführt
werden:
grub --batch < /etc/grub.conf
Die dritte wichtige Konfigurationsdatei von GRUB neben
menu.lst und device.map ist
/etc/grub.conf. Diese Datei enthält die Parameter und
Optionen, die der Befehl grub benötigt, um den Bootloader
ordnungsgemäß installieren zu können:
root (hd0,4) install /grub/stage1 d (hd0) /grub/stage2 0x8000 (hd0,4)/grub/menu.lst quit
Bedeutung der einzelnen Einträge:
Mit diesem Befehl wird GRUB angewiesen, folgende Befehle auf die erste logische Partition der ersten Festplatte anzuwenden. Dort befinden sich die Bootdateien.
Parameter
Der Befehl grub sollte mit dem Parameter
install ausgeführt werden. stage1 des
Bootloaders sollte im MBR der ersten Festplatte (/grub/stage1 d
(hd0)) installiert werden. stage2 sollte in die
Speicheradresse 0x8000 (/grub/stage2 0x8000) geladen werden.
Der letzte Eintrag ((hd0,4)/grub/menu.lst) weist GRUB an, wo
die Menüdatei zu finden ist.
GRUB liegt in zwei Versionen vor: als Bootloader und als normales
Linux-Programm im Verzeichnis /usr/sbin/grub. Dieses
Programm wird als GRUB-Shell bezeichnet. Die
Funktionalität, GRUB als Bootloader auf eine Festplatte oder Diskette zu
installieren, ist in Form der Befehle install und
setup in GRUB integriert. Diese Befehle sind in der
GRUB-Shell verfügbar, wenn Linux geladen ist.
Die Befehle setup und install sind
aber auch schon während des Bootvorgangs verfügbar, bevor Linux gestartet wird.
Dies ermöglicht die Reparatur eines defekten Systems, das nicht mehr gebootet
werden kann, da die fehlerhafte Konfigurationsdatei des Bootloaders mittels der
manuellen Eingabe von Parametern umgangen werden kann. Die manuelle Eingabe vom
Parametern während des Bootvorgangs ist zudem hilfreich zum Testen neuer
Einstellungen, ohne dass diese sich auf das native System auswirken. Geben Sie
die experimentelle Konfigurationsdatei mit einer ähnlichen Syntax wie in
menu.lst ein. Testen Sie anschließend die Funktionalität
dieses Eintrags, ohne die vorhandene Konfigurationsdatei zu ändern. Zum Testen
eines neuen Kernels geben Sie beispielsweise den Befehl
kernel und den Pfad zum neuen Kernel ein. Wenn der
Bootvorgang nicht erfolgreich ausgeführt wird, können Sie beim nächsten Booten
die intakte Datei menu.lst verwenden. Auf ähnliche Weise
kann auch die Befehlszeilenschnittstelle verwendet werden, um ein System trotz
einer fehlerhaften menu.lst-Datei zu booten, indem die
korrigierten Parameter eingegeben werden. Im laufenden System können die
richtigen Parameter in die menu.lst-Datei eingegeben
werden, um das System dauerhaft bootbar zu machen.
Die Zuordnung von GRUB-Geräten zu Linux-Gerätenamen ist nur relevant, wenn
die GRUB-Shell als Linux-Programm ausgeführt wird (mittels Eingabe von
grub wie in Abschnitt 29.3.2, „Die Datei device.map“ beschrieben). Zu
diesem Zweck liest das Programm die Datei device.map aus.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Abschnitt 29.3.2, „Die Datei device.map“.
GRUB unterstützt schon vor dem Booten des Betriebssystems den Zugriff auf Dateisysteme. Dies bedeutet, dass Benutzer ohne root-Berechtigungen auf Dateien des Linux-Systems zugreifen können, auf die sie nach dem Booten keinen Zugriff haben. Um diese Zugriffe oder das Booten bestimmter Betriebssysteme zu verhindern, können Sie ein Bootpasswort festlegen.
![]() | Bootpasswort und Eröffnungsbildschirm |
|---|---|
Wenn Sie für GRUB ein Bootpasswort verwenden, wird der übliche Eröffnungsbildschirm nicht angezeigt. | |
Legen Sie als Benutzer root das Bootpasswort wie folgt
fest:
Geben Sie in der Eingabeaufforderung grub ein.
Verschlüssen Sie das Passwort in der GRUB-Shell wie folgt:
grub> md5crypt Password: **** Encrypted: $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/
Fügen Sie die verschlüsselte Zeichenkette in den globalen Abschnitt der
Datei menu.lst ein:
gfxmenu (hd0,4)/message color white/blue black/light-gray default 0 timeout 8 password --md5 $1$lS2dv/$JOYcdxIn7CJk9xShzzJVw/
Jetzt können GRUB-Befehle in der Booteingabeaufforderung nur nach Drücken der Taste P und der Eingabe des Passworts ausgeführt werden. Benutzer können jedoch über das Bootmenü weiterhin alle Betriebssysteme booten.
Um zu verhindern, dass ein oder mehrere Betriebssysteme über das Bootmenü
gebootet werden, fügen Sie den Eintrag lock zu allen
Abschnitten in menu.lst hinzu, die ohne Eingabe eines
Passworts nicht gebootet werden sollen. Beispiel:
title linux kernel (hd0,4)/vmlinuz root=/dev/hda7 vga=791 initrd (hd0,4)/initrd lock
Nach dem Neubooten des Systems und der Auswahl des Linux-Eintrags im Bootmenü erscheint zunächst folgende Fehlermeldung:
Error 32: Must be authenticated
Drücken Sie die Eingabetaste, um das Menü zu öffnen. Drücken Sie anschließend die Taste P, um die Eingabeaufforderung für das Passwort zu öffnen. Wenn Sie das Passwort eingegeben und die Eingabetaste gedrückt haben, sollte das ausgewählte Betriebssystem (in diesem Fall Linux) gebootet werden.